Aus dem Ghetto

Es waren natürlich nicht nur – wie mancher immer noch gerne hinter vorgehaltener Hand zum Besten gibt – die Autobahnen. Nein auch die Ghettos waren offenbar Produkt einer bemerkenswerten Weitsicht. Hier kann man störende Elemente fein säuberlich von den erwünschten separieren, so dass die Unerwünschten die Gesellschaft nicht stören. Die alten Betonplatten-Autobahnen wurden mittlerweile erheblich verbessert. Doch die Ghettos sind gar nicht mehr wieder zu erkennen, so wurden sie verbessert.

Szene 1, In the Ghetto

Die erwünschten Elemente, das sind heute die produktiven. Und alles, was diese Produktivität stört, muss weg. Alte werden zur Kostenminimierung (also zur Senkung der Unproduktivität) möglichst sediert und in Altenheimen aufbewahrt. Behinderte werden in artgerechten Werkstätten gehalten. Akademiker-Kinder werden in Gymnasien auf maximale Produktivität gedrillt, Hauptschüler in ihren ganz eigenen Ghettos auf ihre Karrieren als Harz IV Empfänger oder Kriminelle vorbereitet und die Realschüler im Fegefeuer dazwischen genötigt, gute Mine zum bösen Spiel zu machen.

Kinder stören. Das kann sicher jeder bestätigen, der schon mal eins getroffen hat. Kinder stören so was von. Das Konzept der Ganztagsschule ist unbestritten ein wichtiger Schritt zu einer etwas weniger ungerechten Gesellschaft. Aber es ist auch echt praktisch, dass die kleinen Racker jetzt ganztags in ihrem Ghetto sitzen dürfen.

Da gibt es nur ein kleines Problem. Aus den kleinen Rackern werden irgendwann große, und die sollen dann das Feuer weiter tragen. Unsere freiheitliche Gesellschaft hat aber eine zu geringe Kohärenz, als dass zwei drei Stunden täglicher Kontakt zwischen der Kultur des Bildungsghettos und der des Mainstreams diese beiden Kulturen noch zusammenhalten könnten. Unsere Kultur zerfällt. Der soziale Zusammenhalt zerfällt. Die Gesellschaft zerfällt.

Schnitt, In Utopia

Nun hat die Produktivität, seit sie zum alleinigen Gott erklärt wurde, ja durchaus zugenommen. In der Tat hat sie bemerkenswerte Ausmaße angenommen. Es scheint auch nicht so, als sollte dieser Trend ein baldiges Ende nehmen. Extreme Governing macht zudem einige Vorschläge, die die volkswirtschaftliche Produktivität noch einmal erheblich steigern sollten. Was machen wir dann mit dieser ungeheuren Produktivität? Mehr Dinge aufhäufen? Teurere Dinge aufhäufen? Ich behaupte, genug ist genug. Heute haben auch in Deutschland viele Menschen nicht genug. Doch das ist ein Verteilungsproblem, und auch hier macht Extreme Governing Vorschläge.

Also nehmen wir mal an, wir hätten genug und auch die Verteilung stimmte einigermaßen. Nach der Logik der Werbung, die wohl einen nicht unwesentlichen Einfluss auf unser Streben hat, wäre damit unserem Leben der Sinn genommen. „Genug“ ist das Ende der Geschichte. Doch Werbung haben wir ja glücklicher Weise auch abgeschafft. Und auf dem Weg zu „genug“ haben wir wohl ein, zwei Dinge verloren. Unsere enorme Produktivität würde uns erlauben, diese wieder zu gewinnen. Von diesen verlorenen Dingen halte ich unsere Menschlichkeit für das Wichtigste.

Rückblende

Wir Menschen haben die paar hundert tausend Jahre, die es uns gibt, in kleinen bis mittelgroßen Gruppen zusammengelebt. Zusammen mit Kindern und Alten, nicht mal die Behinderten wurden abgesondert. Den größten Teil dieser Zeit war die Erde sehr dünn besiedelt. Daher war es kein Problem, sich bei Bedarf ab zu sondern. Denn erzwungene Gesellschaft ertragen wir offenbar auch nicht gut. Doch in den letzten paar hundert oder tausend Jahren hat die Besiedlung dramatisch zugenommen. Die Verhältnisse wurden beengt und die erzwungene Gesellschaft zu einem Problem.

Wir haben dieses Problem heute damit gelöst, dass wir die Teile der Gesellschaft absondern, die am meisten stören. Doch nun haben wir erstmals die Ressource, uns die notwendigen Freiräume auf andere Art und Weise zu schaffen. Ich glaube, dass selbst der produktive Teil der Gesellschaft profitieren würde, wenn wir wieder mehr gemeinsam lebten. Vor allem aber sind wir es den Ausgesonderten schuldig, sie wieder auf zu nehmen. Und unsere Gesellschaft könnte ein bisschen mehr Zusammenhalt auch sehr gut brauchen.

Flash-Foreward

Gesamtgesellschaftlich betrachtet sind der wichtigste Teil der Ausgesonderten unsere Kinder, unsere Zukunft. Daher habe ich in Extreme Governing vorgeschlagen, zunächst unsere Kinder wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Doch das gilt natürlich für alle Ausgesonderten. Kinder könnten mit ihren Lehrern in die Betriebe kommen. Die Menschen, die dort arbeiten, würden den Kindern erklären, was sie tun. Manches könnte den Kindern dort direkt beigebracht werden. Anderes könnte separat in Konferenz- bzw. Lehr-Räumen von den Lehrern vermittelt werden. Das würde unter anderem auch endlich die berechtigte immer wieder kehrende Frage der Kinder klären, warum sie bestimmte Sachen lernen sollen.

Dazu wären ein paar Dinge nötig. Das Betreuungsverhältnis müsste verbessert werden. Das ist evtl. schon durch die Beteiligung der in den Betrieben Beschäftigten möglich. In vielen Betrieben müssten die Sicherheitsvorkehrungen weiter erhöht werden. Es ist wohl nicht wünschenswert, dass beliebig kleine Kinder in beliebig gefährlichen Betrieben hospitieren. Doch grundsätzlich ist ein Arbeitsumfeld sehr wünschenswert, das selbst für Kinder weitgehend ungefährlich ist.

Vor allem jedoch müssten die in den Betrieben Beschäftigten einen Teil ihrer Zeit für die Kinder (und gegebenenfalls andere heute Ausgestoßene) opfern. Und das bringt augenscheinlich einen Verlust der Produktivität mit sich. Wenn man die Zeit, die die Beschäftigten sich mit anderen Dingen als ihrer Arbeit abgeben, als Arbeitszeit anrechnet, trifft das in der Tat zu. Doch das muss man ja nicht. Was die Produktivität allerdings tatsächlich etwas senkt sind die deutlich höheren Sicherheitsanforderungen an das Arbeitsumfeld.

Andere Voraussetzungen werden durch weitere Aspekte von Extreme Governing abgedeckt. Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist die Transparenz der Betriebe. Die hier vorgetragene Vision würde heute schon an den Betriebsgeheimnissen scheitern. Doch die gibt es mit Extreme Governing nicht mehr. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Abschaffung der Werbung. Heute können sich große Unternehmen praktisch jede Schweinerei erlauben. Durch finanziell gut ausgestattetes Marketing lässt sich fast alles wieder gerade biegen. Doch ohne dieses, müssten Betriebe sehr auf ihr Ansehen achten. Da wäre eine soziale Vision, wie die hier vorgetragene, viel eher um zu setzen. Die Einbindung der Beschäftigten in die Bildung und Erziehung der Kinder, sowie in soziale Interaktion mit anderen heute Ausgesonderten, wäre unter Extreme Governing ganz einfach möglich. Denn Extreme Governing macht jeden zu einem Teil des Staates und so kann sich auch jeder einen kleinen Teil seiner Zeit als Lehrer oder Pfleger einsetzen.

Epilog

Es lässt sich heute schon beobachten, dass in bestimmten Berufen Privatleben und Beruf verschwimmen. Immer mehr Menschen arbeiten im Home Office. Noch viel mehr sind ständig an ihre Kommunikations-Kanäle angeschlossen und praktisch immer irgendwie im Einsatz. Ich finde diese Entwicklung offenbar eigentlich gar nicht so schlecht. Doch der fatale Fehler, den wir dabei machen, ist, dass wir der Arbeit in der Regel unbedingten Vorrang einräumen. Ich schlage vor, dem sozialen Vorrang einzuräumen.

Dies ist ein Plädoyer für eine noch viel weiter gehende Verschmelzung von Arbeit und sozialem Leben. Wir werden immer produktiver. Somit müssen wir für die Erfüllung unserer Bedürfnisse weniger Zeit aufwenden. Diese gewonnene Zeit sollten wir dafür einsetzen, wieder menschlicher zu werden. Das heißt vor allem, dass das Arbeitsumfeld menschlicher werden muss. Die vermeintliche Arbeitszeit könnte in etwa gleich bleiben, doch soziale Aspekte nehmen mehr und mehr Einzug in die Arbeitswelt. Wir sollten den ungeheuren Reichtum unserer Gesellschaft nicht nur in Dingen anlegen. Wir sollten auch bisschen für die Menschlichkeit abzweigen.

