VR-Porn in die Lehrpläne

Ein Gefühl der angenehmen Überraschung, nicht ganz unähnlich der Überraschung, die eine gelungene Pointe auslöst. Aber es war kein Witz, der es auslöste. Es war das plötzliche, spürbare Wanken eines Teils meines Weltbildes, dessen Existenz mir gar nicht bewusst war. Mir war schon bewusst, dass unsere Kultur und ihre Technologie sich gegenseitig prägen und bedingen. Aber dass die Technologie zumindest manchmal völlig willkürlich und zufällig massiven Einfluss auf zentrale Teile unserer Kultur nimmt, das hat mich dann schon überrascht. Und amüsiert, auch wenn es bestenfalls ein schmutziger und geschmackloser Witz der Geschichte ist.

Wenn man sich die Bandbreite menschlicher Sexualität ansieht, dann hat die männliche Masturbations-Sexualität einen vergleichsweise funktionalen Charakter. Pornografische Filme geben ihren Inhalt meist aus der Perspektive eines unbeteiligten Beobachters wieder – eben des Kameramanns. Und selbst wenn sie mal aus der Perspektive eines Beteiligten – meist des Mannes – gefilmt sind, sind sie doch kaum je immersiv. Das liegt auch daran, dass Posen, Handlungen und Beleuchtung meist darauf hin optimiert sind, die primären Reize männlicher Masturbations-Sexualität zu liefern. Und sonst nichts. Funktional eben.

Ich persönlich finde das überhaupt nicht schlimm oder auch nur eines Naserümpfens wert. Dass aber die in dieser Hinsicht dann doch wieder höchst unselige Verbindung aus männlicher Masturbations-Sexualität und zeitgenössischer Filmtechnik – Pornografie – vermittelt durch das Internet die Sexualität unserer Kinder erheblich prägt, das ist dann doch ein Naserümpfen wert. Und mehr.

Mir ist durchaus bewusst, dass die Rolle der Frau in zeitgenössischer heterosexueller Pornografie in der Regel nicht unbedingt ein Traumjob ist – mal abgesehen vom Verdienst. Doch wie krass das ist und wie sehr dieses kranke Bild von Sexualität (krank nur, wenn man mal jenseits von männlicher Ihr wisst schon schaut) durch die eben gerade verfügbare Technologie geprägt wird, das ist mir erst durch diesen Film bewusst geworden.

Der Schlüsselsatz aus dem Video ist für mich: “This is gonna change the game” – “Das wird das Spiel verändern”. Das ist in der Tat nicht auszuschließen. Durch die starke Immersion, die virtuelle Realität vermittelt, gelingt es vielleicht auch den meisten Männern nicht mehr, die abartige bis eklige Rolle auszublenden, die Frauen oft in der Pornografie spielen. Vielleicht aber auch doch.

Es wird mit Sicherheit viel VR Porn geben, der ausschließlich aus männlicher Perspektive gedreht ist. Gut möglich, dass sich das mit Ästhetik und Klischees zeitgenössischer Pornographie verträgt. Vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall wird es für meine Kinder zu spät kommen.

Für sie wird Pornografie ein wichtiges Rollen-Modell für ihre Sexualität sein. Ich halte es daher für wichtig, dass Pornographie umfassend und wiederholt in der Schule behandelt wird. Es sollte besprochen werden, wieso die Filme so aufgebaut sind, wie sie aufgebaut sind, warum die Rollenverteilung so ist und welchen Sinn die Ästhetik hat. Und es sollten alternative Rollenmodelle angeboten werden. Für Ideen, wie das mit dem Jugendschutz in Einklang zu bringen ist, wäre ich sehr dankbar.

Kinder lernen in der Schule, Gedichte zu interpretieren. Das ist gut und wichtig. Trotz meiner Abscheu gegen die Art, wie Poesie in der Schule vermittelt wird, bin ich ein Lyrik-Liebhaber geworden. Aber viel wichtiger und relevanter ist für unsere Kinder die Fähigkeit, Porno-Filme interpretieren zu können.

Dabei kommt es natürlich nicht auf subtile Signale an, wie in der Lyrik. Es geht einfach darum, zu durchschauen, wieso ein Porno-Film so aussieht, wie er aussieht, wieso bestimmte eigentlich absurde Stellungen gewählt werden, wieso die Rollenverteilung ist, wie sie ist und so weiter.

Dem sollte im Unterricht ein ähnlicher Raum eingeräumt werden, wie der Interpretation von Texten. Denn das wäre für die sexuelle Entwicklung unserer Kinder enorm wichtig.

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Ironie des Schicksals

Ich habe eben einen Mitschnitt von einem Freddy Mercury Tribute Konzert gesehen. Ich war früher Queen Fan, also habe ich da mal rein-geschaut. Das war eine große Veranstaltung. Die 72.000 Eintrittskarten für diese Veranstaltung waren innerhalb von 6 Stunden ausverkauft. Und als ich so die Bilder von dem Konzert, den begeisterten Zuschauern und den Musikern gesehen habe, ist mir eine seltsame Ironie des Schicksals bewusst geworden. Das Leben hat echt einen schrägen Sinn für Humor.

Wenn ein Musiker ein Mega-Star wird, sieht er sich plötzlich mit einer überraschenden musikalischen Schwierigkeit konfrontiert. “Mega-Star” heißt einer von vielleicht wenigen Dutzend Acts auf der Welt, die zuverlässig Stadien füllen. So ein Mega-Star.

So ein Mega-Star wird man ja nun nicht, weil man sich allen Erwartungen widersetzt. Man wird nicht bei allen möglichen Menschen beliebt, wenn man sich dauernd gegen sie wendet.

