Georg Schramm als Präsident?

Georg Schramm, Präsident der Herzen, hält vor der Occupy Bewegung in Frankfurt eine Rede voller Kriegsrethorik und Aufrufen zu Deportation und Mord.

Eigentlich ist dies eine kleine Randnotiz, die ich eines Blogs nicht für Wert erachtete. Doch da mir dazu von sachlicher aber geschlossener Opposition bis zu Spott und Anfeindungen ausschließlich Unverständnis begegnet ist, bringe ich es mal hier. Irgendwas läuft da gründlich falsch, entweder bei mir oder in diesem Land. Georg Schramm wurde in letzter Zeit als Präsident vorgeschlagen und zum Mann des Jahres gekürt. Zunächst fand ich das gut. Bis ich das hier gesehen habe:

Darin: Kriegsrethorik (ab 8:00-8:30), Banker ins Arbeitslager (9:20), tote
Banker = Happy End (11:50), Gläubiger köpfen (13:00) =
Stimmungsaufheller (13:25)

8 Gedanken zu „Georg Schramm als Präsident?“

  1. Hallo Schrotie,
    wenn du wirklich das ganze Video gesehen hast, müsstest du gesehen haben, dass Georg Schramm extra darauf hinweist, dass er hier als Satiriker spricht (Satire heißt übertreiben, überspitzen). . Er spricht als Rentner Dombrowski, nicht – und das ist das entscheidende Moment- als Kabarettist/Mensch Georg Schramm. Wenn er als Schramm spricht, spricht er anders, siehe http://www.youtube.com/watch?v=xzXqlncOvJM
    Es ist wichtig, das zu unterscheiden.

    1. Ich habe es gesehen. Das was Schramm da sagt ist strafrechtlich bedenklich. Das ist ihm bewusst und darum versucht er sich mit dieser Bemerkung abzusichern.

      Überspitzung ist ein Stilmittel mit dem Satiriker Missstände hervorheben. Das tut Schramm hier nicht. Er steht vor einer zurecht wütenden Menge. In seiner Rede versucht er diese Wut auf Menschen zu richten. Das verantwortungslos zu nennen ist noch sehr freundlich. Die einzige überzeugende Rechtfertigung für Schramms Verhalten wäre es, wenn er der Occupy-Bewegung einen hässlichen Spiegel vorhalten wollte, oder ein „Die Welle“ reenactment machen wollte. Beides wird aber nicht durch den weiteren Verlauf der Rede gestützt.

      Vielleicht hat Schramm sich auch etwas ganz anderes dabei gedacht. Er müsste sich wohl selbst mal dazu äußern. Ich halte sehr viel von Georg Schramm. Vielleicht war das ein übler Ausrutscher, vielleicht hatte er eine ganz andere Intention, die ich völlig missverstanden habe. Es kann gut sein, dass Schramm am Boden zerstört wäre, wenn ein Banker von jemandem getötet würde, der sich auf diese Rede beruft. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es bestimmte Dinge gibt, die man besser lässt. Ohnehin vorhandenen Hass auf Menschen und Menschengruppen zu schüren steht ganz oben auf dieser Liste.

      1. @schrotie

        Nein, er steht nicht vor einer wütenden, sondern zornigen Menge. Und den Unterschied Wut zu Zorn hat er ja bereits eingangs klar gemacht. Willst du ihm etwa den Mund verbieten?
        Und dann kommt von dir auch gleich der Vergleich mit „Die Welle“ nur weil du in deiner Phantasie gleich den GröFaZ gesehen hast. Seine Rede mag dich ja Abschrecken aber ein Augenöffner ist er schon alle male.

        1. Ich will ihm nichts verbieten, ich stelle seine Eignung als Präsident in Frage. Ich kann ihm auch gar nichts verbieten, dafür gibt es Gesetze. Ich schneide §130 Strafgesetzbuch mal so zusammen, dass es deutlich wird:

          Wer […] gegen Teile der Bevölkerung […] zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert […] wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

          Darum sagt Schramm explizit „Das war kein Handlungsvorschlag, das war ein Stimmungsaufheller“. Er weiß, dass das was er sagt, dermaßen daneben ist, dass der Gesetzgeber das ausdrücklich verboten hat, und versucht sich mit einem Witz abzusichern, wo jedem selbstständig Denkenden das Lachen im Halse stecken bleiben sollte. Doch selbst so ist das Gesagte rechtlich grenzwertig. Denn als Aufstachelung zum Hass gegen Banker kann man die Rede ohne Weiteres deuten. Und der selbe Paragraph enthält auch folgendes:

          Wer […] die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er […] Teile der Bevölkerung […] beschimpft, böswillig verächtlich macht […] wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

          Wenn Schramm in seiner Rede statt „Banker“ „Juden“ gesagt hätte, wäre er mit ziemlicher Sicherheit und zurecht angeklagt und verurteilt worden.

    1. Na, so generell ist das sicher falsch. Ich mag Satire, ich finde Schramm gewöhnlich hervorragend, ein ganz Großer. Wenn ich diesen Auftritt nicht verstehe – und das hoffe ich eigentlich irgendwie – dann hilf mir doch bitte, ihn zu verstehen. Gegen was richtet sich die Satire hier? Nach allen Regeln der Satire kann sie sich nur gegen das Publikum wenden. Die ganze satirische Verspottung des Finanzwesens geht ja völlig in Ordnung, aber die unverholene Glorifizierung des Mordes kann sich nicht gegen die Banker wenden. Das wäre schlicht keine Satire. Also, wie ist das zu verstehen?

        1. Finde ich zwar nicht witzig, geht aber in Ordnung. Erstens ist die Situation und Präsentation eine völlig andere. Es ist absolut unmissverständlich eine künstlerische Darbietung in einem entsprechenden Kontext. Bei Schramm ist es völlig unklar, ob das ganze eine künstlerische Darbietung oder eine politische Rede ist, ganz überwiegend scheint es nämlich das letztere zu sein. Es ist alles sehr vernünftig was er sagt. Der Mord in dem von Dir verlinkten Stück ist eine künstlerische Verfremdung, bei Schramm ist das wie gesagt alles andere als offensichtlich. Noch wichtiger: Der von Dir verlinkte Sänger bringt am Schluss eine Auflösung und sagt explizit, wie das zu verstehen ist. Diese Holzhammermethode ist natürlich wenig attraktiv, aber bei Schramm finde ich eben überhaupt keine Auflösung. Für Hinweise wäre ich nach wie vor dankbar.

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