Software Marktwirtschaft ohne Copyright

Es gibt viele Argumente, das Copyright für Software ab zu schaffen. Das mit Abstand wichtigste Argument gegen diese Freigabe lautet in etwa: Dann würde kaum mehr innovative Software entwickelt und für viele Nieschen-Märkte gäbe es gar nichts mehr. Manche Leute führen gar an, dass es dann ja überhaupt keine professionelle Software gäbe. In diesem Artikel versuche ich diese Argumente zu entkräften. Diese Diskussion ist leider sehr fachspezifisch. Aber ihre Implikationen betreffen jedes Mitglied einer Informationsgesellschaft. Tatsächlich ist es eine Diskussion über Freiheit, Transparenz, Solidarität und vor allem Macht-Konzentration. Auch wenn Sie kein IT-Fachmann sind: halten Sie durch.

Verantwortungskultur

Es gibt nach wie vor viele Vorbehalte gegen den professionellen Einsatz freier Software, auch und gerade von IT-Fachleuten. Meiner Erfahrung nach wurzeln diese Vorbehalte aber nicht in Erfahrung mit der Qualität freier Software oder dem Support für diese. Es gibt bei professioneller Software derartig viele Beispiele katastrophaler Qualität und nicht vorhandenen Supports, und bei freier Software so viele gegenteilige Beispiele, dass man derartige Begründungen getrost als vorgeschoben betrachten darf. Derartige Vorbehalte sind schlicht Teil unserer Wirtschafts-Kultur.

Wenn ein Mitarbeiter für seine Firma etwas benötigt, organisiert er ein professionelles Produkt oder einen professionellen Service. Tut er das und es geht etwas schief, ist der Anbieter des Produktes oder Services gegenüber der Firma verantwortlich. Organisiert der Mitarbeiter ein nicht-professionelles Produkt oder eine nicht professionelle Dienstleistung, ist der Mitarbeiter verantwortlich, wenn etwas schief geht.

Hier sind zwei Dinge wichtig: Verantwortung und Professionalität. Mitarbeiter sind oft nicht bereit, Verantwortung für ein überlegenes Produkt zu übernehmen, wenn sie mit einem unterlegenen ihren Job erledigen und sich aus der Verantwortung stehlen können. Das ist völlig verständlich, denn bei IT-Lösungen gibt es praktisch immer Probleme. Wieso sollte man sich unnötig Probleme aufhalsen? Glücklicher Weise führt die in vielen Feldern ausgeprägte Überlegenheit freier Software verbunden mit ihren auf der Hand liegenden geringeren Investitionskosten immer öfter zu professionellem Einsatz freier Software. Dadurch etablieren sich immer mehr professionelle Service-Dienstleister für freie Software und auch professionelle Entwicklungen nehmen zu. Die wirtschaftliche Bedeutung freier Software hat sich massiv gewandelt und der Wandel ist lange nicht abgeschlossen. Die Unkenrufe über angebliche Unprofessionalität werden also bald von allein verstummen, unsere Wirtschafts-Kultur diesen Wandel vollenden.

Service & Anpassung

Wenn man sich den heutigen professionellen Markt freier Software betrachtet, überwiegen zwei Geschäftsmodelle. Viele Unternehmen entwickeln ein Produkt (z.B. ein Programm). Sie verkaufen dann Service-Leistungen rund um ihr Produkt, entwickeln bezahlte Spezial-Versionen ihres Produktes für Kunden mit speziellen Anforderungen und bieten der Allgemeinheit manchmal erweiterte Funktionen zum Kauf. Eine Andere Gruppe von Unternehmen spezialisiert sich auf bestimmte Problemkreise – z.B. e-commerce Plattformen oder Geschäftliche Prozesse – und passt komplexe freie Systeme an die Anforderungen des jeweiligen Kunden an. Natürlich bieten auch solche Unternehmen Service für Ihre Lösungen.

Beide Geschäftsmodelle haben Gemeinsamkeiten: eine wichtige Komponente ist immer Software-Service. Mit der Komplexität moderner Systeme ist Service eine Notwendigkeit geworden. Genauso wie kaum noch jemand ein modernes Fahrzeug selbst warten würde, würde kaum noch eine Firma selbst ihre Software warten, selbst wenn sie selbst Entwickler zu ihrem Personal zählt. Professioneller Software-Service wäre auch in einer copyrightlosen Marktwirtschaft zweifellos ein signifikantes Geschäftsfeld.

Wichtiger noch ist aber folgender Faktor: beide Geschäftsmodelle leben (auch) von der Anpassung bestehender freier Lösungen. Man kann offensichtlich nur etwas anpassen, was schon da ist. Da im Laufe der Zeit immer mehr (und komplexere Software) entwickelt wird, wird auch der Fundus immer größer, aus dem Anpassungen entwickelt werden können. Bezüglich der Anpassbarkeit sind freie Lösungen professionellen schon heute in der Regel weit überlegen. Die Ursachen hierfür liegen in Entwicklungsprozessen und kulturellen Hintergründen, ich werde jetzt aber nicht weiter darauf eingehen. Die Frage ist also nur: wird Software-Copyright auf Dauer von alleine Bedeutungslos? Und wenn nicht, hat es dann nicht eine Daseins-Berechtigung?

Virale Freiheit

Ich vermute, sehr langfristig würde Software-Copyright tatsächlich bedeutungslos. RMS wird mit seiner viralen GPL diesen Krieg langfristig gewinnen (die GPL ist eine virale freie Software-Lizenz, die sich immer weiter ausbreitet). Es sei denn Software Patente blieben uns erhalten. Doch die Diskussion dieses volkswirtschaftlichen Wahnsinns, sei anderen überlassen. Hier muss der Verweis genügen, dass maximal Infotags volkswirtschaftlichen Sinn machen könnten. Ein weiteres potentielles Hemmnis für die Verbreitung freier Software ist Software as a Service, doch dazu später mehr.

Wie auch immer, es könnte lange dauern, bis freie Software sich komplett durchsetzt. Denn Unternehmen in marktbeherrschender Stellung werden diese Position immer nutzen um die Weiterentwicklung ihres Marktsegmentes zu verhindern. Microsoft ist es z.B. gelungen, die enorme Innovationskraft des World Wide Web für ein ganzes Jahrzehnt stark zu bremsen. Freie Software würde sich also vermutlich sowieso irgendwann durchsetzen, bis dahin ließe sich aber erheblicher Schaden abwenden, wenn die Abschaffung des Copyrights vorgezogen würde.

Innovation durch Monopole?

Würde somit die Innovationskraft der Softwarebranche beschnitten? Patente gelten gemeinhin als guter Anzeiger der Innovationskraft. Da ist es billig, auf ein paar Beispiele der vorgeblichen Innovationskraft des Marktes zu verweisen. Informativer ist es aber wohl ein paar Beispiele an zu führen, die nicht oder nicht ausschließlich kommerziell entwickelt wurden: Die E-Mail wurde in einem Unternehmen erfunden, allerdings tat der Entwickler es aus eigenem Interesse, entgegen seiner eigentlichen Aufgabenstellung; MP3 ist eine halb-kommerzielle Entwicklung, die aber auf rund hundert Jahre, großen Teils öffentlich finanzierter, psycho-akustischer Forschung zurück geht; Die SMS wurde von einer Behörde (Bundespost) in Kooperation mit einem Unternehmen entwickelt; Das World Wide Web wurde an einer Forschungseinrichtung entwickelt.

In diesen Beispielen, spiegelt sich ein Grund-Thema. Sie zeigen, dass Innovation nicht grundsätzlich  auf Marktwirtschaft angewiesen ist. Aber all diese Beispiele betreffen grundlegende Technologien, was sicher kein Zufall ist. Die Ausgestaltung dieser Technologien geschieht dann doch oft im Rahmen marktwirtschaftlicher Unternehmungen. Während also das Argument der mangelnden Innovationskraft freier Entwicklung relativ leicht zu entkräften ist, ist das mit dem Nieschen-Markt-Argument ungleich schwieriger.

Als roter Faden dieser Erörterung mag folgendes Beispiel dienen: Die automatisierte Spracherkennung ist ein etabliertes Forschungsgebiet an dem sehr viele öffentlich finanzierte Forscher gearbeitet haben. Doch nachdem die (kommerziell viel-versprechenden) Prinzipien erforscht waren, haben kommerzielle Unternehmen die Perfektionierung dieser Verfahren übernommen. Insbesondere haben Unternehmen die Spracherkennung für Diktate von Anwälten und Medizinern optimiert.

