Postpostprivacy – Teil 1

Eine kritische Auseinandersetzung mit den heutigen Datenschutzbestrebungen

Als ich 2002 den ersten Entwurf von Extreme Governing schrieb (damals noch unter dem Namen „German Public License“) war dies – unter anderem – ein radikaler, vollkommen kompromissloser Postprivacy Entwurf. Der Begriff war mir damals natürlich nicht bekannt. Mein nächster Entwurf – diesmal als „Extreme Governing“ – war in dieser Hinsicht schon etwas milder. Heute, bald eine Dekade später, haben andere den Begriff „Postprivacy“ etabliert. Er ist als Begriff, wenn auch sicher nicht als Überzeugung, im Mainstream der einschlägigen Kreise angekommen. Ich versuche nun, die entsprechenden Aspekte von Extreme Governing weiter zu entwickeln und Lösungsansätze für die Probleme des Datenschutzes und der Postprivacy anzureißen.  Dieser erste Teil ist eine kritische Auseinandersetzung mit den heutigen Datenschutzbestrebungen, im zweiten Teil zeige ich Alternativen auf.

Die Akteure

Wenn man die wenigen Postprivacy-Advokaten mitzählt, gibt es fünf wichtige Gruppen in der Diskussion um unsere Privatheit, den Umgang mit den uns betreffenden Informationen:

  • Wirtschaftliche Unternehmen suchen möglichst umfangreichen Zugang zu unseren Daten. Sie möchten diese Daten umfassend erheben, verarbeiten, auswerten und handeln. Letztendlich sollen die Daten meist dazu genutzt werden, wirtschaftliche Produkte möglichst effizient zu vermarkten. Bei uns kommen diese Bemühungen meist als Werbung an. Unternehmen versuchen meist umgekehrt, ihre eigenen Informationen möglichst geheim zu halten und nur streng dosiert und gezielt über ihr Marketing zu veröffentlichen. Die Motivation von Unternehmen ist letztlich immer, Geld zu verdienen.
  • Die Exekutive des Staates möchte für den Fall des Falles Zugriff auf alle uns betreffenden Information. Diese sollen möglichst schon in Datenbanken aufbereitet und für den schnellen Zugriff und die Suche von Verdächtigen nach beliebigen Kriterien abfragbar sein. Ziel der Exekutive ist die Gewährleistung der inneren Sicherheit.
  • Datenschützer sind moderne Bürgerrechtler. Sie versuchen sich den einschlägigen Interessen der Unternehmen und staatlicher exekutiv-Organe entgegen zu stellen. Ihr Ziel ist, dass wir selber entscheiden können, was mit unseren Daten geschieht. Dieses Ziel wird auch „informationelle Selbstbestimmung“ genannt. Datenschützer handeln meist aus ideellen und teils altruistischen Motiven.
  • Politiker versuchen einen Interessenausgleich zwischen obigen Parteien herzustellen. Die wichtigste Informationsquelle, die Politiker zur Entscheidung jedweder Sachverhalte nutzen, sind immer wirtschaftliche Unternehmen durch ihre Lobbyisten. Viele Wähler interessieren sich auch nicht sonderlich für Datenschutz, daher ist die Position der Datenschützer relativ schwach. Die innere Sicherheit interessiert die Bürger hingegen sehr, da die Medien einschlägige Propaganda in einer Dauerschleife darbieten. Politiker wollen vor allem wieder gewählt werden.
  • Die Postprivacy-Advokaten glauben an eine bessere Zukunft in der Datenschutz nicht mehr notwendig ist und eine Gegenwart in der er auch nicht mehr möglich ist. In dieser Welt, die nach dem geschichtlich kurzen Intermezzo der Privatheit kommt, kann jeder alles über jeden erfahren. Postprivacy-Advokaten sind ebenfalls Idealisten – allerdings i.d.R. deutlich jüngere als die Datenschützer – die jedoch zu der Überzeugung gelangt sind, dass Datenschutz nicht umsetzbar ist.

