Cocktail Molotov

Whisky ist eine einzigartige Droge. Ja, das Aroma eines Single Malts kann sehr Komplex sein. Aber es ist eine Komplexität, eingelegt in Stoff. All die kleinen Erinnerungen an den Sherry, der vor dem Single Malt in diesem Eichenfass lag – es sind Erinnerung in mindestens 40% reinem Alkohol.

Whisky ist der Schnupftabak der Alkoholiker. Der einzige Stoff, bei dem man gesellschaftlich toleriert schon wenigstens ein ganz klein bisschen besoffen wird, wenn man eine Nase nimmt.

Und wenn man dann einen ordentlichen Schluck nimmt, dann beißt er sich ganz einzigartig von den Lippen durch den Rachen in den Magen. Denn der teure Single Malt muss ja angemessen goutiert werden. Und der rund die Hälfte ausmachende Teil des reinen Alkohols, der diesen teuren Tropfen lagerfähig macht, spült spürbar brennend mit durch die umständliche Degustation.

Kalte Pizza

Die kulinarische Errungenschaft der Pizza ist es, nicht so zu schmecken, wie sie aussieht. Nun ja, tatsächlich tut sie das – allerdings erst, wenn sie kalt ist. Dann schmeckt sie wie kaltes gekochtes Fleisch und Gemüse verklebt mit einem mittelmäßigen fetten Käse auf einem mehr oder weniger zähen Weizenfladen.

Der Fladen ist der Ort, wo das Kunststück beginnt. Er darf nicht zäh, er muss knusprig sein. Es gibt nichts, was unser Gehirn so vom Geschmack ablenkt, wie das perfekte Knuspern. Knusprig kann man sogar Bacon vertragen. Haben Sie mal ein kaltes, lediglich geräuchertes Stück Bacon probiert? Und selbst die Erinnerung des wieder erkalteten erschlafften Bacons an seine ehemalige Knusprigkeit genügt, ihn immerhin genießbar zu machen.

Und weil das so ist, muss der Pizza-Käse ebenso knusprig und heiß sein. Das färbt dann auch hinreichend auf das etwaig vorhandene Gemüse und die bestenfalls drittklassige Salami ab, das ganze bei perfekter Zubereitung zu einem echten Genuss zu machen.

Schokoherz

Hallo. Mein Name ist Thorsten und ich bin Schokoholiker.

Neulich ist mir etwas Verblüffendes aufgefallen. Ich esse meist nicht ein Stück Schokolade, sondern mehrere, ein zwei Riegel. Wenn der Gaumen so beschäftigt ist, verlernt er das zuhören. Und darum habe ich Pralinen nie begriffen, nie gemocht. Denn eine Praline kann nur für sich alleine stehen.

Eine Praline besteht meist aus einer ganzen Reihe von Komponenten, die zusammen eine Komposition bilden. Selbst einfache Pralinen haben meist einen Überzug, z.B. aus Schokolade, eine Füllung und noch ein Herz aus einer dritten Zutat. Dazu gibt es obendrauf oft noch eine Nuss oder andere optische und gustatorisch-olfaktorische Dekoration.

Und diese Komposition braucht Raum und Zeit, muss vom ersten intensiven Kontakt mit der Zunge bis zum letzten Schmelzen der Ahnung des Nachgeschmacks erlebt werden. Man kann keine Symphonie erleben, wenn nebenbei noch eine Oper läuft, kann nicht zwei Gemälde gleichzeitig wirken lassen.

Eine Praline ist eine Nachricht des Chocolatiers an ihren Esser und nicht leicht zu verstehen.

Techno House

Dies ist eine sehr kurze Epoche in den Ausgrabungen, die zukünftige Archäologen hoffentlich mal in unserem heutigen Leben machen werden.

Die Natur ist hier sehr gezähmt. Eine öffentliche Grünfläche geht in Garten über. Immerhin, es ist ein Biogarten. Und selbst auf diesem kleinen Fleckchen Erde umgeben von der relativen Ödnis der flächendeckenden Monokultur weniger strapazierfähiger Gras-Sorten, selbst auf diesem Fleckchen Erde greift sich Mutter Natur all den wenigen Raum, der ihr Geboten wird.

Doch im Moment schläft sie, die Natur. Es ist Ende Dezember. Ein kalter, leicht regen-durchsetzter kräftiger Wind pfeift durch die kahlen Büsche am Rand des Gartens. Durch das Pfeifen des Windes hört man leise ein regelmäßiges Piepen. Es ist das Summen des Hauses, das seine Bewohner umsorgt.

In diesem Fall ist es der Trockner. Man hört ihn draußen durch das offene Keller-Fenster. Im Wasch-Keller steht oft das Fenster offen, damit der Dunst abziehen kann.

Und nun piept der Trockner. Er ist fertig mit dem Trocknen. Heute wurden nach dem Baden die Handtücher gewaschen. Zusammen mit etwas Bunt-Wäsche, die gerade noch anlag, war eine Maschine voll geworden. Und die ist nun gewaschen und getrocknet. Ja, es ist spät. Oder auch frühe Nacht.