Gerade letzteres ist ein perfektes Beispiel für die Vorteile der Marktwirtschaft. Irgendwer hat erkannt, dass sich u.a. bei Anwälten und Medizinern große Einsparungen erzielen lassen, wenn man Diktate automatisieren könnte. Also wurde investiert und so ein Mehrwert geschaffen. Es ist nicht sonderlich naheliegend, dass freie Entwickler aus Spaß oder zur Mehrung des eigenen Ruhms den hohen, großen teils vermutlich stupiden Aufwand zur Bewältigung dieser Aufgabe auf sich genommen hätten – zumal sich Anwälte in Kreisen, die sich freier Software widmen, nicht gerade eines hohen Ansehens erfreuen.

Software als Service

Wie könnte so eine Software also in einer Copyright-losen Gesellschaft entwickelt werden? Eine naheliegende Antwort aus heutiger Perspektive ist: Als Software as a Service. Der Arzt diktiert, die Audio-Daten werden an den Server der Transkriptions-Firma übermittelt und dort in einen Text übersetzt, der wiederum an den Arzt zurück übertragen wird. Für den Arzt gibt es keinen merklichen Unterschied in seinem Arbeitsablauf. Aber die Übersetzungs-Software verlässt nie die Server der Übersetzungsfirma und somit kann sie niemand kopieren.

Aber darf der Arzt, der ja einer Schweigepflicht unterliegt, seine Diagnosen an eine fremde Firma übertragen? Bei freier Software geht es nicht vorrangig um Copyright, sondern offen gelegte Programme. Bei freien Programmen kann jeder (der sich damit auskennt) nachvollziehen, was sie tun. Wenn der Software Service freie Software verwendete, müsste der Arzt keine Bedenken haben. Andernfalls kann er nicht sicher sein, was mit seinen Diagnosen geschieht, auch wenn er sich vielleicht rechtlich absichern kann.

Es zeigt sich also, dass eine Abschaffung des Copyright nicht genügt. Ohne die Forderung der Offenlegung der Software, würden Software-Services die Copyright-Regelungen aushebeln und die wichtige Forderung der Transparenz umgehen. Ist Offenlegung aber gefordert, funktioniert auch Software as a Service nicht mehr zur Vermarktung von Nieschen-Produkten – zumindest nicht mit den überkommenen Formen von Marketing. Diese bestehen darin, Software entweder zu verkaufen oder zu vermieten.

Service als Chance

Doch Software Services bieten hier sehr wohl eine Chance, man muss das Problem nur anders betrachten. Wozu überhaupt Software? Software erlaubt uns zuweilen, Dinge zu tun, die wir ohne sie nicht tun könnten. Doch der bei weitem verbreitere Grund für den wirtschaftlichen Einsatz von Software ist Kostenersparnis. Man möchte menschliche Arbeitskräfte effizienter machen oder sie für bestimmte Aufgaben ersetzen. In diesem Fall besteht die Aufgabe in der Transkription von Diktaten.

Man stelle sich also einen Internet Service für die Transkription von Diktaten vor. Wohlgemerkt, hier geht es um die Finanzierung der Entwicklung von Software. Nehmen wir also an, unser Service verfügt nur über einen frühen Prototypen einer Spracherkennungs-Software, der gerade aus der öffentlichen Forschung abgeleitet wurde. Auch damit ließen sich vor 15 Jahren (in den 1990er Jahren) prinzipiell Kosten gegenüber Diktaten mit menschlichen Sekretären sparen. Allerdings war das eher umständlich. Speziell auf diese Software geschultes Personal wäre aber für unseren Service selbstverständlich. Und so könnte der Diktierservice die gleiche Qualität günstiger bieten als ohne den Einsatz seiner Software.

Gleichzeitig könnte sich der Anbieter vor Nachahmern schützen, da er einen Vorsprung in der Schulung seines Personals hat. Da der Service auch seine Software weiter entwickelt und optimiert, kann er diesen Vorsprung bei entsprechendem Einsatz auch halten. Wenn die Software irgendwann ausgereift ist, schwindet der Vorsprung und das Produkt geht automatisch ins allgemein Gut über.

Eine denkbare Möglichkeit der Abgrenzung gegen die Konkurrenz besteht auch darin, umfassenderen Service an zu bieten. So könnten weitere IT-Bedürfnisse der Kunden – z.B. Arzt-Praxen – in Services ausgegliedert werden. In den Praxen stünden nur noch einfach zu wartende so genannte thin Clients. Der Service-Anbieter pflegt und Administriert die IT-Systeme der Kunden in seiner (des Anbieters) virtualisierten Server Landschaft.

In einem transparenten System würde dies die Sicherheit der Daten der Kunden der Praxen wahrscheinlich eher erhöhen. Denn heute kümmern sich eben oft keine Profis um die Wartung und Sicherung dieser Systeme. Aus Anbietersicht stellt dies einen Schutz gegen Konkurrenz dar, da es natürlich schwieriger ist, einen komplexen rund-um Service zu bieten als sich auf einen Diktier-Service zu beschränken.

Man vergleiche dieses Geschäftsmodell mit heutigen – aus Kundensicht. Heute würde der Prototyp verkauft und Kunden sehen sich über Jahre den Zumutungen von Entwicklungssoftware ausgesetzt, während sich Einsparungen aufgrund des Einsatzes durch ungeschultes Personal in Grenzen halten. Der Hersteller muss viel Kapital vorschießen, da er ein unausgereiftes nicht lukratives Produkt am leben halten muss, bis es sich für alle lohnt. Dann darf er damit weitgehend ohne weitere Leistungen seinerseits Geld drucken.

König Kunde

Im Service-Modell lohnt sich der Einsatz von Anfang an für alle Seiten. Der Hersteller hat gute Einnahmen während der Entwicklung und nicht danach. Kunden bekommen von Anfang an ein ausgereiftes Produkt. Durch die kontinuierliche Entwicklung ist der Preis des Produktes am Anfang hoch (wenn auch dennoch billiger als die herkömmliche Diktiermethode) und sinkt kontinuierlich, bis er am Ende gegen Null geht. Aufgrund der Transparenz des Service Dienstleisters kann durch jeden überprüft werden, ob die Prozesse des Service-Anbieters den Anforderungen an Umgang mit Daten beispielsweise einer Arztpraxis genügen.

Natürlich ist diese Vermarktungsstrategie nicht im Interesse der etablierten Anbieter. Sie verlieren ihre Gelddruck-Monopole. Zudem setzt dieses Modell auch künftige Anbieter einem größeren Konkurrenz-Druck aus als heutige Modelle. Denn im Service Modell kann jeder auf der aktuellen Version der Diktiersoftware aufsetzen und versuchen einen konkurrierenden Service zu etablieren. Im herkömmlichen Modell schützen frühere Investitionen vor Konkurrenz, da ein Vorsprung in der Investition in geschützte Software schwieriger auf zu holen ist als der Vorsprung in der Schulung der Anwendung dieser Software. Das Service-Modell ist also tatsächlich viel Stärker Markt-orientiert als das Monopol-Modell.

Das Service-Modell lässt sich auf viele Anwendungen übertragen, doch bei weitem nicht auf alle. Ich werde noch drei weitere Klassen von Anwendungsentwicklung betrachten.

Geschäfts-Logik

Ein sehr großer Teil der Software-Entwicklung besteht heute darin, Software für die Optimierung von Geschäftsprozessen diverser Firmen an zu passen. Da diese Prozesse so individuell sind wie die Firmen, gibt es hier einen großen Markt. Es gibt drei große Fraktionen, die sich nicht ganz klar trennen lassen, die sich diesen Markt teilen.

Da wären zunächst die Software-Riesen wie SAP und Oracle (vormals Sun, da es hier vor allem um Java geht). Diese haben es geschafft, Software-Ökosysteme von enormer Komplexität zu schaffen. Ein Heer von Beratern, Entwicklern und Dienstleistern lebt davon, diese Systeme an die Anforderungen individueller Firmen an zu passen.

Dann gibt es zahlreiche kleinere Firmen und Freelancer, die das selbe mit unbekannteren, oft innovativen und teils schon freien Technologien tun. Die Kunden dieser Unternehmen sind oft selbst eher kleine und mittlere Unternehmen.

Und schließlich haben viele mittlere und große Unternehmen eigene IT-Abteilungen, die eben diese Aufgaben für sie erfüllen und aus dem Pool der Technologien und Services der ersten beiden Gruppen schöpfen.

All diese Anpassungen wären durch einen Fall des Copyright nicht gefährdet. Problematisch ist augenscheinlich aber die Finanzierung der Weiterentwicklung der Software-Plattformen. Das ist heute die Aufgabe eben dieser Software-Riesen. Doch interessanter Weise sind Java und SAP schon heute weitgehend Open Source. Auch hier also keine unlösbaren Probleme.

Automation

Ich arbeite für eine Firma, die Automationssysteme, Smart Systems, Smart Meters und ähnliches verkauft. Während es auf dem Markt der Gebäudeautomation viele kleinere Anbieter und Projekte gibt, werden Smart Systems (z.B. Automation von Straßenbeleuchtung) und intelligente Zähler meist von sehr großen Firmen und in großen Projekten eingesetzt. Die Leistung der Software-Entwicklung besteht hier heute darin, bestehende Lösungen zu integrieren und an zu passen. Aufgrund der Größe dieser Projekte wäre es möglich, diese Leistungen durch ihren Einsatz in sehr großen Projekten zu finanzieren.

