Keine Angst

Danger Dan’s Song „Keine Angst“ ist mit tatkräftiger Hilfe des ZDF gerade zu schnellem Ruhm gelangt und wird kontrovers diskutiert. Hier lege ich kurz meinen Eindruck zu dem Stück dar.

Nazis machen ihre Politik immer mit Angst
Mit Hass, mit Terror und roher Militanz

Danger Dan, Keine Angst

Danger Dan sagt es selbst in dem Song, aber das muss noch einmal betont werden: „Nazis machen ihre Politik immer mit Angst“. Hass, Terror und Militanz sind begrenzte Ressourcen, Angst nicht. Angst ist das mit Abstand wichtigste Machtmittel aller faschistischen und faschistoiden Regimes.

Titel und Refrain des Songs sind „Keine Angst“. Inhaltlich geht es (abgesehen von der ersten Strophe) darum, Nazis Angst zu machen, Angst geoutet zu werden, Angst verprügelt zu werden:

Liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk

Danger Dan, Keine Angst

Diese letzte Zeile (vor dem Schlussrefrain) des Liedes ist die Zeile, welche die schärfste Kritik hervorgerufen hat. Sie kann als Bezug auf eine antifaschistische Gruppierung gelesen werden, die mehrfacher schwerer Körperverletzung gegen mutmaßliche Nazis beschuldigt wird. Der Song eskaliert also Einschüchterung gegen Nazis bis zum Schlussakkord, einer verdeckten Androhung schwerer körperlicher Gewalt.

Ich halte Danger Dan für einen Künstler von Rang, keinesfalls aber für einen Dummkopf. Diese selbstreferentielle Ironie seines eigenen Werkes wird ihm kaum entgangen sein – obwohl einem schon Zweifel daran kommen können wenn mensch mit Antifaschist:innen marschiert (sic!), die in faschistischer Manier Nazis-entmenschlichende Slogans gröhlen. Und schon andere Kritiker:innen stellten die offensichtliche Frage, wie sehr sich die mittlerweile in vielen Gegenden völlig offen auftretenden Nazis – die oft auch noch eine große lokale Mehrheit hinter sich wissen – wohl noch vor Outing fürchten.

Doch die Intention des Künstlers ist für die Bewertung eines Kunstwerkes nachrangig: „Keine Angst“ spielt mit Angst und Einschüchterung als Machtmittel, dreht des Spieß um, den Nazischläger traditionell auf Antifaschisten richten und stellt der Hörer:in durchgängig die Frage: ist das okay? Wie weit würde ich gehen? Genau diese Fragen haben ich in den 24 Stunden, die ich das Stück kenne, nun schon zwei mal geführt.

Und das ist ein Zeugnis der großen Kraft des Kunstwerks und Zeitdokuments „Keine Angst“.

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