Die beiden, die Waschmaschine und der Trockner, sind nicht die einzigen Maschinen, die sich hier um das Wohl der Bewohner kümmern. Ein absolut gleichmäßiges Summen kommt aus dem Heizungskeller. Das hört man aber nur unten im Keller. Und draußen im kalten Wind. Es ist die Lüftungsanlage, die dauernd die Luft im Haus durch frische ersetzt. Durch einen in den Lüftungsweg eingebauten Wärmetauscher bleibt dabei 90% der Wärme im Haus. Es durchströmt dauernd frische angenehm temperierte Luft sanft das Haus.

Für den Ausgleich der verbleibenden 10% Wärme sowie den Wärmeverlust durch Wände und Fenster arbeitet der Kollege neben dem Motor der Lüftungsanlage sporadisch mit einem etwas sonoreren Summen. Das kommt von der Wärmepumpe. Die pumpt Wärme aus dem Inneren der Erde ins Haus. Dabei sind wieder eine ganze Reihe an Wärmetauschern am Werk: aus dem Erdreich in die Sole der Wärmepumpe. An sonnigen Dezembertagen kann selbst vom Dach noch Wärme geerntet werden. Doch nun, in der Nacht, und während solcher Schlecht-Wetter-Perioden gleich gar, kommt die Wärme aus der Erde.

Aus der Sole geht die Wärme in den großen Wasser-Tank, der als Wärmepuffer dient. Aus diesem stets gut gefüllten Wärme-Reservoir wird die Wärme im Haus verteilt, wohin sie gerade gebraucht wird: als Warm-Wasser aus einem der zahlreichen Wasser-Hähne des Hauses. Oder in die Wand-Heizung.

Die Wandheizung umgibt die Außen-Wände des Hauses und wenige Innenwände mit einem feinen Netz aus Wärme. Es ist gerade soviel, dass die Außenwände 120% isoliert zu sein scheinen – die Wände haben nicht einen leichten Wärmeverlust, sie haben einen leichten Wärme-Eintrag, als wären sie von einer prallen Juli-Sonne beschienen, in dieser Dezember-Nacht.

Im selben Raum, in dem die Lüftung und die Heizung arbeiten, arbeitet auch die Haus-Automation, aber die hört man nicht. Nur manchmal klackt es ganz leise, wenn ein Licht schaltet – weil ein Bewohner es an- oder aus-haben möchte, oder weil der Raum seit einiger Zeit verlassen ist, und das Licht deshalb jetzt mal abgeschaltet wird. Die Verteilung der Wärme wird ganz lautlos geregelt und nur wenn mal ein Fenster gegen allzu viel Sonne verschattet wird, hört man oben das Summen eines Motors. Doch davon kann zu dieser Zeit keine Rede sein.

Verlässt man den Keller, trifft man noch ein paar Helferlein der Bewohner. Der Staubsauger steht wie üblich im Weg. Er ist der dümmste all der Helferlein. Selbst der Herd kann wie der Ofen und die Micro-Welle nach einiger Zeit abschalten, wenn gewünscht. Die Spülmaschine durchläuft vielstufige Programme um das Geschirr der Bewohner zu säubern und zu trocknen. Der Kühlschrank regelt dauernd die Temperaturen in seinem Inneren. Und im Wohnzimmer versucht ein Smart-TV die Bewohner auf Wunsch zu unterhalten.

Doch auch das heißt natürlich nur so – smart. Tatsächlich ist es ziemlich doof. Es hat bestenfalls die Intelligenz einer Wanze, die für die Konzerne die Bewohner aushorcht, während diese unterhalten werden.

Es ist eine einzigartige und kurze Epoche. Und wir sind somit historische Freaks, Teil der wenigen Generationen, die über einen ansehnlichen Maschinen-Park gebieten – hinzu kommen noch Transportmittel, Kommunikatoren, ein paar Gadgets – einen Maschinen-Park, der aber komplett dumm ist.

Entweder sind wir die letzten Generationen, die für einige Zeit überhaupt über einen Maschinen-Park gebietet, oder wir sind die letzten, deren Maschinen-Park dumm ist.

Jahres-End-Rallye

Liebe Leser

Über das Jahr hat sich in mein Egotrip-Geschreibsel-Ornder ein bisschen was angesammelt. Einerseits bin ich oft zu faul zum veröffentlichen, andererseits spare ich auch gerne etwas für Zeiten, in denen ich gar keine Lust zum Schreiben habe. Aber jetzt ist der Egotrip viel besser gefüllt als die Utopolitik.

Darum werde ich in den kommenden Tagen einige Egotrip-Texte veröffentlichen und den Überhang wenigstens ein bisschen abbauen. Wer keine Lust auf meine Schreibübungen hat und nur wegen der Utopilotik hier rein-schaut, möge Nachsicht mit mir üben und dieses Blog in den kommenden Tagen ignorieren.

Los geht es mit dem Techno-House, das meine Lieben und mich behütet und dann kommen einige kurze Texte über Essen und Trinken. Mal schauen, ob ich danach noch Lust zum Veröffentlichen habe.

Ich wünsche Euch allen schöne, erholsame und ein bisschen besinnliche Tage mit Menschen, die Euch lieb sind.

        Thorsten

Beardytron 5000

Beardyman hat ein Instrument erfunden, das das Potential hat, Musik zu revolutionieren.

