Arschlochfreie Zone

Eine Diskussion, die die Ziele und Hintergründe von KiIsWhoWi verdeutlicht.

Ich marodierte so durchs Netz, da animierte mich ein Bild zum Klugscheißen. Was folgte war eine wundervolle Diskussion, die relativ knapp einige zentrale Aspekte der KiIsWhoWi Idee verdeutlicht. Diese Diskussion ist unten ungekürzt wiedergegeben. Dank an den anonymen Spender, der mir seine Gedanken für mein Blog geschenkt hat!

Neulich im Netz

Ich: Hach, schön, muss ja jeden ansprechen, der sich für einen Intellektuellen hält. Leider Quatsch. The whole problem with the world is that wir einen Arschlochselektor aus ihr gemacht haben. Und die weisen Arschlöcher sind die schlimmsten.

Er: Der Gefahr, dass man mit solch einem Post als sich im eigenen Lichte sonnender Intellektueller rüberkommt, war ich mir bewusst 🙂

Aber kannst du den „Arschlochselektor“ etwas genauer definieren?

Ich: Das Problem ist nicht, dass Du Dich im eigenen Licht sonnst, sondern dass Du mir in der Sonne stehst 😉

Meine These ist, dass nicht Gier nach Geld, Macht oder was auch immer die meisten Menschen antreibt, sondern „Gier“ nach sozialer Anerkennung. Unsere Gesellschaft bevorzugt in allen öffentlichen Belangen anti-soziales Verhalten. Das wichtigste Maß für soziale Anerkennung ist bei uns Geld und das zu erlangen – vor allem in größeren Mengen – geht i.d.R. leichter antisozial. Das gilt besonders für größere wirtschaftliche Macht. Die Studie über Investment-Banker und Soziopathen kennst Du wahrscheinlich. Politische Macht basiert meist auf Abgrenzung statt Integration (Position deutlich machen), darauf politische Gegner schlecht zu machen (völlig unabhängig davon ob sie gerade etwas Vernünftiges sagen oder tun) und politisch Gleichgesinnte zu benutzen oder auszuschalten. Das durchzieht unsere ganze Gesellschaft.

Und gleich noch Klarstellung, weil das sonst falsch verstanden werden muss: Ich finde Wettbewerb prima. Nur sind unsere Erfolgsmaßstäbe beschissen.

Er: Hm, ich glaube nicht, das „wir“ die Welt erst dazu gemacht haben. Gier oder – dezenter ausgedrückt – der Wunsch nach sozialer Anerkennung in welcher Ausprägung auch immer war meiner Meinung nach immer schon Antrieb der Menschheit. In den afrikanischen Steppen war das nur in kleinem Maßstab möglich, heute geht das global und mit ungleich größeren Auswirkungen auf Andere. Der Wunsch nach sozialer Anerkennung spiegelt sich im Kleinen nicht zuletzt auch in den +1-Buttons in sozialen Netzwerken wider.

Dazu passt ein anderes Zitat: wir müssen die Menschen nehmen, wie sie sind. Es gibt keine anderen.

Ich: Ja, da stimme ich voll zu. Aber wir können die Maßstäbe des Erfolgs ändern. Nicht, dass das leicht wäre …

Er: Das kann jeder nur für sich selbst machen und hoffen, dass er nicht allein bleibt damit. Eine Eskalation, wie wir sie derzeit erleben, kann sogar hilfreich sein, viele dazu zu veranlassen, ihre Maßstäbe zu überdenken.

Ich: Nein, das kann nicht jeder nur für sich allein tun. Wie Du richtig festgestellt hast, spielt heute der +1 Button eine nicht unwesentliche Rolle. Das war früher nicht so, das ist eine Änderung der Maßstäbe und die habe ich nicht für mich selbst gemacht.

Er: Die hast du nicht gemacht, aber du kannst sie nutzen oder eben nicht. Du kannst für dich selbst entscheiden, was dir als Maßstab für den „Wert“ anderer Menschen wichtig ist und sie danach beurteilen.

Ich: Na, da überschätzt Du das Individuum glaube ich etwas. Ich vermute die aktuelle Ausgestaltung der gesellschaftlichen Erfolgsmaßstäbe geht wesentlich auf den Calvinismus zurück. Das Internet gibt uns die Chance, neue Maßstäbe zu etablieren, tatsächlich geschieht das bereits. Natürlich geschieht es wieder einmal nicht bewusst. Mal schaun, was diesmal daraus wird.

Er: Ich habe keine hohe Meinung vom Individuum. Aber wer sagt denn, dass meine Maßstäbe die global seeligmachenden sind? Wer dürfte denn für alle entscheiden, nach welchen Maßstäben wir leben sollten? Das würde ich eventuell noch Nelson Mandela in die Hand geben, dann wird’s aber schon dünne. Ich kann nur für mich nach den Maßstäben leben, die ich als richtig empfinde. Und die Mitglieder der „Gesellschaft“, in der ich mich bewege, nach Möglichkeit danach aussuchen. Welche anderen Möglichkeiten gäb’s denn noch, darauf Einfluss zu nehmen? Die Macht des Kollektivs im Internet? Die setzt sich auch aus lauter Individuen zusammen.

