Menschen, die

Was sind das für Menschen, die unsere Geschicke leiten? Und was sollten das besser für Menschen sein? Wie werden diese Menschen ausgewählt, nach welchen Kriterien sollten sie statt dessen ausgewählt werden und wie lässt sich das bewerkstelligen?

Was sind das für Menschen, die unsere Geschicke leiten? Vor ein paar hundert Jahren konnte man nur relativ wenig darüber sagen. Es waren Menschen, die Kinder von Königen waren, von Fürsten und Rittern. Wer führte und wer folgte wurde durch Erbfolge bestimmt. Und heute?

Demokraten und andere Despoten

Es sind Menschen, die rhetorisch begabt sind, Menschen die planen und vermitteln können; Menschen, die Probleme erkennen und lösen können. Es sind Kommunikatoren. Doch bei weitem nicht alle Menschen, die solche Eigenschaften besitzen, schaffen es an die Spitze. Denn das Wichtigste ist der Wille es nach oben zu schaffen. Heute leiten unsere Geschicke Menschen, die das unbedingt wollen; Menschen, die das wichtiger finden als alles andere, wichtiger als Hobbys, wichtiger als andere Menschen, die das auch wollen, wichtiger als ihre Gesundheit und ihre Familie.

In unserer Gesellschaft gibt es grundsätzlich zwei unterschiedliche Gebiete, in denen Menschen unsere Geschicke leiten. Das erste ist die Politik, das zweite die Wirtschaft. Welches „oben“ sich Menschen als ihr Ziel wählen hängt vermutlich teils vom Zufall ab, teils aber auch von den persönlichen Präferenzen: will man lenken und leiten oder will man lenken und leiten und reich werden?

Das Rätsel der fehlenden Arschlöcher

Menschen, die ihren persönlichen Erfolg wichtiger finden als ihre Gesundheit, ihre Kollegen und ihre Familien, sind nicht immer unbedingt die Menschen, die ich mir als Freunde wünsche. Ich habe mich viele viele Jahre über einen mir offenkundigen scheinenden Widerspruch gewundert: Menschen tun, wie man täglich in den Medien erfahren kann, andauernd schreckliche Dinge. Viele dieser Dinge setzen eine bemerkenswerte Menschenverachtung voraus. Aber wo sind all diese Fieslinge? Ich lerne andauernd nette Leute kennen. Wir sind alle schwach und fehlbar und allzu menschlich. Doch wo sind all die echten Arschlöcher?

Heute habe ich einen Verdacht. Es gibt gar nicht so viele davon. Aber um es ganz nach oben zu schaffen braucht man mehr als Schwäche und Fehlbarkeit und Menschlichkeit. Das schafft man kaum, wenn man übermäßige Rücksicht auf die Mitmenschen nimmt. Es gibt sicher zahlreiche Ausnahmen. Es gibt Menschen, die sich für ihre Ideale nach oben kämpfen und sich diese Ideale sogar bewahren. Es gibt Menschen, die es aufgrund ihrer herausragenden Fähigkeiten nach oben schaffen und auf dem Weg nicht völlig verdorben werden. Doch insgesamt fürchte ich, unser Gesellschaftssystem ist ein ziemlich brauchbarer Arschlochselektor. Man lernt die nicht kennen, weil die viel zu beschäftigt mit ihrem Erfolg sind. Vorsichtshalber seien ambitionierte Arschlöcher aber gewarnt: es reicht nicht, ein Arsch zu sein. Man muss dabei auch gut aussehen.

Es war sicher eines der größten Probleme der Monarchie, dass sie meist die Falschen Führer ausgewählt hat. Und vielleicht ist das auch immer noch eins unserer größten Probleme. Dabei scheint das Problem kaum als solches anerkannt zu werden. Die einzige einigermaßen populäre Alternative zu unserem System – der Sozialismus – ignoriert das Problem komplett. Er nimmt den Menschen, die Geld und Macht wollen, diese Option und schickt sie auch noch in die Politik. Dort sind sie dann mit noch umfassenderen Befugnissen ausgestattet als in unserem System. Das heißt, die paar wenigen Idealisten werden weiter „verdünnt“ und so zur völligen Bedeutungslosigkeit verdammt. Das erklärt ziemlich gut das Bild, das der Sozialismus historisch abgegeben hat.

Die meisten sind besser als die Schlechtesten

Es wäre also schon mal ein Fortschritt, wenn wir nicht ausgerechnet jene Menschen als unsere Führer bevorzugten, die dazu aus sozialen Gesichtspunkten am wenigsten geeignet sind. Trotzdem sollten sie natürlich sachlich möglichst gut für ihre Aufgabe qualifiziert sein. Und sie sollten motiviert sein, im Sinne der Gemeinschaft zu entscheiden.

Extreme Governing wählt als Entscheider die Menschen, die von anderen sachlich und ethisch positiv beurteilt werden. So werden nur Menschen ausgewählt, die ethisch und sachlich qualifiziert sind. Die Entscheidungen gehen wieder in die Beurteilungen der Entscheider ein, und da jeder höchstens nur sehr wenige Entscheidungen von größter Tragweite treffen darf, sind diese sehr wichtig für seine Beurteilung. Und die Beurteilung spielt ein wichtige Rolle im Leben. So werden die Entscheider motiviert im Sinne der sie Beurteilenden zu entscheiden.