Heute werden Lösungen oft zunächst in kleineren Projekten eingesetzt. Erst, wenn sich die Systeme dort bewähren, werden sie in größerem Maßstab eingesetzt. Dies würde von den Großunternehmen, die solche Projekte umsetzen, langfristige Planungen und Strategien erfordern. Doch ist dies kein Ausschlusskriterium für derartige Finanzierungs-Modelle. Der Schutz gegen die Konkurrenz besteht hier wieder darin, dass auch beim Personal viel Know-How über die Umsetzung derartiger Projekte angehäuft werden muss. Man kann nicht einfach eine Software stehlen und dann damit große Beleuchtungs-Projekte umsetzen. Derartige Software ist im übrigen oft auch an bestimmte Hardware gebunden. Die muss man ja nicht unbedingt an seine Konkurrenz verkaufen.

Allerdings würde sich durch eine Abschaffung des Copyrights vermutlich auch hier der Konkurrenzdruck erhöhen – was ja aus marktwirtschaftlicher Sicht nicht schlecht ist. Es bleibt fest zu halten, dass derartige Großprojekte langfristige Planung und große vorab-Investitionen erfordern. Dies würde möglicher Weise den Markt für derartige Produkte deutlich verändern. Es ist jedoch nicht an zu nehmen, dass Großprojekte der Automatisierungstechnik grundsätzlich durch eine Abschaffung des Copyrights unmöglich gemacht würden.

Klassische freie Software

Eine letzte große Software-Sparte soll nicht verschwiegen werden, obwohl man meinen sollte, dass die hier gemachten Feststellungen mittlerweile Gemeingut sind. Heim-Anwender benötigen bereits heute kaum kommerzielle Software. Ich verwende seit über zehn Jahren fast ausschließlich freie Software und mein Nutzungsumfang sowie meine Ansprüche sind wahrscheinlich eher hoch. Sicher gibt es noch die eine oder andere Nieschenanwendung, die mancher nicht so leicht wird ersetzen können. Aber das sind eher Ausnahmen, die mit dem Fall des Copyrights bald obsolet wären.

Es ist zu erwarten, dass sich die Entwicklungsmodelle klassischer freier Software – die andere sind als die von Software-Riesen wie SAP, die ihre Mammut-Produkte offen gelegt haben – sich auch weiter in die Welt jener Software ausbreiten werden, die vorrangig kommerziell eingesetzt wird. Eine Abschaffung des Copyrights würde diesen Vorgang natürlich beschleunigen.

Ein Sektor der vermutlich unter einer Abschaffung des Copyrights leiden würde, ist Unterhaltungssoftware. Es ist denkbar, dass manche Unterhaltungsfirmen Modelle finden, mit denen sich weiter Geld zur Finanzierung dieser Software-Sparte verdienen lässt. Dies könnten z.B. Services sein, die die Etablierung großer Communities für massive multiplayer games oder ähnliches erlaubt. Auch gibt es freie Unterhaltungs-Software. Diese reicht aber im Gegensatz zur Anwendungssoftware und anderen produktiven Sparten bei weitem nicht an das Niveau der kommerziellen Pendants heran.

Auch hier ist zu erwarten, dass eine Abschaffung des Copyrights freien Produkten zu gute käme. Doch erwarte ich, dass diese Sparte qualitativ ein paar Jahre hinter den heutigen kommerziellen Status Quo zurück fällt. Man mag das bedauern oder nicht. Volkswirtschaftlich ist es bedeutungslos, da diese Software eben keine produktive Bedeutung hat.

Was vom Tage übrig blieb

Es wurde eine mögliche Software-Marktwirtschaft illustriert, die nicht trotz der Abwesenheit von Copyright funktioniert, sondern eine, die gerade deswegen viel marktwirtschaftlicher ist. Gewaltige Kapital-Anhäufungen durch anti-marktwirtschaftliche Monopole würden verhindert. Durch die Einsparung dieser Anhäufungen ergibt sich ein Volkswirtschaftlicher Nutzen – dieses Geld steht dann anderswo zur Verfügung.  Denn Software Giganten waren selten große Innovatoren. Microsoft z.B. hat sich dadurch hervor getan, Konkurrenz zu zerstören und den Fortschritt soweit irgend möglich auf zu halten. Denn der Fortschritt entzieht den etablierten Monopolen oft die Grundlage.

Hier wurden nur einige Beispiele von Software-Entwicklung und ihrer Finanzierung beleuchtet. Es gibt noch viele viele andere, und sicher auch anders geartete, auf die sich die hier illustrierten Beispiele vielleicht nicht übertragen lassen. Man muss sich jedoch einen zentralen Punkt vor Augen halten: Mit Software lässt sich Geld sparen. Ich weigere mich zu glauben, dass sich ohne Copyright keine Wege finden ließen, etwas von diesem Geld für die Entwicklung von Software ab zu zweigen. Ich habe in einigen Beispielen gezeigt, wie es gehen könnte. Wenn es wirklich kein Copyright mehr gäbe, davon bin ich überzeugt, fänden sich kreative Köpfe, die Wege finden, trotzdem Geld zu verdienen. Tatsächlich gibt es ja heute schon reichlich derartige Beispiele, obwohl es Copyright gibt.

Die Feinde freier Software bezeichnen diese oft als Software-Sozialismus. Dabei sind diese Feinde freier Software selbst die Feinde der Marktwirtschaft. Denn sie versuchen Monopole zu errichten und zu verteidigen. Eine Welt ohne Copyright wäre weniger sozialistisch, da sie nicht auf die destruktive Planwirtschaft der siechen Software-Riesen angewiesen wäre. Sie wäre im Gegenteil von einer freieren Wirtschaft, und was wichtiger ist, von freieren Nutzern geprägt.

Pauperozid

Pauperozid bezeichnet den globalen Armenmord, den wir – die Industriegesellschaften – zu verantworten haben.

Zu meiner Verblüffung habe ich fest gestellt, dass Google weder den Begriff „Pauperozid“ noch „pauperocide“ kennt. Um noch mehr vom Elend in der Welt profitieren zu können, reklamiere ich diese Wortschöpfung also hiermit für mich, in der Hoffnung dadurch reich oder wenigstens berühmt zu werden.

Pauperozid bezeichnet den globalen Armenmord. Arme lässt man weltweit verhungern. Z.B. verhungern jährlich 6 Millionen Kinder. Ein Mord ist das, weil wir (die Industriegesellschaften) Entwicklungsländer gezwungen haben – durch Weltbank und Währungsfond – unser System (Marktwirtschaft) zu übernehmen und dieses System nun dazu nutzen lokale selbstversorgende Agrarsysteme wirtschaftlich zu zerstören und lokale Agrarressourcen zu uns zu schaffen. Das Welt-Agrarsystem gäbe genug Ressourcen für 12 Milliarden Menschen her. Die Zahlen (6 Millionen Kinder, genug für 12 Milliarden) entstammen übrigens dem World Food Report der FAO, der Ernährungsorganisation der Uno. Es wär also genug zu essen da, wir enthalten es ihnen nur bewusst vor. Zu Mord gehören noch niedere Motive. Mehr Auto fahren zu wollen (Biodiesel) und das dringende Bedürfnis, mehr Fleisch zu fressen, kann man wohl als solche zählen.

Also liebe Mitmörder. Bei unserem nächsten Mord (in spätestens 5 Sekunden ist ein Kind fällig) nennen wir dieses – das Kind – beim Namen. Es handelt sich um Pauperozid. Wenn ich ein bisschen rechne und die Bevölkerungszahlen der Industrieländer sowie meine Lebenserwartung einbeziehe, komme ich übrigens darauf, dass ein ganzes Kind für mich drauf geht. Da ich eher überdurchschnittlich verdiene und entsprechend Ressourcen verbrate, sind es vielleicht auch zwei oder drei. Sprache formt bekanntlich das Denken und die Steuerung der Sprache ist vermutlichen ein wesentlicher Teil der Misere unserer verkommenen Gesellschaft. Also benennen wir unser Verbrechen. Wir begehen Pauperozid.

Ki is who wi?

Anonymität ist Geschichte. Was wir noch dafür halten ist eine Illusion. Doch diese Illusion ermöglicht vielen erst Ihr soziozides Tun. Die Datenschützer werden so zu ahnungslosen Helfern derer, die unsere Gesellschaft zerstören. Was wir brauchen sind Datenbefreier.

Ich habe diesen Artikel auf Englisch verfasst. Aber Anke Bibusch hat ihn auf Deutsch übersetzt. Vielen Dank! Ankes Version findet sich gleich hier im Anschluss.