Man muss seine Musik nicht mögen. Um sie zu mögen braucht man immerhin eine erhebliche Affinität zu elektronischer Musik. Denn trotz der enormen Fortschritte, die er erreicht hat, steht die Entwicklung noch ziemlich am Anfang. Aber diese Fortschritte machen Beardyman zu einem der wichtigsten Musiker unserer Zeit. Er ist offensichtlich besessen und hat mit seiner Besessenheit einen musikalischen Quantensprung gemacht, der Musik für sehr lange Zeit prägen wird.

Unsere Schlagzeugerin will uns verlassen. Sie zieht leider weg. Da brachte unser Gitarrist die Idee auf, das Schlagzeug mit Technik zu ersetzen. Da ich der Technik-Nerd in der Band bin, sollte ich mich mal umsehen, was da so geht und was man letztendlich anschaffen müsste. Einen Bass haben wir übrigens auch nicht, das macht unser Keyboarder mit der linken Hand. Also habe ich geforscht, wie man beides mit einer Lösung erschlagen könnte.

State of the Art

Es gibt zwei technische Ansätze für so etwas. Das erste ist der Looper/die Loop-Engine. Damit nimmt an eine kurze musikalische Phrase auf – ein Bass-Riff, ein Schlagzeug-Pattern – und der Looper spielt sie dann immer im Kreis. Musiker machen meist auch nichts anderes, als eine Phrase (oft mit kleinen Variationen) immer im Kreis zu spielen, wenn sie nicht gerade ein Solo spielen.

Looper können live eingesetzt werden. Man muss nur einen Knopf (oft ein Fußpedal) betätigen und die Aufnahme startet und nimmt z.B. automatisch die nächsten 4 Takte auf. Danach kann man die nächste “Schicht” Musik in den nächsten 4 Takten auftragen. So lassen sich mit einem Livelooper faszinierende komplexe Kompositionen live erzeugen und es gibt zahlreiche Musiker, die das tun. Doch mit mehreren Musikern mit mehreren Loopern zu arbeiten ist problematisch, da sich das Tempo mehrerer Looper nicht immer synchronisieren lässt.

Der zweite technische Ansatz ist der Sequenzer. Damit kann man Sequenzen von Tönen erzeugen. Mit solchen Teilen können komplette Orchester-Stücke für Filmmusik erstellt werden oder auch Schlagzeugmuster. Ein orchestrales Arrangement zu erzeugen bedeutet zunächst, den kompletten Satz (die Noten) für dreißig (oder so) Stimmen des Orchesters einzugeben. Dazu kann man ein Keyboard verwenden, was den Vorgang erheblich beschleunigt, aber man muss jede Spur (jede einzelne Stimme des Orchesters) einzeln eingeben und nachher noch die Mischung und Dynamik mühselig einstellen. Live geht da nichts.

Beat It

Aber ein Schlagzeug besteht nur aus einer sehr begrenzten Zahl einzelner Noten (jede Trommel ist quasi eine eigene Note) mit einer fixen Länge. So etwas kann man durchaus live sequenzieren. Dazu gibt es wieder zwei Ansätze. Der erste teilt eine Phrase in separate (meist 16) Segmente auf. Der Musiker gibt live ein ob und auf welchem der 16 Segmente welcher Ton erzeugt werden soll. Diese Technik wird meist von Beatprogrammierern in der elektronischen Musik eingesetzt.

Diese Technik erlaubt es, sehr schnell Beats zu erzeugen, die kein menschlicher Schlagzeuger spielen könnte, weil sie zu schnell und komplex sind. Doch die Arbeitsweise hat kaum etwas mit der Arbeitsweise klassischen Musizierens zu tun. Es ist eher ein sehr schneller Programmiervorgang.

Die andere Möglichkeit zur Erzeugung von Rhythmen ist, sie so einzugeben, wie es ein Schlagzeuger tun würde. Es gibt elektronische Schlagzeuge mit denen das auf klassische Weise möglich ist. Solche Schlagzeuge wurden auf die Größe einer Handfläche verkleinert, so dass man komplette Schlagzeugsätze mit den fünf Fingern einer Hand einspielen kann. Diese “Schlagzeuge” bestehen meist aus c.a. 16 anschlag-dynamischen “Pads” die dann auch für die Eingabe nach dem ersten Ansatz, der Step-Sequencer-Programmierung, verwendet werden können.

Die auf die eine oder andere Art erzeugten Schlagzeugmuster werden dann wieder geloopt (im Kreis gespielt) und es können in mehreren Schichten übereinander aufgetragen werden. Man erkennt schon eine Verwandtschaft zum Live-Looping-Ansatz.

The Sound of Sound

Auf die eben beschriebene Art legt man die Reihenfolge der Töne fest. Doch welche Töne da gespielt werden, ist wieder eine andere Frage. Meist kann man die Töne aus einem riesigen Arsenal von Schlagzeug-Sets (auch elektronischen) auswählen oder direkt mit eingebauten oder angeschlossenen Synthesizern erzeugen. Die Töne kann man oft beliebig kombinieren und wieder mit komplexen Filtern verfremden und bearbeiten. Es gibt eine Reihe von Produkten, mit denen sich auch live einigermaßen so arbeiten lässt.