Bruderzwist

Nun könnte man ja annehmen, dass die Idealisten sich irgendwie zusammenraufen und sich jeder auf seine Art dem Imperium entgegenstellen. Doch weit gefehlt. Constanze Kurz beispielsweise, CCC Sprecherin und bekannte Datenschützerin, titulierte die unliebsamen Jungidealisten als Spackos und prügelt beispielsweise hier gänzlich unentspannt auf ihnen rum. Eins zu null für das Imperium. Naja, genau genommen steht es ganz erheblich mehr als eins zu leider kaum mehr als null.

Was geschieht dort? Die Datenschutzbewegung ist schon etwas älter, sie hat mit zunehmender Vernetzung an Bedeutung gewonnen. Als Startpunkt kann man die Popularisierung des Internets durch die Erfindung des WWW 1992 annehmen – natürlich gab es das alles vorher schon, doch es war kein Phänomen, das jeden ständig in der heutigen Weise betraf. Datenschützer, insbesondere diejenigen, die über größeren Einfluss in der öffentlichen Debatte verfügen, sind meist nicht mehr ganz so jung. Sie durften auch schon mal ein bisschen an den Pfründen der Macht schnüffeln, wofür sie Jahre, teils Jahrzehnte gekämpft haben. Über den Großteil ihrer Laufbahn waren Datenschützer unerschütterlich überzeugt, dass Datenschutz richtig (the right thing TM) ist und alles andere böse. Und das gesamte Umfeld der Datenschützer – zumindest der Teil, der fachlich einigermaßen mithalten kann – stimmte dem zu.

Da haben sie sich also nun endlich etwas etabliert, dürfen sogar mal bei den richtigen Politikern in einer Kommission sitzen, und dann kommen diese jungen Spackos, behaupten glatt das Gegenteil von allem woran die Datenschützer glauben … und? UND? Werden gehört, geben Interviews im Spiegel, bekommen haufenweise Airtime. Zum kotzen. Spackos. Leider ist nicht zu erwarten, dass der Zorn der Datenschützer irgendwann verfliegt und sie dann gemeinsame Sache mit den Spackos machen. Denn Überzeugungen einer gewissen Tiefe verfliegen nicht so schnell. Aber der Spackos sind ja nicht so viele, marginalisieren wir sie also.

Von Spackos, Technophilen und Normalos

Da ist nur ein Problem. Die Spackos haben recht (die Argumente sind z.B. hier sehr gut zusammengefasst). So sehr sich manche von ihnen auch informationelle Selbstbestimmung wünschen, der Zug ist abgefahren. 500 Mio. Facebook-Nutzer sind nur die Spitze des Eisberges. Alle paar Wochen gibt es irgendwo Datenlecks gigantischen Ausmaßes. Aber selbst das ist nur das Rascheln im Blätterwald. Normale Menschen (im Gegensatz zu technophilen Knallköpfen wie mir, den Spackos oder den Datenschützern) sind mit Payback, Adsense und was weiß ich nicht noch alles bereits so transparent, dass man sich schon etwas wundern könnte, in was für einer Fantasiewelt Datenschützer so leben. Ein erschütterndes Beispiel für den Stand der Technik, findet sich in der hier besprochenen Preisliste für persönliche Daten.

Es ist eben die Fantasiewelt der Technophilie. Der unerschütterliche Glaube an die Beherrschbarkeit der Technik. Die überwältigende Mehrheit der Datenschützer ist stark Technik-affin. Sie wissen was ein Cookie ist und sie beherrschen ihre Cookies. Was für Normalos ziemlich schräg klingt ist für Technophile Alltag – und Voraussetzung für die informationelle Selbstbestimmung. Wenn Sie, lieber Leser, Cookies für Kekse halten, gibt es für Sie keine informationelle Selbstbestimmung. Und Cookies sind natürlich erst der Anfang, das A eines ziemlich langen Alphabets. Datenschützer sind Bürgerrechtler, die leider die Bürger aus den Augen verloren haben.