Und nun wenden sich diese Massen an Fans unfreiwillig gegen ihre Stars, wenn sie anfangen, im Takt zu deiner Musik zu klatschen. Denn wenn 36.000 deiner 72.000 Fans 50 Meter und mehr von dir weg stehen, dann braucht deine Musik anderthalb Zehntel Sekunden zu ihnen und ihr Klatschen dann anderthalb Zehntel zu Dir. Das sind zusammen 300 Millisekunden. Das ist schon bei einer langsamen Ballade ein Achtel daneben. Bei einem up-tempo Stück verschiebt es die Eins irgendwo in die Mitte des Taktes.

Wem das alles nichts sagt: Es ist in etwa so, als würde dir beim Tanzen jemand dauernd das Bein stellen. Und zigtausend Fans stehen da begeistert vor dir und klatschen dir dauern gegen den Takt. Du solltest besser Stücke finden, wo die nicht mit-klatschen.

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Screen Time

Liebe Eltern,

Ich verwende seit einiger Zeit eine App namens Screen Time. Doch ich möchte keine Werbung für ein konkretes Produkt machen. Sollte ich Sie also überzeugen, suchen Sie ruhig nach “Screen Time”, aber dann schauen Sie dort nach “ähnliche Apps” oder suchen Sie gleich nach “parental control” und suchen sich genau die App, die Ihren Bedürfnissen gerecht wird.

Das muss nicht Screen Time sein. Es gibt zum Beispiel viele Apps, mit denen Sie den aktuellen Standort ihrer Kinder verfolgen können. Ich möchte das nicht und Screen Time kann das nicht. Wenn Sie aber meinen, ihrer Aufsichtspflicht so besser gerecht zu werden und die gefühlte Sicherheit schätzen, die dieses Standort-Feature vermittelt, dann wählen Sie eine andere, ähnliche App. Aber bitte wählen Sie eine solche App!

Erziehung in Zeiten des Netzes

Denn das Leben ihrer Kinder spielt sich ab einem bestimmten Alter zu einem wichtigen Teil im Netz ab und das Smartphone Ihres Kindes ist der Schlüssel zu dieser Welt. Und wir Eltern müssen unsere Kinder auch noch erziehen und beaufsichtigen, wenn sie 12 Jahre und älter sind.

Es ist dabei schwierig, die richtige Balance zwischen intrusiver Überwachung und elterlicher Fürsorge zu finden.

Aber das Netz ist nun mal ein rauer Ort, an dem wir unsere Kinder nicht ganz allein lassen dürfen. Und so unbestreitbar sinnvoll es ist, dass unsere Kinder lernen, in dieser Welt des Netzes zu leben, so wichtig ist es, dass sie sich darin nicht verlieren.

Erzieherischer Eingriff in die Medien-Nutzung: Screen Time

Screen Time bietet dabei für mich das richtige Maß. Die App wird auf dem SmartPhone des Kindes installiert. Sie limitiert die Gesamtzeit über die täglich ausgewählte Apps verwendet werden dürfen. Welche Apps das sind, bestimmen Sie. Zu Uhrzeiten, die Sie festlegen (“Schulzeit”, “Bett-Zeit”), können von Ihnen ausgewählte App gar nicht mehr benutzt werden, und zu einer ebenfalls von Ihnen festgelegten Zeit (“Licht aus”), geht dann auf dem Telefon gar nichts mehr.

Außerdem werden Sie per Mail benachrichtigt, welche neuen Apps auf dem Handy Ihres Kindes installiert werden und Sie erhalten täglich eine Mail in der aufgelistet wird, wie viel Zeit Ihr Kind am Vortag mit welcher App verbracht hat. Sie sehen also, wenn z.B. die WhatsApp Nutzung überhand nimmt und können das thematisieren.

All das kostet nichts. Es entbindet Sie auch nicht davon, mit Ihrem Kind darüber zu sprechen, was es mit WhatsApp, Instagram usw. tut. Aber es hilft Ihnen, zu wissen, was Sie ansprechen sollten, ohne dass es eine meiner Meinung nach übermäßige Überwachung von jungen Teenagern bedeutet.

Gegen ein für eine App ziemlich saftiges Entgelt von 3,40€ pro Monat gibt es noch einige Features, die ich nicht getestet habe, die aber grundsätzlich sinnvoll klingen. Man installiert dazu die Eltern-App auf dem Eltern SmartPhone oder den Eltern SmartPhones (für 3,40 gibts bis zu sechs Kinder-Apps und zwei Eltern-Apps) und kann dann bei Bedarf das oder die Kinder-SmartPhones abschließen. Zum Beispiel wenn man zum Essen ruft.

Oder man kann Erweiterungen des Zeit-Budgets anbieten, wenn die Kinder dafür bestimmte Aufgaben erfüllen. Ich habe es wie gesagt nicht getestet, aber ich kann mir das ganz entspannt vorstellen. Man stellt das Zeitbudget relativ knapp ein und richtet Verlängerungen für die üblichen Aufgaben ein – Hausaufgaben, Spülmaschine ausräumen, Instrument üben, Zimmer aufräumen usw. Es wird viele Kinder geben, mit denen das Zusammenleben unter einem solchen Regime angenehmer wäre. Und die Alternative – z.B. Schimpfen – ist der Entwicklung von Kindern vielleicht noch weniger zuträglich als ein solches auch nicht über alle Zweifel erhabenes Verfahren.

Für und Wider

Viele Eltern lehnen diese Form der Überwachung, Kontrolle und Verhaltens-Lenkung ab. Ich kann das nachvollziehen, bin aber zu dem Schluss gekommen, dass in der Abwägung dieser Technologie die Argumente für ihren Einsatz deutlich überwiegen.

Da ist zunächst der raue Ort, der das Netz ist. Sie würden Ihre Kinder nicht den ganzen Tag allein am Bahnhof spielen lassen. Aber sie allein den Trollen vorzuwerfen, sie allein dem subversiven 4chan Humor auszusetzen, sie allein in die größte Porno Videothek der Welt zu schicken, kann es auch nicht sein. Die Einblicke, die Apps wie Screentime in das Nutzungsverhalten unserer Kinder geben, können helfen, die notwendigen Gespräche zum Thema in die richtige Richtung zu lenken.