Ruling has always been the business of controlling the way information flows through society. The awakening of modern western societies can best be placed in the dark age after the fall of the roman empire. Western culture has drawn significantly from the romans who in turn build their culture after the Greek and so on all the way back to the Mesopotamians in what is now the middle east and the builders of Goseck and similar sites Europe’s cold north. And while we’re at this let’s not forget that Mohammed’s followers were the keepers of western humanity’s knowledge while Europe was a damp and dark land. However, our culture only began absorbing the achievements of its predecessors after it awoke from its slumber with the advent of the renaissance.

In the dark age the church had the monopoly on information. In a world where a short and miserable life was merely an entry ticket to heaven or hell, clergy were the only people to understand what they preached in the language of the fallen empire and they were the only ones who could read and write. They even had considerable control over what went on in their subjects heads. They held the key to eternity and they tortured and killed to maintain this monopoly.

The struggle for freedom was since then for a good part a struggle to bring down the information monopoly. That is why the feather is stronger than the sword and that is why despots have always striven to control information: because once you lost that struggle, you also lost the struggle over people’s actions.

Today the world is ruled by business. Business is a complex system following complex rules – rules of law, rules of psychology and most of all rules of economy. The rule of business probably came about when Calvinists and similar minded protestants established the idea that god cherishes economic success. Like all rulers before (and in parallel like the Nazis, the Stalinists and the Maoists) business seeks to control information. Business‘ instruments for information control are lobbyism, copyright, and most of all commercials.

However, I don’t claim that there is some kind of conspiracy or tyranny of big business. It is just a rule system that can be changed. Its grip on its citizens has become tighter though, with the omnipresence of commercials, the laws of copyright governing information society, the ever expanding influence of big business on party democracy, and its world wide conquest called globalization. Were it not for that small fraction of society, that particular pale and inconspicuous underground tribe, the struggle to break the information monopoly would seem to be a lost cause today. But our heroes have liberated the operating system of information society – the operating system of the information servers and networks.

I don’t believe that this is where it ends. Some projects have already demonstrated how breaking parts of the information monopoly can change our lives. When did you last consult Wikipedia? In olden days I used to consult perpetually outdated and – for many people – unaffordable printed encyclopedias for factual knowledge. In the Web’s infancy I turned to longish queries of Altavista, Metager and Lycos. Google made those queries shorter. And now I just have to browse Wikipedia’s vast commons for up to date facts that beat the hell out of these old beasts that occupied whole boards in our shelves.

This is very useful for me and makes this information available to people who could not afford it in the olden days. This in itself is a huge achievement for information society. Drawing from Wikipedia’s ideas (and indeed a lot more sources) I propose another Web 2.0 project that has the potential to transform society fundamentally – without changing any rules. It is just liberating a certain kind of information, making it available for everybody.

The information to liberate is everybody’s judgement of everybody else, and it works like this: You visit KiIsWhoWi.org (no, it doesn’t exist, it is hypothetical) and search for a person – by name and address, working position, or the 7:30 train where you see him each day. Maybe you have a picture of him on your mobile and search for matching pictures. If you don’t find him, you create a new entry, just as on Wikipedia. And then you can read what other people have written about him. You can read whom he helped or whom he cheated, where he was successful and where he failed. You may even learn about his sexual preferences and performance, whether he farts in company or picks his nose. And you can obviously add your own comments. You cannot modify other’s comments, though.

Since the information is bound to build up considerably, mechanisms are required to rate or modify comments (see Extreme Governing for examples), to merge the person from the train with the ice cream man and Mr. X from Y street n in Z. This is not a technical article though, so let’s assume we have this information at our finger tips.

Horrible idea, isn’t it? Designed to bring out the worst in us. And the best part is: it cannot really be stopped. I don’t think it would be illegal in many countries, and the internet being what it is, it would suffice if it were legal in one country. It is indeed already there, just not in one place and not covering everybody and most importantly not for everybody to read. You find out a lot about some people on social networking platforms. You can find out what they think and how they act in certain contexts if you read their blogs or comments they posted. You can learn about their payment or shipping responsiveness on ebay and so on. Business maintains huge databases with detailed economical transaction data of anybody who uses payback cards. Much of this information is anonymized, but dereferencing the alias is pretty simple in some cases. Business obviously keeps its own share of the information to itself, to maintain the monopoly. If you draw a parallel between the factual knowledge and the mutual judgements, the latter is currently in the pre Alta Vista phase, but some of it is already on record.

So, where does this take us? First of all it is important to note that I’m probably not talking about a vague possibility. KiIsWhoWi will pretty definitely come. What remains to be seen is whether it’ll be .com or .org. I’d prefer .org, but lets first take a look at .com. It is not a global platform yet but it is already much more advanced than its public counterpart. Economic transactions for payback customers, credit ratings for everybody, addresses of everybody, geoscoring (German link, geoscoring means associating your address with your credit-worthyness – no credit if your neighborhood is poor) and so on. The information may not be combined yet, but it is already surprisingly detailed. Once RFID tags become the standard in retail economic transparency will be pretty complete. Business may also strive to gather more private data like the sexual habit thingy. As long as it is of economical relevance, business will care about it.

Should that frighten us? The information will not be available to the public for some time to come. It will be protected by various data protection acts but these laws are occasionally broken. I have no doubt that the information will occasionally be used to deactivate boycott activists or other enemies of business but its main purpose is marketing. Marketing has become a mind boggling propaganda engine that has fundamentally changed public opinion. Very few people still dare to doubt the sanity of western market economy. Mass marketing does one thing: it associates buying with happiness and it has been very successful at this. We seem to be unable to imagine a life without our gadgets, big cars and exotic fruits. This in itself may be debatable. I like my gadgets though and this not the argument I want to discuss here. The real problem is that business is not a good ruler in every respect.

This has far too many facets to discuss here. I’d like to focus on the two most drastic examples. We destroy the biosphere. Ever heard about the sixth extinction? Well, suffice it to say that the other five extinctions occurred over a time span of five hundred million years (i.e. during most of geologically recorded evolution). You may have heard about the fifth extinction – that took out some funny creatures called dinosaurs, ugh well, and a good part of everything else as well. Anyway, I’d prefer to leave the biosphere intact, it is certainly not my intention to destroy it, and I assume most people would wholeheartedly agree to that. Talking of people: while people die it is preposterous to try to save the biosphere on their expense. You may be aware, that lots of cute little more or less brown babies starve all the time (about one every 5 seconds). Now business is not an evil emperor who hates brownish babies because of some sick ideology. It is just not business‘ business to save starving children. There is enough food to feed the world, there is indeed vast over abundance. But I got more money than a couple thousand starving kids combined. So I take that soy and feed it to my pigs. We buy, they die. It’s nothing personal against brown babies, not even intention. They are rather like roadkill. I doubt that posterity will share that nonchalance about the victims of my meat consumption or the destruction of the biosphere, but that judgement is for history to make.

But what does this have to do with KiIsWhoWi.com? Propaganda is essential for maintaining power. Mass marketing has been amply demonstrated to work, and its common message is that you have to buy. You have to work to get money for buying and you have to work to produce goods for others to buy. As long as this meme is governing our thoughts, business‘ power will be secured. The bad ruler will continue to produce roadkill and wastelands. The problem is not buying or working. The problem is that we overrate the importance of economic interests and as a whole make gross decisions.

The alternative to embracing KiIsWhoWi.org is fighting KiIsWhoWi.com. Business has much more resources than most private persons. Business will fight a tough battle using misinformation and manipulation on a large scale (it already does). It will bog down information society in a network of lies, propaganda, and proprietary information. If civil society can indeed stop KiIsWhoWi.com, it can only do so at a very significant cost of slowing down information flow in many many respects. Lots of valuable applications will not be possible if we decide to fight KiIsWhoWi.com – all that will remain of google for example is essentially a search engine.

Let’s now turn to KiIsWhoWe.org. There will be lies on KiIsWhoWe.org. Minorities will be bullied. Celebrities will have a real problem. Stalkers will stalk, intriguers will intrigue and dumb asses will make bad judgements. It will indeed be almost as bad as real life. A soap opera in the form of blog forum posts (wow a novel literary genre!). I find this scenario pretty frightening. But then the nerd in me finds real life pretty frightening. Maybe you are more relaxed about this. However, I don’t see how putting real life’s soap opera on record makes things worse. People (with the possible exemption of the likes of me) are after all pretty good at dealing with real life, with lies, cabal, and stupidity. I do however see how KiIsWhoWi.org could make some things better.

If somebody leaves a comment, that comment will obviously have to link back to the commenter’s page on KiIsWhoWi. You should not be able to post if you don’t have an entry with your real identity. So if the commenter lies, the victim will say so on the commenter’s page. If the commenter is a frequent lier, that will become suspicious fast. Technical helpers will aid us in reaching our personal judgements concerning other’s judgements. I believe that lie and intrigue will become scarcer in that scenario because it is all on record and maintaining these illusions if everybody can view the whole building of lies is much more difficult than telling different lies to different people who will never talk to each other. Even bullying I believe may become harder. Bullying will involve certain patterns in information flow that can be identified. Once such problems are exhibited they are easier to fight. Bullying is a serious problem now and it will likely remain to be that. I doubt that it will be made worse by KiIsWhoWi.org, though.