Im Prinzip könnte man die Töne und Phrasen auch live aufnehmen (also samplen) und dann auf die beschriebene Art neu sequenzieren und verfremden. Das geht auch, doch dazu sind die technischen Möglichkeiten heute sehr begrenzt, einfach weil es bisher keine Produkte gibt, die das so erlauben, dass man es live gut einsetzen könnte.

Ich habe genau nach so einer Technik gesucht. Denn damit wäre man nicht auf rein elektronische Musik begrenzt. Damit könnten wir Basslinien mit Keys oder Gitarre einspielen und diese dann loopen, so dass die beiden Instrumente sich auf anderes konzentrieren können. Ich will Anschlag-dynamische Trigger-Pads um Rhythmen aus “natürliche musikalische” Art spielen zu können anstatt einen Step-Sequencer zu programmieren. Ich will einzelne Stimmen und Phrasen jederzeit zu- und weg-schalten um das Arrangement live an die das Stück anzupassen, an Strophe, Refrain, Bridge. Und ich will schnell den Sound verändern können. All das geht. Aber nicht in Kombination und nicht so einfach live.

Geht nicht? Geht doch!

Darren Foreman, aka Beardyman, ist zunächst als Beatboxer aufgetreten. In der Tat war er 2006 und 2007 Beatboxing Champion von Großbritannien. Er ist einer der besten Beatboxer der Welt. Das heißt, er erzeugt Rhythmen und mehr nur mit Hilfe seines Körpers – vor allen dem Mund – einem Mikrofon und den Händen, mit denen er um Mund und Mikro einen Resonanzraum schafft, der den Ton beeinflusst, formt. Und singen kann er auch.

Damit verfügt Beardyman schon nackt über ungewöhnliche Tonerzeugungs-Möglichkeiten. Doch nackt ist nicht sein Ding. Er hat versucht, mit Technik von der Stange so etwas zu erreichen, wie ich oben beschriebe habe. Er ist damit auch ziemlich weit gekommen, wie man z.B. hier sehen kann:

Doch das genügte ihm nicht. Also hat er sich daran gemacht, das, was er wollte, selbst zu entwickeln. Er hat sich mit Programmierern zusammengetan um ein System zu entwickeln, das seinen Ansprüchen genügt. Die Geschichte dieser Entwicklung ist hier nachzulesen. Und er hat es geschafft.

Tron?

Mit seiner Erfindung, der Beardytron 5000 sind seine Auftritte nach heutigen Maßstäben unfassbar. Er kommt ohne vorbereitetes Material (ohne fertige Basslinien, Beats, oder auch nur Sounds) auf die Bühne. Er singt und Beatboxt, loopt seine Livesamples, und dreht alles durch die digitale Mangel bis geniale elektronische Sound-Wände den staunenden Höher umgeben und mit reißen. Beardyman erschafft ganz alleine auf der Bühne live neue Stücke nach vorgaben des Publikums und es klingt als hätte eine Armada von Produzenten wochenlang mit einer Band gearbeitet um diese Soundskulpturen aus den Computern zu meißeln. Dies eine eine ganz besonders gelungene Show:

Wie gesagt: man muss seine Musik nicht mögen. Epochal ist sie dennoch. Aber das epochale ist nicht die Musik selbst sondern ihr Entstehungsprozess. Erst seit den 90er Jahren des 20sten Jahrhunderts sind die Möglichkeiten der Musik unbegrenzt. Seitdem lassen sich mit Computer-Hilfe absolut beliebige Töne erzeugen und beliebig kombinieren. Vorher war die Tonqualität, der Sound, durch die Tonerzeugungs-Technik (z.B. die bekannten Musikinstrumente) begrenzt und die Tonkombination durch die begrenzten Fähigkeiten von menschlichen Musikern. Doch Computer können alle physikalisch überhaupt möglichen Sounds erzeugen und sie beliebig Kombinieren.

Von Musikinstrumenten, Schnittstellen

Aber die Nutzung dieser unbegrenzten Möglichkeiten hatte praktisch nichts mit dem zu tun, was Musiker sich klassischer Weise als Musik machen vorstellen. Die Nutzung dieser Möglichkeiten bedeutete eine Form von Programmierung durchzuführen.

Die Beardytron 5000 ist der Durchbruch auf diesem Gebiet. Sie ist das erste Musikinstrument, das es dem Musiker erlaubt, einen wichtigen Teil der endlosen Möglichkeiten moderner Tonerzeugung live zu nutzen. Viele Arbeitsabläufe an der Beardytron 5000 haben sogar einen ausgesprochen musikalischen statt eines programmierenden Charakters.

Dennoch ist die Beardytron 5000 erst der Anfang. Ihre Bedienung scheint noch sehr komplex zu sein und die Nutzerschnittstellen sind noch sehr primitiv. Musiker erzielen subtile Effekte mit winzigen Bewegungen ihrer Finger, Lippen, Zungen, ihres Zwerchfells und so weiter. Die Beardytron 5000 ist ein Keyboard, eine Gruppe von anschlag-dynamischen Trigger-Pads, drei IPads auf denen man rumwischt und einige weitere Dreh- und andere Knöpfe. Die Virtuosität, die Beardyman darauf zeigt, ist atemberaubend. Aber da geht noch was. Und Subtilität ist nicht gerade eine hervorstechendes Merkmal von Beardymans Musik.