Für noch wichtiger halte ich folgendes Argument. Die Währung moderner Medien ist Aufmerksamkeit. Es gibt das Geschäftsmodell, Aufmerksamkeit zu erregen um dann gezielt Aufmerksamkeitsfresser zu verkaufen – wie im Zirkus oder Kino. Für unsere Kinder relevanter ist aber das Geschäftsmodell, das sie selbst zur Ware macht. Aufmerksamkeit wird erregt um sie dann auf Werbung zu lenken. Unsere Kinder werden ausspioniert, um möglichst “passende” Werbung präsentieren zu können. Unsere Kinder sind bei diesem Geschäftsmodell das vermarktete Produkt.

Erziehung zu effizienter und selbstkritischer Medien-Nutzung

Die Technik der Aufmerksamkeits-Erregung und -Fesselung wurde über Jahrhunderte immer verbessert und hat es heute zu gruseliger Perfektion gebracht. Viele Erwachsene sind dieser Technik nicht gewachsen, geschweige denn Kinder. Eine App, die die Nutzungszeit begrenzt, kann zu einem bewussteren Umgang mit Medien erziehen. Meine Kinder sollen lernen, sich gezielt das aus dem Netz zu holen, was für sie am wichtigsten ist, nicht sich fortwährend in einer Maschine vermarkten lassen, die größer und stärker ist, als wir alle.

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Noch Wer

Es ist Mitte Januar. Dafür ist es nicht so eine bittere Eiseskälte, sondern eher so eine trockene kühle Kälte. Tagsüber kurz über Null, Nachts dann knapp darunter. Auf dem Weg vom Kaminholzregal zwitschert es im Busch. Da habe ich wohl jemanden erschreckt. Tut mir Leid. Da sitzt man friedlich bei minus zwei Grad mit geplusterten Federn Nachts in einem windigen Garten-Gesträuch, und dann kommt dann so ein komischer Kerl mit Kaminholz-Scheit daher getrampelt. Ein empörtes Gezwitscher ist da noch ein sehr euphemistischer Fluch.

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Von Emissionen und Immissionen

Neulich bei Google+: “Okay, zugegeben. Es sterben Tausende, Hunderttausende … es werden Millionen werden, wenn der Klimawandel sich erst mal richtig auswirkt. [...] Alle können nicht gerettet werden!”

Ich hatte mal wieder das Thema aufgebracht, dass wir Deutschen im und ums Mittelmeer hunderttausende sterben lassen. “Hunderttausende” ist die richtige Größenordnung, wie viele es wirklich sind, weiß niemand. Und in der Tat, “es werden Millionen werden, wenn der Klimawandel sich erst mal richtig auswirkt“. Wenn z.B. Bangladesch endgültig überflutet wird, und das wird es, werden 160 Millionen Menschen auf der Flucht sein. Da wird die eine oder andere Millionen Tote nicht zu verhindern sein. Wenn man sie nicht wirklich verhindern will. Und das will ja nun wirklich niemand.

Kann man nicht alle retten, oder will man es nicht?

Nur darum gilt: “Alle können nicht gerettet werden!”, weil niemand ernsthaft daran interessiert ist, alle zu retten. Die Nahrung, die momentan auf der Erde verbraucht wird reicht z.B. gerade locker für zwei Erdbevölkerungen – “nur” eine Frage der Verteilung, der effizienten Nutzung (also nicht die Hälfte weg schmeißen) und des Fleischkonsums. Und natürlich ist es auch eine Frage davon, wieviel Nahrungsmittel wir lieber in unseren Autos verbrennen, statt sie an Neger zu verfüttern. Aber der politische Wille, irgend wen zu retten, der nicht gerade den gleichen Pass hat, geht gegen Null.

Das zeigt gerade die Umstellung des italienischen Programms “Mare Nostrum”. Mit diesem Programm wurden innerhalb eines Jahres rund 100.000 Flüchtlinge sicher nach Italien eskortiert nachdem im Herbst 2013 mal ein paar Flüchtlinge mehr als üblich vor Lampedusa verreckt sind. Wie viele dieser 100.000 ohne “Mare Nostrum” ertrunken wären weiß man nicht, aber es wären sicher mehr als drei. Um einen einstelligen Millionen-Betrag zu sparen wird jetzt vom italienischen “Mare Nostrum” aufs europäische “Triton” umgestellt, das dann nur noch diejenigen retten soll, die in Sichtweite der europäischen Küsten ertrinken – wahrscheinlich auch nur damit Journalisten weniger hässliche Bilder in unsere heile Welt übertragen.

Damit macht sich das Deutsche Volk der gleichen Verbrechen schuldig wie zur Nazi-Zeit. Zur Erinnerung: Das Verbrechen des Deutschen Volkes war es nicht, die Juden zu vergasen – das waren tatsächlich relativ wenige Deutsche – das Verbrechen meines Volkes war es, es geschehen zu lassen. Natürlich hat das Verbrechen der Nazis eine völlig andere Dimension und ist nicht mit dem aktuell statt findenden globalen Pauperozid zu vergleichen. Aber das Volk tut genau das selbe wie vor 70 Jahren: nichts. Millionen sterben und unsere Gleichgültigkeit ist sogar noch größer als damals.

Neuer Grad der Grausamkeit

Und damit das so bleibt, läuft die Propaganda-Maschine auf Hochtouren. Hier berichtet unsere öffentlich rechtliche Tagesschau unter dem Titel “Neuer Grad der Grausamkeit” darüber, wie die Methoden der Schleuser sich weiter entwickeln. Die erhöhen jetzt die Überlebens- und In-Europa-Ankunfts-Wahrscheinlichkeit ihrer Kunden, indem sie größere Schiffe als früher nehmen und die via Auto-Pilot nach Europa steuern.

