Berenike Steiger

Oder Nike, wie sie sich selbst nennt. Es ist schon erstaunlich, wie durch das Weglassen von zwei Silben aus dem altmodisch, schrägen “Berenike” der coole Name “Nike”, Turnschuh-Gigant und Siegesgöttin wird. Mit Turnschuhen hat unsere Nike so weit nicht viel zu tun, aber von der Siegesgöttin hat sie etwas.

Dieser Text steht in meiner Blog-Kategorie “Egotrip”. Das ist ausnahmsweise mehrfach zutreffend. Nikes Reise ist ein monumentaler Egotrip. Sie reist allein. Sie segelt allein.Das muss ich wahrscheinlich etwas ausführen.

Segeln auf dem Meer ist wunderbar. Aber es kann auch sehr schrecklich sein. Ein Sturm auf dem Ozean ist auch mit modernsten Segelyachten immer ein großes Risiko. Es braucht nur einen kleinen Fehler und die Segel oder Stricke werden beschädigt. Und beschädigtes Material bei einem Sturm kann den Tod bedeuten.

Menschen, die allein auf das Meer segeln, müssen ein ganz besonderer Schlag sein. Kommt ein Sturm, können sie glücklich sein, wenn sie nach 48 Stunden ohne Schlaf keine ernsten Fehler gemacht haben. Aber auch wenn – wie natürlich meist – kein Sturm ist, sind sie allein. Und allein auf einem Segelboot ist, zumindest auf dem Meer, ganz schön allein. Auf langen Strecken muss man mit speziellen Techniken mit wenigen Stunden Schlaf auskommen und während des Schlafens halt blind übers Meer schippern. Und man gehört zu den alleinsten Menschen auf dem Planeten. In jede Richtung ist in x Meilen: niemand.

Nicht nur segelt Nike nur mit sich (na gut, auch immer wieder mit wechselnden Gästen), sie segelt auch zu sich. Ihr Ziel ist ihr persönlicher Traum: auf einem Segelboot zu leben und um tropische Traumstrände zu schippern. Das ist kein besonders origineller Traum. Meiner ist es auch, und der Traum vieler Hobby-Segler und von Träumern, die es werden wollen. Ein dreifacher Egotrip: Nike segelt nur mit sich zu ihrem Traum und zu meinem.

Aber zum Segeln braucht man ein Boot. Nike hat eins in Panama gekauft, für 10.000 Euro. Und sie hat auch so ziemlich bekommen, was sie bezahlt hat. “You get what you pay for” sagt da der Angelsachse. Ein Wrack sage ich.

Und diese wunderbare Siegesgöttin macht sich an die Arbeit. Schuftet neun Monate an dem Boot ohne zu segeln und mit haufenweise Enttäuschungen. Aber sie gibt nicht auf. Und sie packt es.

Es wäre eine saublöde Story, wenn sie nicht wahr wäre. Diese uralte Geschichte ist ausnahmweise mal mitreißend – weil sie tatsächlich authentisch ist. “Untie the lines” ist eine Weekly Soap. Aber wenn eine Soap das echte Leben nicht schlecht imitiert sondern das echte Leben ist, dann hat das eine ganz andere Qualität.

Die Darstellerin der Hauptfigur – oder in diesem Fall tatsächlich nur die Hauptfigur – war mir zunächst unsympathisch. Vielleicht lag es daran, dass es Nike unangenehm war, eine Niederlage nach der anderen ins YouTube zu senden. Als sich die dunklen Wolken endlich verziehen, wird sie etwas sympathischer. Aber sie bleibt seltsam unzugänglich. Vielleicht liegt es daran, dass sie eine starke Frau auf einem doppelten Egotrip ist. Vielleicht will sie ihre Seele aber auch einfach nicht zu nackig ins YouTube senden. Letzteres glaube ich.

Es gibt Spannungsbögen, Cliffhanger, Sex-Appeal und kleine Dramen inklusive beinahe-Havarien, Abwechslung im Setting und in den Nebenrollen. Es ist noch mit mindestens zwei Jahren zu rechnen, wenn Nike nicht scheitert oder aufgibt. Das nächste wirklich große Abenteuer wird der Pazifik werden. “Wirklich groß” bedeutet: wenn man sich einen Globus aus einer bestimmten Richtung ansieht, sieht man fast nur Pazifik. Ein halber Globus voller Wasser, zu bezwingen mit einer 37 Fuß Alu-Schüssel von zweifelhafter Zuverlässigkeit, dafür aber haufenweise Charakter und Chuzpe sowie einem ungewöhnlichen Namen.

Ein cleverer „Kniff“ (oder tatsächlich vermutlich eher ein persönlicher Spleen) der Akteurin personifiziert Karl, ihr Boot, und schafft so einen immer anwesenden Sidekick der eine eigene “Charakter-Entwicklung” vollzieht. Vor allem: es ist ein interessantes Format, eine Weekly-Soap-Reality-TV-Sendung, nur echt. Es ist professionell geschnitten und in brauchbarer Qualität gefilmt. Anseh-Empfehlung!

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