Ironie der Geschichte

Und dann stellt die Beardytron 5000 aus europäischer Sicht noch eine besondere Ironie der Musikgeschichte dar. Das hervorstechende Merkmal europäischer Musik ist die harmonische Komplexität. In der Melodik waren arabische und indische Musik der europäischen schon immer voraus. In der Rhythmik war afrikanische und südamerikanische Musik Spitze. Nur in der Harmonie, dem Vielklang unterschiedlicher Noten, tat sich das alte Europa hervor.

Die Beardytron 5000 scheint keine harmonische Progression zu erlauben, zumindest kommt sie in Beardymans Musik nicht hörbar vor. Die harmonische Progression ist der Wechsel unterschiedlicher Vielklänge und essentiell z.B. für klassische (europäische) Musik und Jazz. Auch Pop-Musik kommt seltenst ohne aus. Dass die harmonische Progression in der Beardytron 5000 fehlt ist verständlich, handelt es sich doch um ein mathematisch sehr komplexes Thema, das hohe Anforderungen an die computerisierte Tonverarbeitung und die Benutzerschnittstellen stellt.

Doch besondere Leistungen vollbringt die Beardytron 5000 bei der Soundmanipulation. Sound ist die jüngste Dimension musikalische Schaffens. Erst seit c.a. den 70er Jahren des 20sten Jahrhunderts können Musiker über die Auswahl der Instrumente und subtile Effekte hinaus überhaupt signifikanten Einfluss auf den Sound nehmen. Und Beardyman meißelt den Sound live scheinbar wie er will und das in Bruchteilen von Sekunden.

Auf zu neuen Ufern

Beardyman ist ein epochaler Durchbruch gelungen. Und nur dank seines musikalischen Genies kann er diesen Durchbruch auch demonstrieren indem er alleine live komplexe Sound-Kunstwerke erschafft. Er stößt damit eine Tür auf, durch die ihm bald Musiker aller Genres folgen werden. Denn das Instrument, das er erschaffen hat, ist nicht auf die Erzeugung elektronischer Musik begrenzt.

Es spricht nichts dagegen, Geigen, Gitarren oder Glockenspiele live zu samplen, zu loopen und neu zu sequenzieren. Es spricht nichts dagegen, mit einem Trio komplexe Orchester-Werke live zu erschaffen. Es ist vorstellbar, dass Musiker sich völlig neu aufteilen. Einer macht Rhythmen, einer Harmonien, einer Melodien und einer Gefühle. Das war bisher auch schon ein Stück weit so, aber die Technik lässt völlig neue, willkürliche Aufteilungen zu.

Und die Nutzerschnittstellen werden alle möglichen Muskeln nutzen. Vielleicht wird es Virtuosen geben, die nur mit Bauch- und Brustmuskeln anrührende Streichquartette darbieten. Doch sicher wird es “Instrumente” geben, die mit Lunge, Lippen, Zunge, Händen und/oder Füßen bedient werden, die aber beliebige Klänge erzeugen. Die Zukunft des Musizierens hat begonnen.

Ach ja, unsere Kultur wäre nicht unsere Kultur, wenn wir solch epochale Durchbrüche nicht nach Kräften zur besseren wirtschaftlichen Ausbeutung bremsen würden. Beardyman hat Angst, dass ihm seine Erfindung “gestohlen” wird, weshalb er maximale Geheimniskrämerei darum betreibt.

Kunstspiel

Kunst ist … für mich. Kunst braucht eine Botschaft, selbst wenn die darin besteht, dass es keine Botschaft gibt. Kunst muss mich ansprechen, mir etwas sagen. Tut sie es nicht, sagt sie mir nichts, und funktioniert für mich persönlich nicht. “Persönlich” ist wichtig. Ein Kunstwerk muss nicht jedem etwas sagen und niemandem sagt jedes Kunstwerk etwas. Die Botschaft ist in fast allen Genres non-verbal und lässt sich auch verbal nicht fassen. Könnte ich das, was ein Kunstwerk auslöst, mit Worten fassen, wären es keine Kunst. Das gilt übrigens selbst für Literatur: die Kunst steht zwischen den Zeilen. Und noch etwas: Die Art, wie das Kunstwerk seine Botschaft vermittelt muss originell sein oder meisterlich. Kunst ist … für mich … eine originelle und/oder meisterliche Informationsübertragung.

Ich gehöre zur ersten Generation der Daddelkinder. Anfang der 80er bekam ich die erste populäre Video-Spielkonsole, das Atari 2600. Ich habe die Entwicklung der Computerspiele seit ihren Anfängen 20 Jahre lang aktiv verfolgt und registriere seit 10 Jahren noch als eher Außenstehender die Entwicklung. Mir ist nie der Gedanke gekommen, dass ein Computerspiel Kunst sein könnte.