These arguments, these reasons for which I believe that the bad sides of KiIsWhoWi.org are not so bad after all, are also the reasons for which I believe that it can transform society to a better We. Imagine you are looking for a service. You need a plumber or a used car. You check the plumber’s/used car trader’s KiIsWhoWe.org record and see what other customers had to say. Maintaining a business based on anything else than customer satisfaction, would become real hard. Cheating and socially destructive behavior (including such behavior towards your customers) would become very expensive in the long run. In short business would be forced to do the right thing (TM) instead of maximizing shareholder value.

And this is not even where it ends. Politicians might have to learn to do the right thing as well. Satisfying your lobbyist or winning the next election may not be enough if you have to spoil your KiIsWhoWi entry for that achievement. One of democracies greatest shortcomings is that minority’s rights rely on the majority’s goodwill. If the majority decides to put atomic waste into your back yard, you are out of luck. KiIsWhoWi.org might even help with that. I would not sign a law that makes me mortal enemy of some minority. Not if their hate will be recorded in my KiIsWhoWi.org entry.

Still this is not where it ends. Moral courage, honorary office, all the virtues we value in others are suddenly something that has a very real value. Greed is a very prominent sin today. But I believe that this is not due to human nature. Greed is a natural human inclination which stems from our gatherer ancestry. But the human strive for social status is much stronger. Business uses propaganda to transform the human craving for social status into a craving for economic success. Most of the time we are not told to buy happiness directly but to buy love, respect, and social esteem. KiIsWhoWi.org has the potential to bypass economic success in defining social status. Instead social status is directly measured by ones actions towards other people. This would force us to value each and every life, because roadkilling a single child will not do, it is not something we would tolerate in our record.

At the core of this idea is a fundamental belief I hold about man. KiIsWhoWi.org would actually bring back the way human ethics were meant to be kept in check. I’m rather Darwin’s than Jehovah’s witness, so I believe there is no purpose in things being like they are. But even if you believe that man was created rather recently (geologically speaking), you may concede that man lived in small groups for the better part of our history. In these groups humans looked after each other and they talked about each other. The problem with this was that the restrictive world view of a small community crushed more liberal minds. That danger seems to be banned today – we look back at a long history of breaking information monopolies. With these monopolies fell (among many other things) the belief that free thinkers, colored people, gays and a long line of other somehow different people are inferior to the mainstream. I see no reason why this should revert with KiIsWhoWi.org.

Many of today’s apparent misdemeanors are only possible because we are anonymous in far too many contexts. KiIsWhoWi.org has the potential to change that. The information monopoly that is actually broken is my monopoly concerning certain kinds of information about myself. KiIsWhoWi.org could create a mutual transparency that would make many human vices much more difficult and dangerous to maintain. KiIsWhoWi.org is everybody’s conscience published. I’m not entirely sure how it will change the world, but change it it will.

Reality is much more complicated than this simple image I drew up here to make a point. The connection between my meat consumption and the starved children, that wobble along on my hips, is far too indirect to grant my condemnation on KiIsWhoWe.org. Yet somewhere between my hand reaching into the meat counter and people starving beside Brazil’s soy plantations, there likely is something worth mentioning. It is hard to tell whether all the good I predict would actually happen. It is even harder to tell whether all the bad I said would not happen will indeed not happen. It is impossible to imagine all the good or bad that would emerge that I haven’t even considered, but believing that I have overlooked nothing is pretty pretentious. I strongly believe though that KiIsWhoWi.com is already in the making and that its .org brother would not make things worse than they already are. So why don’t you just start the thing and we see what happens? If it turns out to have been Pandora’s blog we can still try to stuff it back where it came from along whith the contemporary megadeath and mass extinction. I wish us good luck.

Und dasselbe nochmal auf Deutsch. Vielen Dank an Anke Bibusch für die Übersetzung!

Herrschaft war schon immer gleichbedeutend mit der Kontrolle über den Informationsfluss in der Gesellschaft. Der Ursprung von modernen westlichen Gesellschaften kann am besten im Mittelalter nach dem Untergang des Römischen Reiches angenommen werden. Die westliche Kultur lehnt sich zu einem erheblichen Teil an die römische Kultur an, diese wiederum entwickelte sich nach griechischem Vorbild, und so weiter bis zu den Mesopotamiern im heutigen mittleren Osten und den Erbauern von Goseck und ähnlichen Schauplätzen in Europas kaltem Norden. Und wo wir schon dabei sind, sollten wir auch die Anhänger Mohammed`s nicht vergessen, die Hüter des Wissens der westlichen Menschheit zu Zeiten als Europa noch ein feuchtes dunkles Land war. Wie dem auch sei, unsere Kultur hat erst begonnen sich die Errungenschaften ihrer Vorgänger anzueignen nachdem sie mit dem Beginn der Renaissance aus dem Schlummer erwachte.

Im Mittelalter hatte die Kirche das Informationsmonopol. In einer Welt in der das kurze mühselige Leben nur eine Eintrittskarte in den Himmel oder die Hölle bedeutete, waren die Geistlichen die einzigen Menschen die verstanden was sie in der Sprache des untergegangen Reiches predigten, und sie waren die einzigen die lesen und schreiben konnten. Sie hatten sogar erhebliche Kontrolle darüber was in den Köpfen ihrer Gemeindemitglieder vorging. Sie hatten den Schlüssel zur Ewigkeit und haben gefoltert und getötet um dieses Monopol zu behalten.

Der Kampf um Freiheit war seit dem zu einem großen Teil das Bestreben dieses Informationmonopol zu brechen. Deswegen ist die Feder stärker als das Schwert und deswegen haben Despoten es immer angestrebt den Informationsfluss zu kontrollieren: Ist dieser Kampf erst verloren, ist auch der Kampf um die Kontrolle der Handlungen der Menschen verloren.

Heutzutage wird die Welt durch die Wirtschaft regiert. Die Wirtschaft ist ein komplexes System das komplexen Regeln – gesetzlichen Regeln, psychologischen Regeln und am allermeisten den Regeln der Ökonomie – unterliegt. Die Allmacht der Wirtschaft entstand warscheinlich als Calvinisten und ähnlich gesinnte Protestanten die Idee etablierten, dass ökonomischer Erfolg als ein hohes Gut vor Gott anzusehen ist. Wie alle Herrscher zuvor (und parallel dazu die Nazis, die Stalinisten und die Maoisten), versucht die Wirtschaft Informationen zu kontrollieren. Die Instrumentarien der Wirtschaft zur Kontrolle der Informationen sind Lobbyismus, Copyright, und am allermeisten die Werbung.

Trozdem behaupte ich nicht das eine Art Konspiration oder Tyrannei in der Wirtschaft exsistiert. Es handelt sich lediglich um ein Regelsystem das verändert werden kann. Mit der allgegenwärtigen Werbung, den die Informationsgesellschaft bestimmenden Copyright Gesetzen, dem immer größer werdenden Einfluss der Wirtschaftsriesen auf die Parteipolitk und ihrer weltweiten Ausbreitung auch Globalisierung genannt, hat die Wirtschaft die Bürger immer mehr im Griff. Gäbe es diese kleine Fraktion der Gesellschaft nicht, diesen bestimmten blassen und unauffälligen Untergrund Klan, der Kampf das Informations Monopol zu brechen wäre heutzutage aussichtslos. Aber unsere Helden haben das Bediensystem der Informationsgesellschaft – das Betriebssystem der Informations Server und Netzwerke befreit.

Ich glaube nicht das es hier endet. Einige Projekte haben bereits demonstriert, wie das brechen von Teilen des Informations Monopols unser Leben verändern kann. Wann hast Du das letzte mal Wikipedia konsultiert? In alten Zeiten habe ich in ewig überholten und für viele Menschen unerschwinglichen gedrucken Enzyklopädien nach faktischem Wissen gesucht. Als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, habe ich für langwierige Nachforschungen Altavista, Metager und Lycos genutzt. Google hat diese Suchen verkürzt. Und heute brauche ich nur Wikipedias weitverzweigte Kathegorien durchstöbern und finde aktuelle Fakten die den alten Schinken die ganze Regalfächer füllten um Welten überlegen sind.

Das ist sehr nützlich für mich, und die Information wird Menschen zugänglich gemacht, die sie sich früher nicht hätten leisten können. Das ist an sich schon eine große Leistung für eine Informationsgesellschaft. Durch die Idee von Wikipedia (und natürlich einiger anderer Quellen) inspiriert schlage ich ein weiteres Web 2.0 Projekt vor. Dieses Projekt hat das Potential die Gesellschaft grundlegend zu verändern, und das ohne irgendwelche Gesetzesänderungen. Die Idee ist eine bestimmte Art von Informationen für jeden frei zugänglich zu machen.