Freiheit

Datenschutz muss immer die Errichtung von Informationsschranken bedeuten. Diese Schranken sind ein Hemmnis für den Fluss des Rohstoffes der Informationsgesellschaft. Datenschutz ist immer eine Einschränkung. Als solcher eröffnet er niemals Chancen sondern verbaut diese nur. Es ist schon fraglich ob der angenommene Nutzen der informationellen Selbstbestimmung die so vergebenen Potentiale aufwiegt. Wichtiger noch ist aber, dass der Datenschutz die Natur der von ihm errichteten Schranken verkennt: es sind Schranken, die nur die Unbedarften beschränken. Garstge Hacker umgehen sie technisch, mächtige Unternehmen umgehen sie juristisch oder geografisch, finstere Regime umgehen sie wie es ihnen gerade passt. Technophile Datenschützer, die uns ausgefeilten Datenschutz empfehlen, sind ein bisschen wie Steuerberater, die uns ein kompliziertes Steuerrecht empfehlen – letzere helfen Unbegüterten so wenig wie erstere den Technophoben. Solche Regeln nutzen am Ende immer den Falschen.

Die Leute, die sich für Datenschutz einsetzen, sind tendenziell die selben, die sich für Informationsfreiheit mindestens in Form der Privatkopie und in der staatlichen Administration einsetzen, die den Einsatz freier Software propagieren, die für Netzneutralität und gegen jegliche Form einer Netz-Zensur-Infrastruktur (z.B. Kinderpornosperren) sind, die sich gegen Software-Patente und Gängelung durch missratene Urheberrechte und die Content-Mafia (= Rechteverwerter) wehren. Die meisten Datenschützer setzen sich in praktisch allen Belangen für Informationsfreiheit und -Gleichheit ein. Nur bei persönlichen Daten plädieren sie für eine das gesamte Informationsnetz bis in die Spitzen durchdringenden Zensur-Infrastruktur, Copyright-Regelungen, Schranken, Sperren, Verbote, Überwachung, Sanktionen. Felix „Fefe“ von Leitner schreibt in seinem Blog regelmäßig über kognitive Dissonanzen bei den von ihm Geschmähten, empfindet aber selbst den oben dargestellten Widerspruch in seinen Rants nicht im Geringsten.

Datenschutz wäre – wenn er denn überhaupt mehr als das löchrige Alibi wäre, das er heute abgibt – bestenfalls ein Schutz für die kleine aber wirkmächtige Minderheit der Technophilen. Diese Minderheit kämpft für den Datenschutz in weitgehender Ignoranz der Lebenswirklichkeit ihrer weniger nerdigen Mitbürger und kompromittiert dafür das einzige Ziel, für das wir Machtlosen je erfolgreich gekämpft haben: die Freiheit.

Der Wunsch nach Datenschutz entspringt jedoch einem gerechtfertigten Bedürfnis. Im zweiten Teil stelle ich dar, wie diese Bedürfnisse befriedigt werden können, ohne die breite Bevölkerung links liegen zu lassen und dabei jedoch im Einklang mit dem Wunsch nach Freiheit zu bleiben.

13 Gedanken zu „Postpostprivacy – Teil 1“

  1. Das ist doch ein Popanz, wenn du versuchst, eine Gruppe sehr verschieden argumentierender Leute lustig zusammenzumanschen. Blick doch mal hinter die hysterischen „wir werden alle glücklich beim datenrausgeben“-Rufe: mehr als ADHS ist doch nicht dahinter.

    Bloed nur, dass die auch aus sehr verschiedenen gruenden fuer Datenschutz kämpfenden gruppen fuer die spacken mitkämpfen muessen. Wenn es nach mir ginge, muesste man die von den Gesetzen ausnehmen. Frau Schramm war heute Mittag bei Phoenix, nach ihrem gestotterten verslein von der gluecklichmachenden datenfreigebiegkeit meinte sie nachher ungerührt, bestimmte fragen dürften etwa beim bewerbungsgespraech gar nicht gestellt werden. Ja, was glaubt sie, wer das in vielen Jahren erkämpft hat? Voellige Inkompetenz auch beim arbeitnehmerdatenschutz, da meinte sie, das sei ja nun gut geregelt. Wtf?