Es gibt zahlreiche Spiele mit anspruchsvoller Grafik, fantastischem Level-Design, meisterlicher Ausführung. Doch selbst, wenn manche Spieleschöpfer offensichtlich mit künstlerischem Anspruch und durchaus respektablem Erfolg an ihre Spiele gehen, kommt dabei bestenfalls Gebrauchskunst heraus. Es gibt sicherlich auch Künstler, die versuchen Spielekunstwerke zu schaffen. Ich habe aber keins gesehen, das als Spiel überzeugt. Und dann ist es kein Spiel, sondern Kunst, die sich einer speziellen Sprache bedient.

Super Hexagon macht Spaß und nicht zu knapp. Er wird verschiedentlich als Suchtspiel bezeichnet. Es reflektiert Sprache und Funktionsweise von Computerspielen auf mehreren Ebenen. Die Grafik sieht auf den ersten Blick sehr nach den ersten Videospielen vor 30 Jahren aus – große eckige Klötze fliegen durchs Bild. Der Sound erinnert ebenfalls stark an die Begleitmusik der frühen Klassiker.

Doch die Grafik bewegt sich anders als vor 30 Jahren hundert prozentig flüssig und ist 3D, was aber sehr subtil eingesetzt wird: das ganze Spielfeld kippt dauernd leicht um verschiedene Achsen und dreht sich kontinuierlich in verschiedenen Richtungen und Geschwindigkeiten um den Mittelpunkt. Die groben Klötze einer vergangenen Computerspielära fliegen aus allen (6 – Hexagon!) Richtungen auf diesen Mittelpunkt zu, und es gilt, ihnen auszuweichen.

Der Sound ist ein moderner Tecno-Beat, der sich der Sounds aus der Computerspielarchäologie bedient und das Herannahen der Klötze in seinem Beat pulsieren lässt. Zusätzlichen wabern noch die – wenigen – Farben des Spiels in der sich verändernden Musik.

Alles bewegt sich in verschieden zeitlichen, räumlichen, farblichen und soundlichen Dimensionen. Der Spieler bewegt eine Art Cursor im Kreis um den Mittelpunkt des Spielfelds und muss den herannahenden Klötzen ausweichen. Dazu kann er zu jedem Zeitpunkt eins von drei Dingen tun: Taste “links-rum” drücken, Taste “rechts-rum” drücken, gar nichts tun. Primitivere Interaktionsmöglichkeiten bieten wenige Spiele, selbst in der guten alten Zeit. Dennoch ist das Spielprinzip erstaunlich immersiv.

Und das ist einer der Aspekte, die aus einem scheints simplen Spiel ein Kunstwerk machen. Das Spiel besteht aus lauter 30 Jahre alten Elementen – Grafik, Sound, Spielprinzip, Interaktion – die leicht variiert sind und moderne Technik und Gestaltung subtil einsetzen und erreicht so einen verblüffenden Effekt.

Schon das Zuschauen hat eine erstaunlich hypnotische Wirkung. Für einen reinen Zuschauer ist es ein animiertes Kunstwerk, das die Ästhetik der moderne mit Mitteln der Postmoderne reflektiert. Doch für den Spieler ist es noch mehr.

Es ist lange üblich, dass der Spieler im Laufe des Spiels stärker wird, bessere Mittel erhält um Herausforderungen zu bestehen, die am Anfang unmöglich erscheinen. Nur die allererste Spiele-Generation (und wenige Spiele, wie z.B. Tetris) enthielt dieses Element nicht. Super Hexagon enthält dieses Element ebenfalls nicht. Dennoch lässt es den Spieler nach einiger Zeit Herausforderungen bestehen, die zunächst völlig unmöglich erscheinen. Und das ist in dieser Ausprägung einzigartig.

Super Hexagon ist schwer. Um die leichteste Spielstufe auch nur 10 Sekunden zu überleben muss man schon eine Weile üben. Folgerichtig ist die Schwierigkeitseinstufung der leichtesten Spielstufe “Hard” (schwer). Die folgenden Stufen sind eingestuft als “Harder” (schwerer), “Hardest” (am schwersten), “Hardester” (am schwerstener), “Hardestest” (am schwerstenen) und Hardestestest (am schwerstenenen). Um eine Stufe zu bestehen, muss man 60 Sekunden durchhalten. Wenn man das Spiel zum ersten mal spielt, scheint die Möglichkeit, das auf höheren Stufen zu schaffen, absurd. Tatsächlich dachte ich auch diverse Male, dass ich wohl zu alt dafür bin. Aber mit Übung kommt man überraschend weit.

Super Hexagon reprogrammiert das Gehirn des Spielers, wie dieser Artikel sehr gut darlegt. Super Hexagon gibt einem doch die Mittel es zu bestehen. Aber man muss diese Mittel alle in sich selbst finden. Es erfordert hohe Konzentration. Auf den höheren Schwierigkeiten kann man oft nicht einmal die überstandene Zeit ablesen ohne das Spiel unfreiwillig zu beenden. Es ist so schnell, dass es nicht mehr als ein Zwinkern verzeiht. Doch diese Geschwindigkeit lässt sich nur mit antrainierten Reflexen meistern. Deshalb und wegen der hypnotischen Umsetzung versetzt das Spiel den Spieler schnell in einen Flow-State.