So große Schiffe können selbst vom auf den meisten Augen blinden “Triton” kaum übersehen werden, da sie meilenweit auf jedem Radar zu sehen sind. Gleichzeitig sorgt so ein großer Frachter voller Flüchtlinge beim Sinken für dermaßen schlechte Presse, dass nicht mal unser Grenzschutz die alle verrecken lassen kann, so gern er auch wollte. In der Tat, uns so zynisch den Spiegel vor zu halten zeugt schon von einer gewissen, wenn auch wohl verdienten, Grausamkeit.

Wir verhindern, dass sie sich selbst helfen.

Ich muss diese ganze Flüchtlings-Problematik noch einmal in das Licht rücken, in dem ich sie sehe. Unsere Wirtschaft ist so stark, dass fast niemand auf der Welt da mithalten kann. Und was machen wir mit den ärmsten der Armen? Wir hindern sie mit unseren ökonomischen Massenvernichtungswaffen (billigste Hähnchenschenkel, Altkleider usw.) am Aufbau einer eigenen Wirtschaft, wir exportieren fleißig unseren Müll zu ihnen und pressen ihnen über internationale Verträge und Schuldenfallen ihre Ressourcen ab – wobei wir uns natürlich nicht die Hände schmutzig machen. Das nigerianische Uran für Frankreichs Stromversorgung lassen wir schön von Niggerianern ausbuddeln. Das gilt natürlich ebenso für andere Ressourcen. Da werden die Nigger auch vergiftet und verbraucht, spielt nur nicht so schön mit der German Angst.

Es heißt immer, die seien selber Schuld, die müssen mal ihre Korruption in den Griff kriegen. Nun ja, die korrupten bürokratischen Drittwelt-Regime haben wir kolonial-Mächte installiert und Korruption hat zwei Seiten. Siemens ist zum Beispiel international ganz weit vorn beim Ausgeben von Korruptions-Mitteln. Und wenn irgendwo ein besonders übler Faschist an der Macht sitzt, wurde er meist vom CIA gesponsert.

Und dann fliehen die verstrahlten, vergifteten Neger aus ihren chancenlosen Wirtschaftsräumen und folgen dem Ruf unserer Werbung ins gelobte Land wo Burger und Cola fließen. Wir tun alles, damit sie hier nicht reinkommen. Und wer ist Schuld? Klar, die Schleuser, wer sonst?

CO², Zyklon B

Es geht mir nicht um die Größe der Schuld der Täter sondern um die Größe der Schuld des Volkes. Die Millionen sind genau so tot. Den Toten ist es mutmaßlich egal, ob sie letztlich aufgrund von CO²-Emissionen starben, weil wir uns ein schöneres Leben machen und sie nicht als Nachbarn haben wollten oder aufgrund von Zyklon-B-Imissionen, weil unsere Großeltern sie nicht als Nachbarn haben wollten. Im letztgenannten Fall ist die Schuld offensichtlicher. Das Verhalten des Volkes ist fast das gleiche.

Sie ist nur fast die gleiche, weil vor 70 Jahren der Widerstand natürlich viel gefährlicher war. Heute müssten nur mal ein paar Millionen demonstrieren gehen und die Sache wäre geritzt. Und die Ausrede, dass wir von nichts wüssten, lässt sich auch deutlich schwerer halten als vor 70 Jahren.

Demos haben wir ja nun auch, allerdings etwas anders als erhofft. Pegida demonstriert nach 14 Jahren allabendlicher anti-Islam-Propaganda dafür, dass die Kanacken doch bitte zu hause verrecken sollen. Ich bin sicher nicht stolz, ein Deutscher zu sein.

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Iss lahm

Sie wissen, wie schwer es ist einen guten Handwerker zu finden …? Wenn Sie etwas älter sind, wissen Sie es, wenn nicht, lassen Sie es sich gesagt sein: Es ist schwer, einen guten Handwerker zu finden, der den Job so macht, dass es nachher nichts zu meckern gibt. Ein Arzt, ein Handwerker, Finanzmensch – wenn man einen gefunden hat, der den Job beherrscht, dann experimentiert man nicht mehr rum. Man bleibt bei dem. Macht er den Job nicht gut genug, muss man weiter nach einem suchen, denn das ist halt nicht leicht.

Die zwei haben einen sauberen Job gemacht. Zwei Polizisten waren extra abgestellt um Charlie Hebdo zu beschützen. Aber die konnten sie beide ermorden. Und zehn andere konnten sie auch ermorden. Das ist glaube ich gar nicht soo einfach. Damit ein Mensch in der kurzen Zeit stirbt, bevor der Krankenwagen ihn retten kann, muss man schon das Herz oder in den Kopf treffen. Oder man muss mehrfach treffen. Aber mit so einem Maschinen-Gewehr ist das nicht so easy. Das hoppelt wie verrückt. Und so ein Kopfschuss ist schon hart. Man schießt jemandem in den Kopf, der ziemlich nah vor einem steht. Da muss man schon ziemlich cool sein. Könnt ich nicht.

Aber die haben diesen Polizisten – immerhin auch ein Profi – der sie stoppen wollte, schnell mal in den Kopf geschossen … wahrscheinlich, während der Polizist gerade versuchte, sie umzubringen. Headcount: 13, davon drei Profis. Respekt.

Die haben sich auf den Job vorbereitet. Irgendwie wurden sie ausgebildet in der Beherrschung von Waffen in extremen Stresssituationen. Das könnten sie als Kriminelle gelernt haben, in “Terror-Camps”, bei Söldner-Unternehmen oder beim Staat (witzig, wie unterschiedlich da die Terminologie ist). Gelernt haben sie es offensichtlich.

Und dann haben sie sich offenbar auf das aktuelle Projekt vorbereitet. Denn man überwindet nicht plan- und reibungslos zwei Polizisten, die zum Schutz der Ziele abgestellt sind. Die wussten, dass die Polizisten da sind, denn es war bekannt, dass ein Mitglied der Redaktion wegen älteren Ärgers mit Islamisten unter Polizeischutz stand. Die haben sich das optimale Werkzeug für den Job besorgt – ihre Sturmgewehre – und dann fehlerlos einen sorgfältig vorbereiteten Plan umgesetzt.