    Ich wuensch der mal, dass sie aus ihrem behüteten Loch geworfen wird.

    1. Hi Tharben

      Dein Posting ist ein aggressiver und teils unsachlicher Angriff auf die Spackos. Damit tust Du genau das, was auch Constanze Kurz tut – ebenfalls aus den von mir postulierten Gründen? Ich bin mir auch nicht sicher, wie viel bei den Spackos „dahinter“ steckt. Sie sagen selbst, dass sie noch dabei sind, ihre Ideen zu entwickeln. Ich finde ihre Kritik mittlerweile allerdings sehr wohl fundiert, auch wenn die Argumente teils von Leuten außerhalb der Spackeria kommen. Aber das tut nichts zur Sache. Sie legen den Finger auf jeden Fall in die Wunde. Oder glaubst Du Julia Schramm bekommt nur darum so viel Airtime, weil sie sich als Frau zu Technikthemen äußert und dabei noch passabel aussieht? Das gilt übrigens für Constance Kurz auch. Ich finde auch die Feststellung der relativen Jugend der Spackeria erwägenswert. Julia Schramm ist glaube ich Mitte zwanzig. Ich finde da darf, ja muss man das (Datenschutz-)Establischment borniert und überholt finden und mit witzigen Sprüchen („so was von eighties“) um sich werfen. Das ist einer große Bereicherung dieser ganzen vernerdeten Diskussion. Dein Ruf nach Ausschluss der Spackeria passt übrigens leider sehr gut zu meiner These, dass der heutige Datenschutz nur die Interessen einer kleinen technisch versierten Minderheit bedient und an der großen Mehrheit weitgehend vorbei geht.

      Von all dem abgesehen: Ich beziehe mich auf die Spackeria, weil die momentan viel diskutiert werden. Ich bin unabhängig davon um 2002 zu sehr ähnlichen Schlüssen gekommen. Wenn Du Dir die Mühe machst, den zweiten Teil dieser Miniserie zu lesen, wirst Du feststellen, dass ich mir viele Gedanken zu Konsequenzen der Datenschutz-Kritik und Alternativen dazu gemacht habe – auch, wenn Du das wohlmöglich alles für Schwachsinn (ADHS?) hältst.

      Auch wenn ich auf Deine harten Vorwürfe mit eben so harten Entgegnungen reagiere: Ich freue, mich, dass Du den Weg hierhin gefunden hast und Dir zudem die Arbeit machst, mein Forum mit durchaus (auch) sachlicher Kritik zu bereichern.

      Vielen Dank
      Thorsten

  2. Naja, die Jugend. Ich bin zwar fast dreißig, nächstes Jahr, aber ich fühl mich noch nicht als Establishment. Eigentlich befasse ich mich erst seit zwei Jahren mit dem Thema Datenschutz, leider aus urspruenglich sehr egoistischen Motiven: ich bin nämlich ein sog. Opfer geworden, meines Arbeitgebers. Wenn ich dann Frau Schramm höre, geht mir zugegebenermaßen der Hut hoch ob der Weltfremdheit.

    Ich weiß nicht, ob ich die Reaktion der Sprecherin des ccc unsachlich nennen wuerde, ich hab nur einen Podcast neulich mit der fabulierenden Frau Schramm und ihr mal gehoert. Ich fand, es war ein Bombardement an Fakten gegen eine unfokussierte und manchmal beliebige „ich will doch nur alles Posten“-Argumentation. Das ist doch nicht Jugend gegen Establishment, nur weil sie vielleicht zehn Jahre auseinander sind. Von den spacken sind viele ja älter als Konstanze kurz, im ccc wimmelt es von schuelern und Studenten.