Ich: Ich find anti-soziales Verhalten doof und scheinbar geht das den meisten Menschen so. Also brauchen wir „nur“ dafür zu sorgen, dass das sehr schwer zu verstecken ist, schön dokumentiert wird und für alle immer fein abrufbar ist.

Er: Und das soll dann diejenigen von unsozialem Verhalten abhalten, denen das jetzt schon am A… vorbei geht? Ich bin ja noch desillusionierter als Du 😉

Ich: Ja soll es. Ich will eine SmartPhone App, die einen hörbaren Alarm auslöst, wenn mir ein Arschloch gegenüber steht (natürlich nach Maßgabe meiner Filtersouveränität). Das dauert noch ein paar Jahre, dann ist das technisch machbar. Und es könnte die Welt verändern.

Er: Die App für die arschlochfreie Zone? Dafür wär‘ ich sogar bereit einen Jailbreak zu machen, falls die im Apple-Zulassungsprozess hängen bleiben sollte!

Danke Angie!

Es gibt sie in jeder Krise, von manchen bewundert, von den meisten verachtet: Krisengewinnler. Danke Angie, dass wir mal probieren dürfen, wie das so ist als Krisengewinnler.

Es gibt sie in jeder Krise, von manchen bewundert, von den meisten verachtet: Krisengewinnler. Danke Angie, dass wir mal probieren dürfen, wie das so ist als Krisengewinnler. Wurd auch langsam unheimlich, im Ausland wurde man schon fast wie ein normaler Mensch behandelt. Selbst manche Franzosen ließen sich schon zu Gesprächen mit Deutschen herab …

Aber unserm Mädchen macht so schnell keiner was vor. Angie kennt nur win, win, win, win, win. Und das geht so:

Wir müssen alle sparen vor allem die faulen Mittelmeeranrainer! Dabei ist völlig egal, ob es für einen Staat Sinn macht, zu sparen wie eine schwäbische Hausfrau. Wichtig ist, dass der Sparterror für Merkels Wähler Sinn macht. Also für schwäbische Hausfrauen. Win!

Und während die Krise ungelöst immer weiter vor sich hindümpelt und mit diversen lebenserhaltenden Maßnahmen verlängert wird, sinken die Finanzierungskosten für unser Land. Kein europäisches Land zahlt weniger Zinsen als Deutschland. Selbst global haben wir eine Ausnahmestellung. Nur zwei Länder, deren Schuldenberge Italien und Griechenland geradezu schwäbisch aussehen lassen, zahlen ähnlich niedrige Zinsen: USA und Japan (siehe hier). Win!

Alldieweil genießen Deutsche Unternehmen bessere Finanzierungskonditionen als die anderer europäischer Länder (wie Lukas Hugl hier versichert). Und so kann die Deutsche Wirtschaft ihre Besitzungen während der Privatisierungsparties in Südeuropa mit ihrer stärkeren Finanzmacht und besserer Finanzierung kräftig ausbauen. Der Osten ist ja schon die Werkbank Deutschlands, jetzt ist der Süden dran. Win!

Natürlich haben wir recht. Wir sind immerhin Deutsch. Und Deutsches Wesen gibt es nur hier im Original. Daher ist es natürlich für alle das Beste, “deutsche Interessen” bzw. deutsche Fiskalpolitik nach und nach auch auf europäischer Ebene durchzusetzen, wie es gerade geschieht. Für höhere Ziele kann man auch mal sogenannte demokratische Regierungen absetzen und durch kompetente Finanzverwalter ersetzen. Win!

Und dann ist da natürlich noch dieser Artikel. Gerade neulich hat unser Mädchen (von wegen Fräuleinwunder …) durch Krawallmacher-Kauder verlautbaren lassen, dass man in Europa wieder Deutsch spricht. Und jetzt merken sogar die Amis: Wir sind wieder wer. Also so richtig. Da sieht Gutti mit seiner neuen Rechtspartei alt aus, die brauch der gar nicht auspacken. Win!

Win, win, win, win, win: Wählersymphatien, Staatsfinanzierung, privatwirtschaftliche Interessen, Germanisierung der europäischen Fiskalpolitik, Nationalbewusstsein. Weiter so Angie, so macht Krise Spaß!

Liebe Karen, lieber Robin

Ein offener Brief an meine Nichte und meinen Neffen über Drogen.

Liebe Karen, lieber Robin, dies ist ein Blog.
Liebe Leser, dies ist ein Brief.

Zunächst kurz an meine Leser

Karen ist meine Nichte, Robin mein Neffe. Dieser „Artikel“ ist ein Brief an sie. Ich war heute auf Robins 18tem Geburtstag. Es passt zwar nicht ganz hier ins Thema, aber da das Thema letztendlich meine versponnenen Gedanken sind, passts dann doch wieder irgendwie. Und da das vielleicht noch wen interessiert und hier nichts Privates kommt, wähle ich als Weg mein Blog hier. Irgendwie ist das hier auch eine Übung in Postprivacy.