Und dass das Islamisten sind, ist ja völlig klar, ein Axiom quasi. Denn wissen Sie? Dass das Islamisten waren, das steht während ich dies hier schreibe, schon bei Wikipedia. Während ich hier schreibe, sind die Körper der beiden Islamisten noch nicht ganz kalt, die sind erst ein paar Stunden tot. Und jetzt steht schon im Lexikon, dass das Islamisten waren. Junge, die Propaganda ist schnell geworden, in den letzten 30 Jahren. Also mal unabhängig davon, ob das Islamisten waren, zum jetzigen Zeitpunkt am Abend nach dem Terror-Anschlag kann das noch nicht als allgemein anerkanntes Faktum gesehen werden.

Waffen sind der größte Markt der Welt. Die Amis kippen ihren halben Staatshaushalt in Waffen. Und so manch anderer Staat tut das auch. Selbst die Griechen haben noch direkt vorm verrecken, so quasi mit ihrem letzten Atemzug 2009, bevor es unter die Fuchtel der Troika ging, selbst die haben dann noch schnell ein paar Milliarden in Großwaffen gepumpt, weil: die Türken. Der größte Markt der Welt ist die größte Macht der Welt, so funktioniert Kapitalismus. Und Waffen brauchen Feinde. Der Islam ist unser Feind.

Und da vergisst dieser Islamisten-Profi nach knallharter Ausbildung und sorgfältiger Planung seinen Ausweis. Wie blöd. Wie blöd erst, dass er seinen Ausweis zu dieser sorgfältig geplanten Aktion überhaupt mitbringt.  Und dann wird der erschossen. So ein Pech.

Klarstellung

Eigentlich müsste dieser Text aus literarischen Gründen hier enden. Aber das geht leider nicht, weil man aus Propaganda-Gründen so etwas nicht schreiben kann, ohne unmittelbar unter Verschwörungs-Schwachsinn abgeheftet zu werden. Das ist keine Verschwörungstheorie.

Das können durchaus Islamisten gewesen sein. Das wäre nicht überraschend. Jeden Tag werden so circa 2000 Menschen ermordet. Von diesen 2000 täglichen Morden sterben sicher auch ein Dutzend oder mehr in einem der zahlreichen Kriege, die wir – der Westen, die Nato, die Amis, die Israelis – mit Moslems in den letzten Jahren angefangen haben. Es wäre jetzt nicht überraschend, wenn da mal jemand zurück-schießt, ausgerechnet gegen eine Publikation, die auf Islamisten wie ein anti-islamistisches Kampfblatt wirken muss.

Aber es ist halt am Tag nach den Morden, oder um mit KenFM zu sprechen: “bevor die Polizei Zeit hatte, eine SoKo zusammenzustellen”, es ist da nicht zweifellos klar, dass das ein islamistischer Anschlag auf die Pressefreiheit war, wie es uns verkauft wird.

Das von 2000 Morden 12 ausgewählt werden um über sie ohne journalistisch ordentliche Recherche mit dem besagten Spin zu berichten, das ist lupenreine Propaganda, egal, was der tatsächliche Hintergrund ist. In Bezug auf die Morde wäre es eine Verschwörungstheorie, in Bezug auf den massiven Propaganda-Feldzug gegen die islamische Welt nicht: Cui bono? Waffen.

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Wir sind Pegida

Meine Omas hegen beide eine seltsame Verehrung für Autobahnen und mögen Negern eine gewisse Faulheit nicht absprechen. Naja, die eine seit einigen Jahren nicht mehr, Gott hab sie selig. Letztere war eine gebildete Frau. Sie ist Ärztin geworden in einer Zeit, in der das für Frauen eine außergewöhnliche Errungenschaft war. Sie war damit Teil der ganz normalen rassistischen Mittelschicht, die heute als Pegida auf die Straßen geht.

Der Umgang unserer Gesellschaft mit Pegida verkennt die Normalität dieses Rassismus. Pegida, das sind nicht ein paar Spinner in Dresden, die nicht raffen, dass nur jeder Tausendste ihre Mitbürger im fernen Osten Deutschlands ein Moslem ist, und dass diese winzige Minderheit kaum den Untergang der abendländischen Kultur herbei führen könnte. Pegida sind wir alle.

Der allgemeine Rassismus

Es gibt allgemeine rassistische Einstellungen, die es immer in unserer Gesellschaft gab und gibt. Diese Bilden das Fundament der Pegida und ähnlicher Bewegung. Und es gibt spezifische Faktoren, die gerade jetzt wirken und konkret zur Manifestation der aktuellen Bewegung führten.

Der allgemeine Rassismus drückt sich dauernd in unserer Grundgesetz-widrigen Tagespolitik aus. Der zentrale Grundsatz unseres Grundgesetzes, die Basis unserer Gesellschaft lautet: “Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.” Da steht nicht “die Würde der Deutschen” sondern “die Würde des Menschen”. Dennoch tritt Deutschland die Menschenwürde täglich mit Füßen.

Wir treiben mit unserer Erpressung Südeuropas zur Austeritäts-Politik 50% der südeuropäischen Jugendlichen in die Arbeitslosigkeit was mindestens eine soziale Entwertung der Persönlichkeit und schlimmstenfalls eine existentielle Bedrohung darstellt. Unsere Grenz-Schutz- und Flüchtlings-Politik ist direkt mit-schuld am Tod Hunderttausender. Unsere Wirtschafts-Politik zerstört die lokale Wirtschaft und damit die Lebensgrundlage der Menschen in zahllosen armen Ländern und fördert durch internationale Verträge und direkte und indirekte Subventionen den Raub von Nahrungsmitteln aus Hunger-Ländern um diese Nahrungsmittel hier zur Vieh-Mast und als Treibstoff zu verwenden. In Klima-Verhandlungen stellen wir unsere Rechte und Interessen über die anderer Menschen und erkennen ihnen nicht das gleiche CO²-Budget zu, wie uns.