Dadurch, dass es keinerlei ablenkende Elemente hat, zeigt es dem Spieler in ungewöhnlicher Deutlichkeit, wie es ihn verändert. So ist es nicht nur grafisch und musikalisch ein Kunstwerk sondern auch was das Spielprinzip betrifft. Alle diese Elemente – auditive, visuelle, spielerische – spielen auf komplexe Weise zusammen und ergeben ein äußert simples und doch faszinierendes Spiel. Und ein meisterliches Gesamtkunstwerk.

Die Kunst des Malens

Nur um Missverständnissen vorzubeugen: ich bin ein miserabler Maler. Und das ist sehr geschmeichelt. Denn tatsächlich bin ich überhaupt kein Maler. Ich bin vielleicht ein miserabler Musiker, aber zu malen versuche ich nicht mal. Und ich versuche so einiges. So Schreiben zum Beispiel.

Das Licht ist der einzige Meister des Malens. Eine Wand, roher Putz, weiß angemalt. Ein Wandlicht wirft sein Licht genau entlang dieser Wand und meißelt so jedes Sandkorn im Putz in lange Schatten. Nah an der Lampe kommen noch viele Sandkörner ins Licht und es zeichnet feine Linien um alles. Doch je weiter die Lampe es entlang der Wand wirft, desto mehr überwiegen die Schatten. Die weißen Gipfel des Sandes erheben sich deutlicher aus dem Meer des Schattens doch dazwischen erkennt man immer weniger. Die Mauerer haben zehntel Millimeter tiefe Unebenheiten hinterlassen. Was man Tags nie sieht erscheint im tangentialen Licht der Wandlampe als kleine Pfützen an der Wand.

Und dieses Kunstwerk ist grau-weiß, zweidimensional und unbewegt. Das Licht hat auch ein bisschen mehr drauf. Im November ist es früh dunkel, nass und bunt – so lange noch nicht alle Blätter unten sind. Im nassen Asphalt spiegeln sich die Scheinwerfer des Gegenverkehrs. Für einen kleinen Moment passt der Winkel genau, so dass das Licht direkt vom Scheinwerfer gegenüber ins Auge gespiegelt wird. Ein Augenblick gleißender Blindheit bis die Augen wieder erste Schatten aus der Überdosis Licht schälen. In der Allee regnen gelbe, rote und braune Blätter, die bunt im Scheinwerferlicht erstrahlen. Eine Böe biegt ihren Fall zur Seite während die Augen im Auto unter ihnen wegfahren.

Und all das sind nur Reflektionen, nur Schatten des Lichtes selbst. Wird es selbst lebendig kann es zum Beispiel in einem einfachen Holzfeuer manchen Betrachter für Stunden fesseln.

Maler sind erstaunliche Zeitgenossen, die sich ein Leben Zeit nehmen, um das Licht zu studieren – und es dann mit Farben in zwei zeitlosen Dimensionen festzuhalten.

Das Fest der Liebe

Wenn ich meine Lebenserwartung ungefähr erfülle, habe ich jetzt rund die Hälfte meiner Weihnachtsfeste erlebt.

Mein Vater starb als ich fünf war, davor kann ich mich an keine Weihnachten erinnern. Meine Mutter war nie religiös und konnte auch sonst nichts mit Weihnachten anfangen. Es gab bei uns keinen Weihnachtsschmuck. Es gab einen 50cm hohen “Baum” aus Holz mit geschwungenen Holz-Leisten als Äste – insgesamt in der typischen Tannenbaum-Form. Es gab Geschenke.

Ich habe in meiner Kindheit und Jugend nie gelernt, was das mit Weihnachten soll. Als junger erwachsener war ich Weihnachten manchmal allein, jedenfalls nie bei meiner Familie. Fast alle Menschen in meinem Alter waren mit ihren Geschwistern und Eltern zusammen. Ich war kein besonderer Weihnachtsfan.

Die Frau, mit der ich nun mein halbes Leben verbracht habe, kommt aus einer christlich-konservativen Kleinstadt-Familie. Die Hälfte meiner Weihnachtsfeste habe ich mindestens teilweise bei dieser Familie verbracht. Es gibt schlechtere Arten, Weihnachten zu verbringen.

Seit nun zehn Jahren haben wir Kinder. Die freuen sich natürlich hauptsächlich auf die Geschenke. Jetzt sind sie gerade in der völlig überfüllten Kirche während ich was noch zu erledigen war erledigt habe und wie so oft um diese Zeit über Weihnachten nachdenke.

Mein Verhältnis zu Weihnachten hat sich von deprimierend zu zwiespältig entwickelt. Langsam mache ich meinen Frieden mit dem Fest – hoffe ich.

Die Zeit “zwischen den Jahren” hat schon seit Jahrtausenden eine besondere Bedeutung, die ursprünglich auf die Differenz zwischen Sonnen- und Mond-Kalender zurück geht. Es sind ruhige Tage deren meist mieses Wetter mir zusammen mit der Tatsache, dass die meisten Menschen hier zeitlich verplant und die Geschäfte mehr oder weniger geschlossen sind, viel Zeit zum nachdenken lässt.

Ruhe und Kontemplation sind schon mal ein großes Plus dieser Zeit. Dann ist Weihnachten in Deutschland das Familienfest schlechthin. Das Klischee besagt, dass man sich dann folgerichtig streitet. Doch das ist mir fast immer erspart geblieben. Weihnachten heißt Zeit mit den Menschen, die mir am meisten bedeuten.

