Pauperozid

Pauperozid bezeichnet den globalen Armenmord, den wir – die Industriegesellschaften – zu verantworten haben.

Zu meiner Verblüffung habe ich fest gestellt, dass Google weder den Begriff „Pauperozid“ noch „pauperocide“ kennt. Um noch mehr vom Elend in der Welt profitieren zu können, reklamiere ich diese Wortschöpfung also hiermit für mich, in der Hoffnung dadurch reich oder wenigstens berühmt zu werden.

Pauperozid bezeichnet den globalen Armenmord. Arme lässt man weltweit verhungern. Z.B. verhungern jährlich 6 Millionen Kinder. Ein Mord ist das, weil wir (die Industriegesellschaften) Entwicklungsländer gezwungen haben – durch Weltbank und Währungsfond – unser System (Marktwirtschaft) zu übernehmen und dieses System nun dazu nutzen lokale selbstversorgende Agrarsysteme wirtschaftlich zu zerstören und lokale Agrarressourcen zu uns zu schaffen. Das Welt-Agrarsystem gäbe genug Ressourcen für 12 Milliarden Menschen her. Die Zahlen (6 Millionen Kinder, genug für 12 Milliarden) entstammen übrigens dem World Food Report der FAO, der Ernährungsorganisation der Uno. Es wär also genug zu essen da, wir enthalten es ihnen nur bewusst vor. Zu Mord gehören noch niedere Motive. Mehr Auto fahren zu wollen (Biodiesel) und das dringende Bedürfnis, mehr Fleisch zu fressen, kann man wohl als solche zählen.

Also liebe Mitmörder. Bei unserem nächsten Mord (in spätestens 5 Sekunden ist ein Kind fällig) nennen wir dieses – das Kind – beim Namen. Es handelt sich um Pauperozid. Wenn ich ein bisschen rechne und die Bevölkerungszahlen der Industrieländer sowie meine Lebenserwartung einbeziehe, komme ich übrigens darauf, dass ein ganzes Kind für mich drauf geht. Da ich eher überdurchschnittlich verdiene und entsprechend Ressourcen verbrate, sind es vielleicht auch zwei oder drei. Sprache formt bekanntlich das Denken und die Steuerung der Sprache ist vermutlichen ein wesentlicher Teil der Misere unserer verkommenen Gesellschaft. Also benennen wir unser Verbrechen. Wir begehen Pauperozid.

7 Gedanken zu „Pauperozid“

  1. Hallo Thorsten
    den Oberbegriff „Pauperismus“ gibt es zumindest.
    (1840) behauptet Eugène Buret, dass ´der aus England entliehene Ausdruck des Pauperismus die Gesamtheit aller Phänomene der Armut umfasst. Dieses englische Wort soll für uns Elend im Sinne von gesellschaftlicher Plage, öffentliches Elend bedeuten.´
    Deine Wortschöpfung finde ich angesichts des mittlerweile sicherlich viel größeren Ausmaßes dieses Phänomens aber durchaus angemessen.
    Anke

  2. Ganz schön provokativ, aber leider wahr! Es scheint so zu sein, dass Existenz ein Zustand ist, der immer mit der Verdrängung anderer Existenzen verbunden ist, ohne dass jemand etwas anderes gemacht hätte, als standesgemäß zu leben. Und wie geht es nach der Provokation und dem Bewusstwerden dieser Situation weiter? Die Benennung ist schon mal wichtig, gut, aber ob die Versprachlichung gegen das allgemeine Redeverbot ankommt, dem dieses Thema unterliegt? Da fügen wir uns doch lieber in unsere Schuld wie die Protestanten in die Erbsünde … Gruß urb

    1. Hi Urb, schön dass Du hier rein schaust!
      Das was ich hier geschrieben habe, habe ich nur stark überspitzt formuliert (die Fakten sind natürlich kein bisschen überspitzt sondern leider Fakten). Das selbe sagt Jean Ziegler schon sehr lange. Ein Wort kann vielleicht helfen. Aber wenn man wirklich etwas erreichen will, braucht man vor allem eine Medien-Strategie. Nachrichten zu verbreiten, die keiner hören will ist sehr schwer. Aber es gibt erfolgreiche Viral Videos zur Abholzung und zum CO2 Ausstoß. In der Richtung kann man vielleicht ein bisschen etwas bewegen und z.B. die Spendenbereitschaft etwas erhöhen.
      Aber ich glaube, wie Du weißt, nicht daran, dass man das Steuer der Titanic herumreißen kann. Wenn sich die Opfer von Demokratie und Marktwirtschaft nicht wehren können, sind sie gnadenlos. Das kann man z.B. auch im Wendland beobachten, obwohl die sich wehren. Sind halt zu wenige. Ich glaube man muss zuerst beweisen, dass es Alternativen gibt und dass sie funktionieren. Dann kann man vereint auch die Titanic bewegen.

  3. Hi schrotie,
    wirklich stark überspitzt formuliert erscheint mit Dein Artikel nicht wirklich.
    Wenn Du „noch mehr vom Elend in der Welt profitieren“ willst, dann mußt Du Deine Wortschöpfung nicht nur reklamieren, sondern unter das Urheberrecht stellen lassen und Tantiemen verlangen 🙂 Die GEMA wird Deine Freundin werden. Mit ihr gemeinsam kannst Du dann das Lied singen: „Ihr Eurolein kommet, oh kommet doch bald …“ 😉
    Um wahrhaft reich zu werden, hilft nur ein Patent (erfolgreich nur in den USA einzureichen): Für jedes an “Pauperozid” verstorbenes Kind verlangst Du – von wer sich auch immer anbietet: In Indien und Kenia die Computer-restmüll-versand-industrie, in Nigeria die Ölindustrie usw usf – einen quarter dollar. Und wenn Du das Geld im Sinne Deiner Betroffenen richtig anlegst, dann schaffst Du Arbeitsplätze, Wachstum und weitere Kindersterblichkeit.
    Also ehrlich, wenn das keine gute Geschäftsidee ist,… könnte glatt von einem Banken-Vorsteher sein.
    Gruß aus Berlin – Hauptstadt von Wendland

  4. @Carlsberg
    was für gute Freunde Schrotie und die GEMA schon sind kannst im Archiv Nov2010 unter
    Zwölf andere Positionen zum Urheberrecht
    nachlesen
    wünsche viel Vergnügen beim Lesen.
    Anke

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