Die Liste lässt sich beliebig fortführen. Die Würde des Menschen ist antastbar, sie ist bestenfalls anti-proportional zur Entfernung seiner Heimat von Deutschland. Wir behandeln dunkelhäutige Menschen nach wie vor wie Nigger und empören uns, wenn unsere Mitbürger diese Botschaft auch auf die Straße tragen.

Für unsere Politik haben Menschen ohne deutschen Pass offensichtlich immer einen geringeren Wert als wir. Wenn es bei der Wahl eng wird, wird dieser teutonische Chauvinismus auch gerne von den konservativen Parteien in den Wahlkampf getragen. Prominente Beispiele hierfür sind in jüngerer Zeit Rüttgers (CDU, “Kinder statt Inder”), Koch (CDU, wollte “kriminelle Ausländer” ausweisen), Seehofer (CSU, Ausländermaut) und Scheuer (CSU, will dass Migranten zuhause Deutsch sprechen).

All dies ist der rassistische Grundton unserer Gesellschaft. Dagegen tut kaum jemand etwas (mich eingeschlossen). Es ist offensichtlich auch so, dass diese rassistische Grundeinstellung absolut mehrheitsfähig ist. Positionen die von der oben beschriebenen Grundgesetz-widrigen Politik  abweichen, haben bei Wahlen nicht die geringste Chance. Darum sind wir Deutschen mehrheitlich Pegida, auch wenn wir uns nun über das etwas plumpe Zur-Schau-Stellen dieses Chauvinismus in Dresden echauffieren.

Der Tropfen, der das Fass …

Aktuell kommen noch einige Faktoren hinzu, die konkret zu diesem rassistischen Ausbruch führten.

Es handelt sich um ein teuflisches Gebräu und es ist ein Wunder, dass der Rassismus nicht früher und heftiger ausgebrochen ist. Eine Zutat ist die Angst, die andere die Anti-Islam-Propaganda.

Jeder kennt das Bild von der “Decke der Zivilisation” die sprichwörtlich “dünn” ist. Nun, an dieser dünnen Decke wird in Deutschland und Europa gerade heftig gezerrt und was darunter hervorlugt ist nicht schön.

Angst

Ich habe oben schon von der 50%igen Jugendarbeitslosigkeit Südeuropas geschrieben. Die Jugendarbeitslosigkeit ist dort zwar am höchsten, doch auch die Gesamt-Arbeitslosigkeit hat teils verheerende Ausmaße. Die Wirtschaft z.B. in Griechenland ist um mindestens ein Drittel eingebrochen und es wird wahrscheinlich Jahrzehnte dauern, bis sie sich davon erholt. Da bekommen wir schön vorgeführt, was passiert, wenn wir nicht spuren. Und unser Tanz in relativ großen sozialen Höhen findet mittlerweile dank der Agenda 2010 weitgehend ohne Netz statt. Naja, knapp die Hälfte unserer Erwerbstätigen fiele gar nicht so tief, da mit der Agenda 2010 auch der Niedriglohnsektor in Deutschland neu erfunden wurde und gewaltige Ausmaße angenommen hat. Wer da keine sozialen Abstiegsängste entwickelt ist entweder doof oder reich.

Wie jeder weiß, der in neuerer Geschichte mal ein bisserl aufgepasst hat, sollten solche sozialen Ängste tunlichst nach außen gelenkt werden. Im Inneren wirken solche Kräfte nämlich schnell verheerend auf eine Gesellschaft. Da trifft es sich, dass sich ein paar gefährliche islamistische Wirrköpfe als Blitzableiter anbieten.

Der böse Islam

Es läuft nun seit 14 Jahren allabendliche Anti-Islam-Propaganda in der Glotze. Die Taliban sowie die Al Quaida, die für den Angriff auf das World Trade Center verantwortlich war, waren Kampf-Organisationen, die von den Amis im Kampf gegen die Sowjetunion in Afghanistan unterstützt und bewaffnet worden waren. Sadam Hussein war im Krieg gegen den Iran von den Amis unterstützt und bewaffnet worden, der Islamische Staat wurde offenbar in amerikanischen Folter-Knästen im Irak gezüchtet (siehe hier) und wird von Freunden der Amis am persischen Golf finanziert.

Doch unsere Glotze berichtet nicht von außer Kontrolle geratenen Mörder-Banden der Amis sondern von fiesen Moslem-Terroristen. Wenn so eine Mörder-Bande irgendwo eine Bombe zündet, findet unsere Glotze irgendeinen Politiker, der diesen niederträchtigen Anschlag aufs schärfste verurteilt. Wenn Obamas Mörder-SchwaDrone mal wieder irgendwelche Unschuldigen ausknipsen spricht man von “Kollateral-Schäden” – wenn man überhaupt darüber spricht. Und wenn diese Mörder-SchwaDrone dann doch auch mal ihr vorgesehenes Ziel ohne Anklage oder gar Gerichtsverhandlung erfolgreich ermorden, dann wird das in unserer Glotze gefeiert. Ein fieser,  Moslem weniger. Scheiß auf den Rechtsstaat.

Ach ja, und dann kommt immer mal wieder eine Moslem-Folter-Show in der Glotze. Abu Ghraib, vollgepisste Schädel (ausnahmsweise ohne Propheten-Bart) in Afghanistan, ein Deutscher gefolterter Moslem in Guantanamo (hey, kein richtiger Deutscher, nur ein Moslem und mit dem obligatorischen Bart) und ganz neu die XL Folter-Gala des CIA. Ich vermute, wenn der CIA Arier gefoltert hätte, wäre die Reaktion anders ausgefallen. Aber Moslems foltern scheint nicht so schlimm zu sein, da ist die politische Reaktion weitgehend ersatzlos ausgefallen.