6 Gedanken zu „Menschen, die“

  1. „Das Rätsel der fehlenden Arschlöcher“
    Bemerkenswert, wenn Dein Umfeld tatsächlich weitgehend AL freie Zone ist.
    Lebst Du in einer Art Schutzgebiet?
    In der richtigen Welt sind AL nicht selten.
    Ich unterscheide zwischen allgemeinen AL,
    AL ’s unter denen ich persönlich leide,
    und am allerschlimmsten, die netten AL

  2. Nette AL können sein:
    -Menschen mit denen man freundschaftlich vertrauensvollen Umgang zu haben glaubt, die einen dann eiskalt in die Pfanne hauen.
    -Menschen die einem symphatisch ins Gesicht lügen.

    Eine Minderheit, die einem das Leben über die Maßen erschweren kann.

  3. Da muss ich dir Recht geben, Anke: Die sympathischen Arschlöcher sind relativ weit verbreitet. Man bemerkt sie nur in Situationen, wo es Ihnen nicht gelungen ist zu manipulieren, und sie dann ihr wahres Gesicht zeigen müssen. In ihrer unspezifischen Erscheinungsform sind sie von höflichen Menschen kaum zu unterscheiden. Deutlich werden sie dadurch, dass sie von sich selbst nichts preisgeben möchten oder immer eine Spur zu empathisch auftreten.

    Im Grunde sprichst du die philosophischen Staatenlenker Platons an, Thorsten. Der Blick fürs Gemeinwohl und die Abstraktion von den eigenen Interessen sind wahrscheinlich die schwersten Übungen überhaupt, obwohl man den scheinbaren Widerspruch auch etwas enger zusammenketten könnte: Das eigene Interesse sollte nach gut buddhistischer Tradition das Gemeinwohl sein, weil es jedem nur so gut gehen kann wie den anderen in einer Gesellschaft.

    Im Extreme Governing wird der Abgleich des persönlichen und allgemeinen Interesses also duch ein Beurteilungssystem gewährleistet. Was ist, wenn ein Entscheider überzeugt von einer Sache ist, z.B. von der Gefährlichkeit der Atomkraft, und alle anderen lieber Billigstrom haben und den Entscheider für seine Ausstiegsbemühungen schlecht beurteilen und in die Verbannung schicken? Parteilichkeit muss nicht immer schlecht sein.

    Im Tagebuch 2111 auf der Hyperbaustelle wurden die politischen Entscheidungen hinsichtlich des Gemeinwohls an Maschinen delegiert, die tatsächlich uneigennützig entscheiden können. Eine Lösung, die einen mit einem Unbehagen zurücklässt:
    http://www.hyperbaustelle.de/u-blog/2010/11/20/2110-entlobbyfizierung/
    http://www.hyperbaustelle.de/u-blog/2010/03/23/2110-ruinen/
    http://www.hyperbaustelle.de/u-blog/2009/11/24/2109-drausen-die-roboter/

    Gruß urb

  4. Hi Urb

    Die Zahl der sympathischen Arschlöcher würde unter Extreme Governing vermutlich weiter vermindert. Das hat auch mit dem Beurteilungssystem zu tun. In KiIsWhoWi ist das näher ausgeführt.

    Bei Extreme Governing gibt es keine Staatenlenker, auch keine philosophischen. Es gibt nur einzelne Entscheidungen und Menschen, die sie jeweils treffen. Mit dem Treffen einer einzigen Entscheidung ist die Aufgabe vorerst erfüllt und andere übernehmen. Das ist ein zentraler Mechanismus zur Herstellung der „richtigen“ Motivation für eine Entscheidung.

    Die Atomkraft ist meiner Meinung nach ein sehr schlechtes Beispiel. Erstens ist sie nicht billig und wenn wir nicht Jahrzehnte lang ständig anders lautender Propaganda ausgesetzt gewesen wären, wäre das auch bekannt. Zweitens muss man den Müll irgendwo lassen. Eine der Stärken von Extreme Governing ist gerade der Minderheitenschutz. Eine Demokratie kann auf Menschen beliebig herum trampeln, solange die Opfer eine Minderheit darstellen. Die CDU kann beispielsweise Wahlkampf auf dem Rücken von Millionen von Migranten machen und hat das auch getan. Atompolitik ist Politik mindestens auf dem Rücken der Wendländer. Ich glaube (ist nur eine Vermutung), dass Extreme Governing im Interessenausgleich schwerste Eingriffe in die Rechte Weniger ähnlich stark gewichten würde wie das Interesse der Mehrheit. Wenn ich nämlich ein paar tausend übel mitspiele, werden die garantiert massiv ihren Unmut äußern und das ist nicht gut für mich. Demokratie kennt so einen Mechanismus nicht.

    Dennoch verstehe ich Dein Beispiel natürlich. Wenn jemand fachkundig ist und sehr von etwas überzeugt ist, dann sollte er sich auch gegen die Mehrheit entscheiden. Er müsste in der Logik von Extreme Governing allerdings mindestens überzeugt sein, dass es irgendwann offensichtlich wird, dass er recht hatte. Denn dann wäre er rehabilitiert. Außerdem ist zu erwarten, dass die Reaktionen von Stromkunden, die etwas mehr zahlen, müssen milder ausfällt als die von Frauen, deren Männer verstrahlt wurden. Da muss ein Entscheider abwägen. Nach Tschernobyl und Fukushima möchte ich jedenfalls nicht für Atomkraft entschieden haben.

    Dennoch kann es natürlich auch unter Extreme Governing zu Fehlentscheidungen kommen. Die letzte Zwischenüberschrift lautete „Die meisten sind besser als die Schlechtesten“. Da steht nicht, dass sie perfekt sind. Fehler werden in menschlichen Gesellschaften nicht zu vermeiden sein. Extreme Governing versucht erst mal, die systematischen Fehler der Demokratie zu beseitigen. Damit wäre meiner Meinung nach schon viel gewonnen.

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