Regelsysteme sind bei weitem die größten Verbesserungen, die wir im Rahmen unseres Zusammenlebens je gemacht haben. Aber sie können nicht ersetzen was die Menschen vorher hatten. Regeln sind eine großartige Ergänzung . Ich glaube sie sind für eine moderne Gesellschaft unverzichtbar. Aber heute sind wir Zeugen des Verfalls der ehemaligen Basis von sozialer Organisation, übrig bleiben nur die Regeln. Das wird nicht reichen.
Was war vor den Gesetzen da? Der einzige Mechanismus um das menschliche Verhalten im Rahmen des sozialen (Klan) Systems zu halten, war sozialer Druck. Menschen sind soziale Tiere und die meisten von uns brauchen Gesellschaft. Man wird seine Kameraden nicht verärgern. So einfach ist das. Obwohl, grundsätzlich steckt mehr dahinter. Es gab mal eine Zeit, wo die Menschen für ihre Taten verantwortlich waren, und von ihres Gleichen für gutes und schlechtes verantwortlich gemacht wurden.
Beides trifft heute in abgeschwächter Form immer noch zu. Ich werde jeden langweilen, wenn ich nochmal versichere, dass sich die Gesellschaft immer mehr atomisiert, wir kennen noch nicht einmal unsere Nachbarn und die meisten Familien bestehen maximal aus vier Personen. Wenn jemand richtig Scheiße baut, ist es einfach in eine andere Stadt zu ziehen. Im Berufsleben (teilweise sogar im privaten Bereich) wird es immer einfacher die Verantwortung auf ein abstraktes Konzept wie den Staat oder die Gesellschaft abzuschieben.
Ich werde trotzdem keine konservativen Hymnen herunterleiern. Ich glaube soziale Kontrolle und Ausgleichsmechanismen sollten wo immer möglich gestärkt werden. Ich glaube persönliche Verantwortlichkeit muss wieder erfunden werden. Aber es sollte in einer neuartigen Form, die für eine moderne Gesellschaft angemessen ist, geschehen.
Thorsten Roggendorf 2009-07-04