Natürlich sind da auch die Geschenke. Geschenke heißt, ich denke über die Beschenkten nach. Ich versetze mich in sie hinein und überlege, was ihnen Freude macht. Ich bin eine Null im Geschenke verpacken. Also brauche ich ewig dafür. Aber es ist dann auch meine Zeit, die ich schenke. Überhaupt wäre es besser, mehr Zeit zu schenken. Etwas zu machen, ein Gedicht zu verschenken, ein Lied, ein Bild oder das Versprechen an einem bestimmten Tag etwas bestimmtes mit dem Beschenkten zu unternehmen. Doch ich fühle mich genauso in Zeitnot wie die meisten meiner Mitmenschen. Also nutze ich unsere arbeitsteilige Gesellschaft und kaufe Geschenke.

Ja, Konsumterror ist furchtbar. Doch es ist nicht Weihnachten, das schlecht ist. Unsere Gesellschaft definiert Anerkennung über Besitz. Und Wert ist nur wer eine Arbeit hat, die so wichtig ist, dass er dafür seine Mitmenschen wenigstens ein bisschen vernachlässigt. Weihnachten zeigt uns dieses Arrangement dann schmerzhaft vergrößert im Hohlspiegel. Kein Wunder, dass viele Menschen Menschen sagen, sie hassen Weihnachten.

Aber wie wäre es, wenn wir den Rest unseres Lebens ein bisschen mehr so ausrichteten, dass Weihnachten nicht mehr ganz so furchtbar ist?

Fujitsu HandyDrive Data Edition

Über das Ding bin ich neulich im Keller gestolpert. Wieso hat ein Nerd wie ich so einen Nerd-Kram?

Ich konnte das Teil erst gar nicht einordnen. „Fujitsu HandyDrive Data Edition“ – WTF? Das ist so ein dickes Kunstleder-Etui. Wenn man den Reißverschluss rundum öffnet, sieht man – präzise in zwei eingenähte Taschen eingefügt – :

  1. Eine USB-Festplatte in einem kunstvoll gestalteten Plastikgehäuse und

  2. ein fein säuberlich aufgewickeltes USB-Kabel um erstere an einen PC (das heißt „Personal Computer“, so graue Klötze, die früher neben Schreibtischen standen) anzuschließen.

Ich weiß nicht, von wann die ist und wie viel Speicherplatz sie bietet und es steht tatsächlich nirgendwo drauf. Es ist an dem Teil und seiner aufgepimpten Verpackung nicht herauszufinden. Amazing.

Eine Internetrecherche ergibt, dass das Ding wohl 40GB Speicherkapazität hat. Das steht auf Ebay und anderen Händler-Portalen. Diese poshe Platte hat offensichtlich noch Liebhaberwert bei Sammlernerds. Denn zur Verwendung würde die sicher keiner kaufen, der Okolyt hat mindestens 10 Jahre auf dem Buckel.

Warum also kaufte ein Nerd wie ich vor einer Dekade so eine Nerd-Platte? 40GB, der Wahnsinn! Kein normaler Mensch wollte damals solche Datenmengen rumschleppen!

Normale Menschen nicht … ich mache auch Musik. Und in der Frühzeit der Digitalisierung der Volksmusik hatte ich einen Linux-Rechner – damals musste man sich richtig, richtig auskennen um einen Linux-Rechner betreiben zu können – den ich mit Kernel-Patches und aufwändiger manueller Konfiguration in diversen Konfigurationsdateien zu einer damals sehr respektablen Multitrack-Recording-Maschiene aufgemotzt hatte. Der ist heute noch in Betrieb.

Da muss ich kurz abschweifen: „Volksmusik“, das ist es, was ich mit meiner Band mache. Der Begriff hat ja leider ein klein bisserl gelitten. Also Volksmusik ist die Musik, die das Volk so macht. Früher war das Volk zu arm um Instrumente zu besitzen. Darum kommen aus dieser Zeit nur Volkslieder zu uns. Als die Kommerzialisierung der Musik richtig los ging, gab es im Volk schon viele Instrumente. Also mischte das Volk traditionelle Volksmusik mit Rock & Roll und gebar den Schlager. Und mit der Kommerzialisierung blieb das Label Volksmusik daran kleben.

Heute macht das Volk ganz andere Musik. Punk ist sehr verbreitet, weil es relativ einfach zu spielen ist. Dann gibt es einen Haufen Zeug, das sehr laut ist. Da kann man sich wahrscheinlich prächtig abreagieren. Und dann gibt es noch viel Jazz, Elektro und alles mögliche Schräge Zeug. Wir machen ein paar eigene Lieder und sonst alte Volkslieder, die wir in verschiedenen mehr oder weniger modernen Stils neu interpretieren. Wir machen also Volksmusik über ältere Volksmusik.

Zurück zur gepimpten Platte. Also, Meta-Volksmusik mit aufgemotzem Musikaufnahme-Gerät aufnehmen macht viele Daten. Und die müssen ja nach hause getragen werden um dort am nicht minder aufgemotzten Multitrack-Mixer-PC abgemischt zu werden. Was läge da näher, als eine aufgepimpte Platte?