Win – Win – Win

So und wer ist diesmal Schuld? Genau, Pegida, diese Dresdner Spackos. Die haben das alles völlig falsch verstanden.

Irgendwie scheint sich die Ansicht verbreitet zu haben, dass sich der Mensch in den letzten 70 Jahren grundlegend geändert hat. Zur Erinnerung: vor 70 Jahren ging das dritte Reich zu ende. Damals hat das deutsche Volk verängstigt und Propaganda-gesättigt der Ermordung von 6 Millionen Juden zugeschaut bzw. großenteils applaudiert. Jetzt machen wir dem Volk wieder Angst und berieseln es mit Propaganda. Fast möchte applaudieren, wie gefasst wir überwiegend damit umgehen.

Aber nein, alle sind völlig überrascht, dass sich der Hass, den die Angst gebirt, nicht gegen Merkel wendet sondern gegen plausiblere, besiegbarere Feindbilder. Die Linke springt mal wieder reflexartig auf und drischt auf die Zweitschwächsten ein. Für die Machthaber eine win-win-win-Situation: der Hass wendet sich nach außen, große Teile der Mittel- und Unterschicht werden geschwächt und die Intellektuellen sind abgelenkt.

Wenn sich jemand an Pegida stört: das ist ein Symptom und ein sehr mildes. Gegen Pegida Mitläufer vorzugehen oder sie aufklären zu wollen ist löblich und auch nicht völlig sinnlos. Aber das eigentliche Problem sind wir, die große Mehrheit von uns. Denn wir sind Pegida und durch die Dresdner Straßen zieht nur sichtbar der Geist unserer Mehrheitsmeinung.

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Chips-Diät

Angefangen hat es vor Jahren mit Chilipulver. Etwas davon auf ein Brot mit dem richtigen Ketchup – die Schärfe wirkt kurz wie ein Geschmacksverstärker bevor sie den Geschmack weitgehend ausknipst. Vielleicht ist das sogar ein und dasselbe: das Capsaicin des Chilis stimuliert den ganzen Mund – auch die Geschmacksnerven – dermaßen, dass aufgrund sensorischer Ermüdung kurz nach dem Flash der Geschmackssinn durchbrennt. Und es ist auch so schön, wenn der Schmerz nachlässt.

Angefangen hat es also mit Chilipulver. Das war jetzt sehr laienhaft geschrieben, “Chilipulver”. Es handelte sich um gemahlenen Cayenne-Pfeffer. Das ist so die Einstiegsdroge in die Chilitis.

Jetzt wirds mal kurz wissenschaftlich. Schärfe misst man in “Scoville”. Ohne jetzt auf die vielleicht etwas langweilige Geschichte der Scoville-Skala einzugehen sei gesagt, dass hier letztlich der Gehalt an dem im Chili enthaltenen Molekül “Capsaicin” gemessen wird.

Cayenne-Pfeffer hat rund 10 mal so viele Scoville wie Tabasco-Soße: 30.000 bis 50.000 Scoville. Mittlerweile bin ich bei Habanero-Pfeffer angelangt. Der hat so 100.000 bis 350.000 Scoville. Den Pfeffer habe ich im Internet bestellt. In normalen Läden gibts das nicht.

Das geht gut zu Pringles, weil die so gleichförmig sind: eine Priese davon auf jeden einzelnen Chip – man breitet sie dazu am besten auf einem Teller aus – und man isst keine ganze Packung mehr am Stück, bekommt aber ein vielfaches des Geschmackserlebnisses.

Geeignet ist eine Pringles-Sorte, die man mag, bei mir Sweet Paprika. In Kombination mit weiteren Zutaten eignet sich auch Pringles Original sehr gut. Die sind leicht gesalzen (weniger als die meisten anderen salzigen Chips) und ziemlich neutral. Wenn es bei Chilipulver bleibt, kann man beliebige Chips nehmen: etwas Chilipulver in die Tüte und gut schütteln, fertig. Aber wenn man weiter verfeinert, ist es angenehm, einen gleichförmigen Chip wie Pringles zu haben.

Ich habe z.B. festgestellt, dass geschroteter Habanero Chili aromatischer ist als gemahlener. Chilis sind leckere, tropisch Früchte mit einer fruchtigen Süße hinter der Schärfe und dieses Aroma kommt dann noch besser zur Geltung. Geschrotete Chili kennt man u.a. vom Türken. Da wird man oft gefragt, ob der Döner scharf gemacht werden soll. Antwortet man “ja”, wird etwas Rotes, Grobkörniges auf den Döner gestreut. Das ist Chili, allerdings kein Habanero sondern wahrscheinlich Cayenne. Die groben, getrockneten Chili-Flocken haften nicht so an Chips wie Pulver. Darum muss man auf jeden Chip einzeln ein wenig streuen.

Ich habe auch mit verschiedenen Soßen experimentiert, mit und ohne zusätzliches Chili. Klar, Ketchup auf jeden Chip ist naheliegend. Verschiedene Grillsoßen bieten sich an. Mein persönlicher Favorit ist die klassische “Sweet Chilisauce for Chicken”. Die enthält aber Knoblauch, muss man vorsichtig dosieren. Dann kann auch ein kleines Stück Putenbrust zwischen den Chip und die Soße.

Wir hatten auch mal Mango-Chutney vom Grillen übrig. Das war nicht übel, aber auch nicht richtig gut. Ich wusste, dass es Mango-Chutney gibt, dass ich sehr gerne esse. Also habe ich mal im Netz recherchiert, welches Mango-Chutney denn gemeinhin für lecker gehalten wird: Geeta’s. Ich habs dann mal bestellt. Super.

