Die Kunst des Malens

Nur um Missverständnissen vorzubeugen: ich bin ein miserabler Maler. Und das ist sehr geschmeichelt. Denn tatsächlich bin ich überhaupt kein Maler. Ich bin vielleicht ein miserabler Musiker, aber zu malen versuche ich nicht mal. Und ich versuche so einiges. So Schreiben zum Beispiel.

Das Licht ist der einzige Meister des Malens. Eine Wand, roher Putz, weiß angemalt. Ein Wandlicht wirft sein Licht genau entlang dieser Wand und meißelt so jedes Sandkorn im Putz in lange Schatten. Nah an der Lampe kommen noch viele Sandkörner ins Licht und es zeichnet feine Linien um alles. Doch je weiter die Lampe es entlang der Wand wirft, desto mehr überwiegen die Schatten. Die weißen Gipfel des Sandes erheben sich deutlicher aus dem Meer des Schattens doch dazwischen erkennt man immer weniger. Die Mauerer haben zehntel Millimeter tiefe Unebenheiten hinterlassen. Was man Tags nie sieht erscheint im tangentialen Licht der Wandlampe als kleine Pfützen an der Wand.

Und dieses Kunstwerk ist grau-weiß, zweidimensional und unbewegt. Das Licht hat auch ein bisschen mehr drauf. Im November ist es früh dunkel, nass und bunt – so lange noch nicht alle Blätter unten sind. Im nassen Asphalt spiegeln sich die Scheinwerfer des Gegenverkehrs. Für einen kleinen Moment passt der Winkel genau, so dass das Licht direkt vom Scheinwerfer gegenüber ins Auge gespiegelt wird. Ein Augenblick gleißender Blindheit bis die Augen wieder erste Schatten aus der Überdosis Licht schälen. In der Allee regnen gelbe, rote und braune Blätter, die bunt im Scheinwerferlicht erstrahlen. Eine Böe biegt ihren Fall zur Seite während die Augen im Auto unter ihnen wegfahren.

Und all das sind nur Reflektionen, nur Schatten des Lichtes selbst. Wird es selbst lebendig kann es zum Beispiel in einem einfachen Holzfeuer manchen Betrachter für Stunden fesseln.

Maler sind erstaunliche Zeitgenossen, die sich ein Leben Zeit nehmen, um das Licht zu studieren – und es dann mit Farben in zwei zeitlosen Dimensionen festzuhalten.

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