    Worum es hier geht, ist eigentlich eine gut begründete verteidigungsposition gegen Staat und Werbewirtschaft auf der einen Seite und eine netzgemeinde, die sich teilweise viel Arbeit macht, diesen Kampf zu bestehen, auf der anderen Seite ein paar Piraten, die im Netz nur das positive sehen wollen, aber nicht mal die technischen hintergruende kennen.

    Ach, ich weiss, jetzt findest du mich wieder aggressiv. Dabei kann ich das ja lassen, ich hoffe und denke nämlich, ich befürchte sogar, dass dieses postprivacy eine Episode sein wird, fuer die ich spaeter, wenn meine Kinder groß sind, nur noch kopfschuetteln hab.

    1. Nein, ich finde dieses Posting kein bisschen aggressiv, im Gegenteil, es ist sehr sachlich.

      Die Datenschutzdiskussion kenne ich mindestens seit zwanzig Jahren. Ich wurde ziemlich früh für Datenschutzbelange im Netz sensibilisiert und bin meist eher auf den paranoiden Pfaden der Aluhüte gewandelt. Die Spackeria ist für mich ein junger Gegenpol. Den kenne ich erst seit vielleicht fünf Jahren. Es sind die sorglosen Facebook-Nutzer. Natürlich gibt es auch ältere technisch unbedarfte, die zu dieser Fraktion gehören und technisch aufgeklärte, abgeklärte Kids, die zu den Aluhüten gehören, keine Frage. Es geht nicht um das Alter der Hauptprotagonisten sondern um die Strömungen für die sie stehen. Und die Stimme der Spackeria kann ich in ihrer erfrischenden Naivität und dem Glauben an eine bessere Welt nur als die Stimme der Jugend deuten. Aber lass uns das nicht überbewerten. Es ist ein Stück weit auch nur ein Stilmittel in meinem Artikel. Obwohl – das muss ich auch zugeben – ich selbst Glaube, dass diese Naivität notwendig ist, um einen völlig anderen Blickwinkel einzunehmen und so die Welt verändern zu können. Die Hippies waren übrigens auch jugendliche Spinner.

      In dem von mir verlinkten Podcast geht Constanze Kurz an einer Stelle nicht sachlich auf ein Argument von Julia Schramm ein (Öffentlichkeit würde eine ägyptische(?) Bloggerin schützen) ein, sondern zieht eine ziemlich große Moralkeule, dass in solchen Regimes Leute verschwinden, über die die falschen Informationen bekannt werden. Dabei regt sie sich ziemlich auf. Diese Aufregung kommentierte ich mit „unentspannt“. Zudem bin ich ziemlich sicher, dass Handykameras so manches mal dafür gesorgt haben, dass wackelnde orientalische Machthaber die Protestler nicht zusammengeschossen haben. An Julia Schramms Argument ist also vermutlich zumindest ein bisschen was dran.

      Ich bilde mir ein, die technischen Hintergründe ganz gut zu verstehen. Mit diesem Wissen fällt es mir schwer, nachzuvollziehen, wie Datenschutz überhaupt noch funktionieren soll. Mir würde es allerdings nicht einfallen, daran nur negative Kritik zu üben. Datenschützer kämpfen für meine Rechte und ich bewundere sie dafür, diesen Kampf aufzunehmen und – meist unter persönlicher Aufopferung – zu führen. Statt daran rumzumeckern, versuche ich hier eine (möglicherweise) praktikable Utopie zu illustrieren. Ich halte diese Utopie für prinzipiell erreichbar (anders als Datenschutz für die breite Bevölkerung) und es ist ein Ziel, für das ich selbst hier arbeite. Es enthält übrigens auch realistische (wenn auch aufwändige) Möglichkeiten des Datenschutzes, wie ich im zweiten Teil erkläre.

      Ich bin überzeugt, dass Datenschützer in der Regel aus genau den richtigen Motiven handeln. Ich glaube aber, dass sich die Welt in den vergangenen Jahrzehnten unter ihrem Ziel wegbewegt hat. Ich glaube in meiner ebenfalls beachtlichen Naivität ein Ziel gefunden zu haben, das sich gerade durch diese Veränderung der Welt erst bietet, und für das es sich vielleicht sogar noch mehr zu kämpfen lohnt.