Das erste hatte ich bei Amazon bestellt. Als es alle war, habe ich mal nach einem Laden gesucht, der das vertreibt, um Versandkosten zu sparen. Denn bei Amazon Marketplace muss man den Versand für jeden einzelnen Artikel zahlen, auch wenn man mehrere Artikel vom gleichen Anbieter kauft. Und die Versandkosten dort waren auch noch relativ hoch. Der Laden, den ich gefunden habe, hatte auch andere Sorten Geeta’s im Angebot. Also habe ich die auch mal bestellt. Mango-Chili Chutney ist nicht übel, aber von der Schärfe relativ mild.

Geeta’s Lime and Chili Chutney ist der Hammer. Chutney ist so ungefähr die indische Variante von Marmelade. Man kocht Früchte mit Zucker ein um sie haltbar zu machen. Bei der indischen Variante kommen dann noch Gewürze dazu. Und Geeta’s Chutneys sind genial gewürzt, wenn man denn indische Küche mag. Geeta’s Lime and Chili Chutney ist eingekochte Limette und Chilischote mit ordentlich Zucker und Gewürzen. In Geeta’s Chutney werden die Früchte klein geschnitten, nicht püriert. Man merkt also deutlich die Fruchtstücke.

Limetten-Chili-Chutney ist eine Geschmacksbombe. Starke Zitronen-Säure entschärft durch den Zucker aber verstärkt durch die Chili-Schärfe zusammen mit intensivem Limetten-Aroma und exotischen Gewürzen (die auch mit eingekocht also nicht getrocknet und/oder gemahlen sind). Boom.

Das ist der Stand, jetzt. Das geht sicher noch weiter. Eine Frucht würde glaube ich gut passen: Unten der Chip, darauf ein kleines Eckchen Putenbrust, dann vielleicht eine dünne Scheibe von einem Apfel (?) und oben drauf das Chutney mit evtl. etwas Chili. Zum Beispiel.

Ich kann diese Diät jedem empfehlen. Ich esse jetzt deutlich weniger Chips als früher. Und die fortdauernde Suche nach dem perfekten Chips-Rezept hat etwas seltsam Zen-haftes. Ok, vergesst mal die diversen Perversionen in dem “Rezept”. Was ist denn Eure Droge? Schokolade vielleicht? Da ist haufenweise Platz für Zen. Gummibärchen sieht schon schlechter aus. Und falls es Tabak ist, tut Eurer Umwelt einen Gefallen und kommt nicht auf die Idee, dass Zigarren das Zen des Rauchens sind.

Mit Schokolade habe ich immerhin kleine Eindrücke. Ich nasche vermutlich mehr als man mir ansieht. Und was man mir ganz sicher nicht ansieht ist irgendeine Andeutung von Dürrheit oder Magerkeit. In der Weihnachtszeit hatten wir ab Nikolaus eine immer gut bestückte Etagere mit Weihnachts-Süßkram. Und das sind alles leckere Sachen. Marzipan-Kartoffeln, Mandeln im Schoko-Mantel, mit Marzipan, Karamel oder Knister-Brause gefüllte Schoko-Kugeln, fast alles einzeln verpackt.  Ja, ein Müll, der Wahnsinn. Aber darum gehts gerade mal nicht.

Ich habe festgestellt, dass ich nicht mehr nasche als sonst. Und nicht, weils nicht geht, im Gegenteil. Die Psychologie meines Naschens scheint wenig mit der Menge zu tun zu haben. Es geht mehr so um die Handgriffe und die sensorischen Stimulationen. Eine Schoko-Kugel ist einfach viel weniger als ein Riegel von der dicken Milka-Extra.

Das ist natürlich noch weit weg von Zen. Aber es hat die Richtung eingeschlagen und ist ein kleines Stück des Weges gegangen:

Zen und die Kunst des Naschens.

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Cocktail Molotov

Whisky ist eine einzigartige Droge. Ja, das Aroma eines Single Malts kann sehr Komplex sein. Aber es ist eine Komplexität, eingelegt in Stoff. All die kleinen Erinnerungen an den Sherry, der vor dem Single Malt in diesem Eichenfass lag – es sind Erinnerung in mindestens 40% reinem Alkohol.

Whisky ist der Schnupftabak der Alkoholiker. Der einzige Stoff, bei dem man gesellschaftlich toleriert schon wenigstens ein ganz klein bisschen besoffen wird, wenn man eine Nase nimmt.

Und wenn man dann einen ordentlichen Schluck nimmt, dann beißt er sich ganz einzigartig von den Lippen durch den Rachen in den Magen. Denn der teure Single Malt muss ja angemessen goutiert werden. Und der rund die Hälfte ausmachende Teil des reinen Alkohols, der diesen teuren Tropfen lagerfähig macht, spült spürbar brennend mit durch die umständliche Degustation.

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Kalte Pizza

Die kulinarische Errungenschaft der Pizza ist es, nicht so zu schmecken, wie sie aussieht. Nun ja, tatsächlich tut sie das – allerdings erst, wenn sie kalt ist. Dann schmeckt sie wie kaltes gekochtes Fleisch und Gemüse verklebt mit einem mittelmäßigen fetten Käse auf einem mehr oder weniger zähen Weizenfladen.

Der Fladen ist der Ort, wo das Kunststück beginnt. Er darf nicht zäh, er muss knusprig sein. Es gibt nichts, was unser Gehirn so vom Geschmack ablenkt, wie das perfekte Knuspern. Knusprig kann man sogar Bacon vertragen. Haben Sie mal ein kaltes, lediglich geräuchertes Stück Bacon probiert? Und selbst die Erinnerung des wieder erkalteten erschlafften Bacons an seine ehemalige Knusprigkeit genügt, ihn immerhin genießbar zu machen.

Und weil das so ist, muss der Pizza-Käse ebenso knusprig und heiß sein. Das färbt dann auch hinreichend auf das etwaig vorhandene Gemüse und die bestenfalls drittklassige Salami ab, das ganze bei perfekter Zubereitung zu einem echten Genuss zu machen.

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