Wir sind die Bösen

Subventionierter Fisch – effiziente Methoden des Massenmordes und der Umweltzerstörung.

Nicht nur unsere Polizei. Ich auch. Ich habe gestern Fisch gegessen.

Die spanische Fischerei-Industrie wird zu einem Drittel aus Steuergeldern subventioniert. Kommen Sie, kaufen Sie, nehmen Sie zwei Fische und Sie bekommen einen geschenkt! Mit diesen Steuergeldern fahren die schwimmenden Fischfabriken z.B. nach Somalia und fischen dort. Fischen die Fischgründe leer. Denn der failed State Somalia kann sich ja nicht wehren.

In Ermangelung von Fischen wurden aus somalischen Fischern dann Piraten. Das denk ich mir nicht aus, für so kranke Geschichten brauchts uns, keine Märchen. Mittlerweile sind das natürlich üble organisierte Verbrecherbanden (und das piratische Fußvolk, die Ex-Fischer – wahrscheinlich immer noch arme Schweine). Und vor denen lässt sich unsere Fischindustrie dann durch unsere Marine schützen. Das ist wahrscheinlich noch gar nicht in die Subventionen eingerechnet.

Und die Exkunden der Exfischer verrecken inzwischen auf dem somalischen Festland wegen der Jahrhundertdürre. Ja, ja, Jahrhundert-dies Jahrhundert-das, das Jahrhundert ist auch nicht mehr, was es mal war. Liegt an unserem Klimawandel. Also meinem, hab gerade neulich meine Stromrechnung gesehen. War beeindruckt, dafür habe ich bestimmt das eine oder andere somalische Baby geröstet. Nur so nebenbei, die Dürre am Horn von Afrika wurde bereits vor über einem Jahr vorhergesehen. Das große Sterben der Menschen dort hätte mit relativ kleinem Aufwand verhindert werden können, wenn man rechtzeitig gehandelt hätte.

Aber wenn wir überhaupt handeln, dann handeln wir erst wenn wir den Negerkindern endlich im Fernsehen beim Verhungern zuschauen können. Unser Mediensystem ist völlig kaputt (mein Vorschlag: Qualeaktäts Journblogismus). Ist natürlich ganz was anderes, wenn einer dieser verdreckten Neger übers Mittelmeer zu uns will. Ja, dann handeln wir. Dann ist Schluss mit Dürre, dann ist schnell mal mehr Wasser als er händeln kann.

Jean Ziegler ist der Meinung, Kinder verhungern zu lassen, während man überreichlich Nahrung an Schweine verfüttert oder in Autos verbrennt, sei Mord. Ich nenne es Pauperozid. Und der globale Pauperozid mit allein 6 Millionen verhungerten Kindern jährlich macht uns, mein Regime, zum schlimmsten Terrorregime, das je auf diesem Planeten gewütet hat.

Ja, schlimm das mit unserer Polizei.

7 Gedanken zu „Wir sind die Bösen“

  1. Ja, wir sind die Bösen…unser Staat baut einfach Scheiße, und die Deutschen wollen das, weil sie davon profitieren…oder weil sonst jemand davon profitiert und ihnen Glauben macht, sie würden etwas verlieren, wenn der deutsche Staat mal keine Scheiße bauen würde…
    ich mag deinen Beitrag. War erfrischend in der SF-Debatte…die dreht sich letztlich immer nur um DIE, die Finanzmogule, die UNS unsere tollen – unsere grandiosen und bequemen – Supergesellschaften kaputtmachen woll, um sich allen Reichtum der Erde in den Rachen zu stopfen und so weiter …

    Die Fischer sind zynisch. Noch zynischer war Merkel. Sie hat auf dem Höhepunkt der Katastrophe (??) großzügig 1 Mio gespendet – und was weiß ich wie viel für den Kampf gegen die Piraten ausgegeben … als würden Piraten keine Lebensmittel kaufen und teilen…

    Und unsere Fischer rotten staatssubventioniert die Thunfische aus.
    http://chrisse.wordpress.com/2011/10/21/der-staat-ist-nicht-die-losung-sondern/

  2. Gern 🙂 Auch wenn weder das, wasdu, noch das, was ich geschrieben habe, irgendwie ermutigend ist … eher deprimierend.

    Aber politische Heimatlosigkeit ist wohl ein Kennzeichen freier Köpfe … auch mal über den Tellerrand rausschauen, auch wenn’s ein bißchen weh tut und nicht in eine ideologische Schublade reinpasst

  3. Ja, das ist es. Wir sind ein Tiefpunkt der menschlichen Geschichte. Diese Erkenntnis tut weh. Und sie macht Mut, denn das bedeutet, dass es relativ leicht ist, es besser zu machen. Ich finde die Vorstellung, dass das hier die beste aller möglichen Welten ist sehr viel deprimierender.

  4. Hmm … ich sehe es nicht ganz so negativ … wir sind relativ frei, und wir Menschen haben in den letzten 5000 Jahren eine Menge Methoden gelernt, die Welt so zu verarbeiten, dass sie uns das Leben erleichtert. Das ist doch gar nicht so schlecht? Deprimierend finde ich eher, dass die Menschheit bei all dem nichts anderes im Sinn hat, als sich in egoistische Gruppengebilden zu organisieren und alle Kapazität darauf zu verschwenden, den anderen egoistischen Gruppengebilden zu schaden.

    Aber ein Tiefpunkt der menschlichen Geschichte? Naja. Du übertreibst. Ich möchte nicht vor 70 Jahren hier gelebt haben.

    1. Du hast recht, es geht voran. Ich glaube auch, dass es langfristig immer besser wird. Das ganze Blog hier dreht sich darum, wie es besser werden könnte.

      Ich will auch nicht vor 70 Jahren gelebt haben und ich bin sehr froh, dass wir da offenbar einiges draus gelernt haben. Die Taten der Deutschen vor 70 Jahren waren die größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte (bisher), davon bin ich überzeugt. Das entschuldigt aber nicht was wir heute tun. Und für die Opfer ist es glaube ich zweitrangig ob sie vom Inbegriff des Bösen planmäßig ausgerottet werden oder ob man sie gleichgültig der Marktlogik folgend verhungern lässt. Wenn man die reinen Zahlen betrachtet, sehen wir heute nicht gut aus. Wir lassen jedes Jahr allein sechs Millionen Kinder verhungern. Und nebenbei richten wir bemerkenswerten Schaden an diesem Planeten an. Ich weiß nicht, wie Historiker das bewerten werden, aber ich bezweifle, dass man mit Stolz auf unsere Epoche zurückschauen wird. Es ist das gleiche Gemetzel wie die Jahrhunderte davor, mit dem kleinen Unterschied, dass es heute alle wissen, dass die Maßstäbe unfassbar geworden sind und das wir heute die Möglichkeiten hätten, es besser zu machen.

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