Die zu veröffentlichende Information ist Jedermanns Urteil über Jedermann, und das geht so: Du besuchst KiIsWhoWi.org (nein, es exsistiert nicht, nur hypothetisch) und suchst nach einer bestimmten Person – mit Name und Adresse, Arbeitsplatz, oder dem 7:30 Zug wo Du ihm jeden Tag begegnest. Vielleicht hast Du ein Foto von ihm auf Deinem Handy, dann suchst Du nach passenden Fotos. Wenn Du ihn nicht findest, erstellst Du einen neuen Eintrag, genau wie bei Wikipedia. Und dann kannst Du lesen was andere Leute über Ihn geschrieben haben. Du kannst lesen wem er geholfen hat, oder wen er betrogen hat, wo er erfolgreich war wo er versagt hat. Du könntest sogar etwas über seine sexuellen Vorlieben und Leistung erfahren, und ob er in Gesellschaft pfurzt oder in der Nase bohrt. Und natürlich kannst Du Deine eigenen Kommentare hinzufügen. Allerdings kannst Du die Einträge anderer nicht verändern.

Da diese Informationen schnell anwachsen werden, sind Mechanismen zur Bewertung oder Veränderung der Kommentare notwendig (siehe z. B. Extreme Governing ), um die Verbindung zwischen der Person aus dem Zug und Herrn X aus Y Strasse n in Z zu knüpfen. In diesem Artikel geht es nicht um technische Details, also angenommen uns stehen diese Informationen zur Verfügung.

Eine scheußliche Vorstellung oder? Erdacht das schlechteste in uns herauszukehren. Und das allerbeste ist, es ist nicht aufzuhalten. Ich glaube nicht das es in vielen Ländern illegal wäre, und mit dem Internet wie es ist, wäre es ausreichend wenn es in nur einem Land legal wäre. Genaugenommen ist alles schon vorhanden, nur nicht zentral an einer Stelle und noch nicht über jeden, und am allerwichtigsten, nicht für jeden zugänglich. Über einige Menschen kannst Du viel auf sozialen Netzwerk Portalen erfahren. Alleine durch das lesen ihrer Blogs oder der Kommentare die sie geposted / geschrieben haben, kannst Du herausfinden was sie denken und wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten. Ihre Zahlungsmoral und Versandtreue kannst Du bei Ebay nachsehen und so weiter. In der Wirtschaft exsistieren riesige Datenbanken mit detaillierten Daten über geschäftliche Transaktionen von allen payback Kartennutzern. Ein Großteil dieser Informationen ist anonym, aber das dechiffrieren des Alias ist in einigen Fällen recht einfach. Um das Monopol nicht zu verlieren behält die Wirtschaft ihren Anteil der Informationen für sich. Wenn Du eine Parallele zwischen faktischem Wissen und den gegenseitigen Beurteilungen ziehst, befinden sich die letzteren in der Vor Alta Vista Phase, obwohl einiges schon zur Verfügung steht.

Und wohin führt uns das? Zunächst ist es wichtig sich klarzumachen, das ich wahrscheinlich nicht über eine vage Möglichkeit spreche. KiIsWhoWi wird höchstwahrscheinlich kommen. Was abzuwarten bleibt ist ob es .com oder .org sein wird. Ich würde .org vorziehen, aber lass uns einen Blick auf .com werfen. Es handelt sich noch nicht um eine globale Plattform, aber es ist bereits viel weiter entwickelt als das öffentliche Gegenstück. Wirtschaftliche Transaktionen von payback Kunden, Kreditwürdigkeitsbeurteilungen für jeden, Adressen von allen, Geoscoring (Geoscoring bedeutet Deine Kreditwürdigkeit anhand von Deiner Adresse zu beurteilen – kein Kredit wenn die Nachbarschaft arm ist) und so weiter. Vielleicht sind die Informationen noch nicht kombiniert, aber sie sind schon erstaunlich detailliert. Sobald RFID Etiketten im Einzelhandel Standard werden, ist die wirtschafliche Tranparenz fast komplett. Die Wirtschaft könnte versuchen auch mehr private Daten wie über sexuelle Vorlieben u.ä. zu sammeln. Solange wie es wirtschaftlich relevant ist, wird sich die Wirtschaft dafür interessieren.

Sollte uns das Angst einjagen? Die Informationen werden für die Öffendlichkeit in absehbarer Zeit nicht zugänglich sein. Sie werden durch verschiedene Datenschutzgesetze geschützt, aber diese Gesetze werden von Zeit zu Zeit gebrochen. Ich habe keinen Zweifel daran das die Informationen ab und zu benutzt werden um Boykott Aktivisten oder andere Gegner der Wirtschaft auszuschalten, aber der Hauptzweck ist Marketing. Marketing ist eine schwindelerregende Propagandamaschine geworden die die öffendliche Meinung fundamental verändert hat. Sehr wenige trauen sich noch die Vernunft der westlichen Marktwirtschaft anzuzweifeln. Marketing für die Massen verbindet den Vorgang des Kaufens mit Glück und war damit sehr erfolgreich. Uns erscheint ein Leben ohne unsere Gerätschaften, große Autos und exotische Früchte unvorstellbar. Darüber alleine kann man schon streiten. Ich mag meine Gerätschaften trozdem und das ist nicht der Punkt den ich hier diskutieren möchte. Das wirkliche Problem ist, das die Wirtschaft in keiner Hinsicht ein guter Herrscher ist.

Das hat mehr Facetten als hier betrachet werden können. Ich möchte mich auf die beiden drastischsten Beispiele konzentrieren. Wir vernichten die Biosphere. Schonmal was von der sechsten Auslöschung gehört? Lass es ausreichend sein, zu sagen, das die anderen fünf Auslöschungen über eine Zeitspanne von fünfhundertmillionen Jahren stattfanden (das heißt wärend der geologisch erforschten Entwicklungsgeschichte). Vielleicht hast Du von der fünften Auslöschung gehört, – die ausser ganz vielen anderen Dingen auch ein paar seltsame Kreaturen genannt Dinosaurier, dahingerafft hat. So oder so, ich würde lieber die Biosphäre intakt lassen, es ist sicher nicht meine Absicht sie zu zerstören. Und ich nehme an die meisten Menschen würden mir hier aus ganzem Herzen zustimmen. Wo wir schon von Menschen sprechen: solange wie Menschen sterben ist es anmaßend zu versuchen die Biosphäre auf ihre Kosten zu retten. Vielleicht ist es Dir bekannt, das ein Haufen süsser kleiner mehr oder weniger brauner Babys die ganze Zeit verhungert. (ungefähr eins alle 5 Sekunden). Nun ist die Wirschaft auch kein böser Monarch der wegen irgendeiner kranken Ideologie farbige Babys hasst. Es gehört einfach nicht zum Geschäft der Wirschaft hungernde Kinder zu retten. Es gibt genug Lebensmittel um die Welt zu ernähren, es gibt sogar weit mehr als genug. Aber ich habe mehr Geld als ein paar tausend hungernde Kinder zusammengenommen. Also nehme ich das Soja und verfüttere es an meine Schweine. Wir kaufen, sie sterben. Das ist nichs persönliches gegen braune Babys, es ist noch nichtmal Absicht. Sie bleiben eher zufällig auf der Strecke. Ich bezweifle das die Nachwelt diese Gleichgültigkeit gegenüber den Opfern meines Fleischkonsums oder der Zerstörung der Biosphäre teilen wird, aber das wird erst die Zukunft zeigen.

Aber was hat das alles mit KiIsWhoWi.com zu tun? Propaganda ist für die Machterhaltung unentbehrlich. Es ist bewiesen, das allgegenwärtige Werbung funktioniert, und die allem innewohnende Botschaft ist, das Du kaufen musst. Du musst Arbeiten um Geld zum kaufen zu verdienen und Du musst Arbeiten um Güter zu produzieren, die andere kaufen. Solange wie dieses Meme unsere Gedanken beherrscht, ist der Wirtschaft ihre Macht sicher. Der böse Herrscher wird weiterhin Wüsten und Leichen produzieren. Das Problem ist auch nicht kaufen oder arbeiten. Das Problem ist, das wir die Wichtigkeit von wirtschaftlichen Interessen überbewerten und insgesamt falsche Entscheidungen treffen.

Die Alternative zu der Entscheidung für KiIsWhoWi.org ist das Bekämpfen von KiIsWhoWi.com. Die Wirtschaft hat mehr Mittel als die meisten Privatpersonen. Die Wirtschaft wird sich durch großangelegte Mißinformation und Manipulation mit allen Mitteln wehren (sie tut es bereits). Sie wird die Informationsgesellschaft in einem Sumpf von Lügen, Propaganda, und geschüzter Information ersticken. Sollte die Zivile Bevölkerung es tatsächlich schaffen KiIsWhoWi.com zu stoppen, ist der erhebliche Preis hierfür, den Informationsfluss in vielerlei Hinsicht zu verlangsamen. Viele wertvolle Anwendungen werden nicht möglich sein wenn wir uns dafür entscheiden KiIsWhoWi.com zu bekämpfen. – alles was zum Beispiel von Google bleibt ist im Grunde eine Suchmaschine.