  3. Eins fiel mir noch auf, wegen der airtime. Ich hab den Wikipedia-Eintrag von Constanze kurz grade gelesen und ihre Webseite. Vier buecher, viele Jahre Forschung, beim Verfassungsgericht gekämpft. Ich kann verstehen, warum sie airtime hat, hat eben was zu sagen. Wird nicht umsonst die Sprecherin gewählt worden sein.

    1. Selbstverständlich! Da habe ich mich offenbar missverständlich ausgedrückt. Constanze Kurz kriegt ja auch Airtime. Nur momentan scheint Julia Schramm von der Öffentlichwirksamkeit mindestens mit Konstanze Kurz gleichzuziehen. Ich wollte nur deutlich machen, dass dieses Gleichziehen nicht allein an ihrer Weiblichkeit liegen kann, denn da hat sie keinen Vorteil gegen Constanze Kurz und letztere hat sehr viel mehr Ahnung (das bezweifle ich nicht) und ist zudem Sprecherin des CCC, der in Deutschland erhebliches Gewicht hat.

      1. Ach ja, stimmt ja, Öffentlichkeitswirksamkeit war schon immer das gleiche wie Legitimität. Argumente sind das hier…

        1. Da steht weit und breit nichts von Legitimität. Genau genommen hat das alles nichts mit Legitimität zu tun (außer Frau Kurz Position als CCC Sprecherin, aber darum gehts ja nicht). Thema verfehlt.

  4. Dein Posting ist ein aggressiver und teils unsachlicher Angriff auf die Spackos. Damit tust Du genau das, was auch Constanze Kurz tut – ebenfalls aus den von mir postulierten Gründen? Ich bin mir auch nicht sicher, wie viel bei den Spackos “dahinter” steckt. Sie sagen selbst, dass sie noch dabei sind, ihre Ideen zu entwickeln. Ich finde ihre Kritik mittlerweile allerdings sehr wohl fundiert, auch wenn die Argumente teils von Leuten außerhalb der Spackeria kommen. Aber das tut nichts zur Sache. Sie legen den Finger auf jeden Fall in die Wunde. Oder glaubst Du Julia Schramm bekommt nur darum so viel Airtime, weil sie sich als Frau zu Technikthemen äußert und dabei noch passabel aussieht? Das gilt übrigens für Constance Kurz auch. Ich finde auch die Feststellung der relativen Jugend der Spackeria erwägenswert. Julia Schramm ist glaube ich Mitte zwanzig. Ich finde da darf, ja muss man das (Datenschutz-)Establischment borniert und überholt finden und mit witzigen Sprüchen (“so was von eighties”) um sich werfen. Das ist einer große Bereicherung dieser ganzen vernerdeten Diskussion. Dein Ruf nach Ausschluss der Spackeria passt übrigens leider sehr gut zu meiner These, dass der heutige Datenschutz nur die Interessen einer kleinen technisch versierten Minderheit bedient und an der großen Mehrheit weitgehend vorbei geht.
    +1

    1. Hallo Oliver
      Sorry, der Spamfilter hatte Dein Posting fälschlich als Spam gewertet und hatte länger nicht in die Spam-Queue geschaut.
      Ich glaube, Du hast genau an dem Punkt aufgehört, den Artikel zu lesen, wo ich mit der polemisierenden Darstellung der Debatte aufhöre und meine Position darlege. Das fängt so an: „Da ist nur ein Problem. Die Spackos haben recht“. Ich stimme mit jedem Satz (jedem einzelnen Satz!) Deines Kommentars voll überein. Manches davon habe ich tatsächlich so schon ähnlich irgendwo geschrieben, z.B. auch das mit der Jugend, der Sprache, der Weiblichkeit …
      Tut mir leid, das mein Artikel offenbar so missverständlich anfängt.

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