Wenden wir uns KiIsWhoWi.org, zu. Es wird Lügen bei KiIsWhoWi.org geben. Minderheiten werden belästigt. Berümtheiten werden ein richtiges Problem bekommen. Stalker werden stalken, Intrigisten werden intrigieren und Dummköpfe werden schlechte Beurteilungen schreiben. Es wird sicherlich fast geanuso übel wie das richtige Leben. Eine Seifenoper in Form eines Blog Forum Eintrags. (wow ein neues literarisches Genre!). Ich finde dieses Szenario ziemlich beängstigend. Andererseits findet der Nerd in mir das richtige Leben ziemlich beängstigend. Vielleicht bist Du in dieser Beziehung ja entspannter. Wie auch immer, ich sehe nicht wie dadurch das die echte Seifenoper nachgehalten wird, irgendetwas schlimmer wird. Die Menschen (ausgenommen Leute wie ich) kommen alles in allem recht gut mit dem richtigen Leben, mit Lügen, Intrigen und Dummheit zurecht. Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen wie KiIsWhoWi.org einige Dinge verbessern könnte.

Wenn jemand einen Kommentar hinterlässt, hat dieser Kommentar natürlich einen Link zur KiIsWhoWi Seite des Kommentators. Du solltest nicht in der Lage sein Einträge vorzunehmen wenn Du selber keinen Eintrag mit Deiner echten Identität besitzt. Wenn nun der Kommentator gelogen hat, wird das Opfer das auf der Seite des Kommentators vermerken. Ist der Kommentator ein regelmäßiger Lügner, wird er schnell verdächtig werden. Technische Hilfsmittel werden uns dabei unterstützen, uns unsere persönliche Meinung über die Beurteilungen von anderen zu bilden. Ich glaube Lügen und Intrigen werden weniger werden, da ja alles nachgehalten wird. Diese Illusionen aufrecht zu erhalten ist deutlich schwieriger wenn jeder das ganze Gerüst ansehen kann als wenn man verschiedenen Menschen die nie miteinander sprechen werden unterschiedliche Lügen erzählt. Ich glaube auch das Belästigen wird schwieriger. Beim Belästigen sind bestimmte Muster im Informationsfluss feststellbar die Identifiziert werden können. Sobald solche Probleme öffentlich sind, werden sie leichter zu bekämpfen. Belästigungen sind heute ein ernstes Problem und werden es wahrscheinlich bleiben. Ich bezweifle jedoch das es durch KiIsWhoWi.org schlimmer wird.

Diese Argumente, diese Gründe weswegen ich glaube, das die schlechten Seiten von KiIsWhoWi.org vielleicht doch nicht so schlecht sind, sind auch die Gründe weswegen ich glaube das es die Gesellschaft in ein besseres Wir verwandeln kann. Stell Dir vor Du benötigst eine Dienstleistung. Du brauchst einen Klemptner oder ein gebrauchtes Auto. Du schaust die KiIsWhoWe.org Klempner/ Gebrauchtwagenhändler Einträge an und kannst lesen was andere Kunden zu sagen hatten. Ein Geschäft das nicht auf Kundenzufriedenheit basiert aufrecht zu erhalten wird sehr schwierig werden. Betrug und sozial destruktives Verhalten (einschließlich solchem Verhalten gegenüber Deinen Kunden) würde langfristig teuer werden. Kurz gesagt, die Wirtschaft wird gezwungen, anstelle der Maximierung des Aktienwertes, das Richtige zu tun. (TM)

Und hier hört es nicht auf. Politiker könnten ebenfalls lernen das Richtige zu tun. Ein zufriedener Lobbyist oder das Gewinnen der nächsten Wahl könnten es nicht wert sein, dafür seinen KiIsWhoWi Eintrag zu verderben. Eine der größten Schwachstellen von Demokratien ist das die Rechte der Minderheit von dem guten Willen der Mehrheit abhängig sind. Wenn die Mehrheit entscheidet Atommüll in Deinem Hinterhof zu lagern, hast Du Pech gehabt. KiIsWhoWi.org könnte hier auch helfen. Ich würde kein Gesetz unterzeichnen, wenn es mich zum Totfeind von irgendeiner Minderheit macht. Nicht wenn sich ihr Hass auf meinem KiIsWhoWi.org Eintrag wiederspiegelt.

Hier ist immer noch nicht Schluss. Moral, Courage, Ehrenämter, all diese Tugenden die wir in anderen schätzen haben plötzlich einen sehr realen Wert. Gier ist heutzutage eine weitverbreitete Sünde. Aber ich glaube nicht das das in der Natur des Menschen liegt. Gier ist nur eine natürliche Neigung, die aus unserer Sammler Abstammung herrührt. Aber das Menschliche Streben nach sozialem Status ist viel stärker. Die Wirtschaft benutzt Propaganda um das menschliche Streben nach sozialem Status in ein Streben nach wirtschaftlichem Erfolg umzuwandeln. Meistens wird uns nicht erzählt direkt Glück zu kaufen, sondern Liebe, Respekt und soziale Anerkennung. KiIsWhoWi.org hat das Potential bei der Definition von sozialem Status den wirtschaftlichen Erfolg auszuklammern. Stattdessen wird sozialer Status direkt durch das eigene Verhalten gegenüber anderen Menschen gemessen. Das würde uns zwingen jedes einzelne Leben wertzuschätzen, weil es nicht zu tolerieren ist, wenn in unserem Eintrag steht, das wegen uns auch nur ein Kind auf der Strecke bleibt.

Mein fundamentaler Glaube über die Menschheit ist der Kern dieser Idee. KiIsWhoWi.org würde die Art wie menschliche Ethik kontrolliert werden sollte zurückbringen. Ich bin lieber ein Anhänger von Darwin`s Theorie als Jehovah`s Zeuge, also glaube ich nicht an einen tieferen Sinn in den Dingen wie sie sind. Aber selbst wenn Du glaubst das die Menschen eher kürzlich (geologisch gesehen) erschaffen wurden, könntest Du zugeben das die Menschen für die meiste Zeit unserer Geschichte in kleinen Gruppen lebten. In diesen Gruppen haben die Menschen aufeinander aufgepasst und übereinander geredet. Das Problem hierbei war das einengende Weltsichten die etwas freieren Denker unterdrückten. Diese Gefahr scheint heute gebannt – wir schauen zurück auf eine lange Geschichte von brechenden Informationmonopolen. Mit diesen Monopolen ist (unter anderem) auch der Glaube das Freidenker, farbige Menschen, Homosexuelle, und eine lange Liste weiterer, irgendwie anderer Menschen, weniger Wert sind als die Allgemeinheit. Ich sehe keinen Grund warum sich das mit KiIsWhoWi.org umkehren sollte.

Viele der heute auftretenden Vergehen sind nur möglich weil wir in zu vielen Kontexten anonym sind. KiIsWhoWi.org hat das Potential das zu ändern. Das Informationsmonopol welches tatsächlich gebrochen wird, ist mein Monopol über bestimmte mich selbst betreffende Daten. KiIsWhoWi.org könnte eine allgemeine Transparenz erschaffen, die es erschweren und gefährlich machen würde sich menschliche Laster zu leisten. KiIsWhoWi.org ist jedermanns Gewissen, veröffentlicht. Ich bin mir nicht wirklich sicher wie es die Welt verändern wird, aber verändern wird es sie.

Die Realität ist viel komplizierter als das einfache Bild das ich hier gezeichnet habe um meinen Standpunkt darzustellen. Die Verbindung zwischen meinem Fleischkonsum und den verhungerten Kindern, die auf meinen Hüften wabbeln ist bei weitem zu indirekt um meine Verdammnis bei KiIsWhoWe.org zu garantieren. Trozdem gibt es zwischen meiner Hand die in die Fleischtheke greift und den Menschen die neben Brasiliens Soja Plantagen verhungen, sicher etwas erwähnenswertes. Es ist schwer zu sagen ob all das Gute das ich vorhersage tatsächlich passieren wird. Es ist noch schwerer zu sagen ob all das Schlechte von dem ich sage es wird nicht passieren, tatsächlich nicht passieren wird. Es ist unmöglich sich all das Gute oder Schlechte das entstehen würde, was ich noch nicht einmal berücksichtigt habe, vorzustellen, aber zu glauben das ich nichts übersehen habe ist ziemlich anmaßend. Ich glaube fest daran das sich KiIsWhoWi.com bereits im Aufbau befindet und der .org Bruder würde nichts schlimmer machen als es jetzt schon ist. Also warum fängst Du nicht einfach an und wir schauen was passiert? Sollte es sich als Pandora’s blog entpuppen, können wir es immer noch zusammen mit zeitgenössischen Megatoten und Massenvernichtung dahin zurückversenken wo es hergekommen ist. Ich wünsche uns viel Glück.