Und nun der Brief

Liebe Karen, lieber Robin

Ich habe heute mit Dir, Karen, kurz über Alkohol und Cannabis geredet. Nichts Aufregendes, nur ein paar Sätze nebenbei. Angefangen habe ich – zufällig – aber es wurde deutlich, dass das Thema Drogen für Dich relevant ist. Zuhause ist dann die Erinnerung gekommen. Natürlich ist das Thema in Deinen Alter relevant. Und mir ist noch etwas eingefallen. Als ich 16 war, war alles was ich über Drogen wusste absolut nutzloser, dämlicher Scheiß. Ich hoffe sehr, dass das mittlerweile besser geworden ist. Ich hoffe, dass ihr heute sehr viel besser aufgeklärt werdet als ich damals. Aber falls nicht, wollte ich Euch etwas dazu aufschreiben.

Drogen haben ein Abhängigkeits- (Sucht-) Potential und sie haben bestimmte Wirkungen und „Nebenwirkungen“. Das ist gut zu wissen, genauso wie man über andere Gesundheitsrisiken Bescheid wissen sollte – z.B. Autofahren, Gewichtszunahme und Bewegungsmangel, übermäßige Sonneneinstrahlung auf der Haut … Aber was das Thema Drogen betrifft ist das letztendlich irrelevant. Das ist ein reines Ablenkungsmanöver. Bei Drogen geht es um etwas ganz anderes.

Es gibt Menschen, die sich verlieren. Es gibt tausende Arten sich zu verlieren. Manche werden Workaholics und werden ihre Arbeit. Es gibt Menschen, für die wird Sex zum Lebensinhalt. Immer mehr versinken in diversen Sitzmöbeln vorm Computer, bei Facebook oder World of Warcraft. Routine kann Menschen auffressen, ohne dass man etwas davon sieht. Ja, es gibt auch Menschen, die Opfer von Drogen werden.

Wenn Ihr mal Heroin versucht, ist die Wahrscheinlichkeit extrem hoch, dass Ihr Euch verliert. Wenn Ihr ernsthaft anfangt zu trinken, ist sie ziemlich hoch. Auch dass ist gut zu wissen. Trotzdem spricht absolut nichts dagegen, sich mal zu besaufen. Auch mal zu Kiffen ist nicht der Rede wert. Es ist sogar sehr positiv, eine Routine zu entwickeln und sooo viele werden gar nicht von ihr gefressen. Wichtig ist eins: Was immer ihr tut, gebt auf Euch acht. Verliert Euch nicht.

Euer
Thorsten

p.S.:
Ich wollte den Text so kurz wie möglich halten. Doch jetzt – zwei Tage später – finde ich es fehlt etwas. Eine Erklärung.
Der Mensch ist – zu einem großem Teil – was er tut. Wenn man sehr glücklich ist, lächelt man. Doch reines mechanisches Lächeln macht auch glücklich. Sehr vieles, was wir tun färbt auf uns ab. Nehmt Euch hin und wieder Zeit und überlegt, was Ihr tut. Tut Ihr was ihr sein wollt? Natürlich muss man Kompromisse machen. Aber man darf nicht zu viele machen.

Postjournalismus, Postprivacy

Das Video eines prügelnden Richters – von seiner Tochter, dem Opfer aufgezeichnet – illustriert das Ende der Privatheit und die Anfänge des postkommerziellen Journalismus.

Achtung, dieses Video ist starker Tobak. Es zeigt die Misshandlung eines 16 jährigen Mädchens durch ihren Vater und ihre Mutter. Es zeigt auch einen Richter – den Vater – mit offensichtlich bestürzendem Urteilsvermögen. Das Video ist nicht zuletzt ein Dokument des schleichenden Endes der Privatheit und ein frühes Dokument (es ist von 2004) des postkommerziellen Journalismus.

Postprivacy

In meinem Haushalt gibt es zwei Smartphones mit Audio/Video, es gibt eine klassische Videokamera, einen Fotoapparat mit rudimentärer Videofunktion und bald bekomme ich eine Webcam. Das sind vier vollwärtige Audio/Video Aufzeichnungssysteme und wenn meine Kinder älter werden, werden es wahrscheinlich noch zwei mehr. Das unten verlinkte Video illustriert einen (positiven) Aspekt der so einziehenden Postprivacy: Es wird schwerer Barbarei hinter bürgerlicher Fassade zu verstecken. Wer sich für mehr meiner Gedanken über Postprivacy interessiert, sei auf diesen Artikel verwiesen.
Im zweiten Teil erweitere ich zeitgenössische Postprivacy-Entwürfe um ein juristisch garantiertes Recht auf Pseudonymität.

Postjournalismus

Wenn jeder jederzeit eine Videokamera in der Tasche hat, ändert sich das „Geschäftsfeld“ des Journalismus grundlegend. Ich hoffe es verschwindet komplett. Das Video wurde von der Tochter des Richters aufgezeichnet und (wohl lange nach der Misshandlung) veröffentlicht. Da es das unzulängliche Urteilsvermögen eines Richters dokumentiert, ist es von eminentem öffentlichen Interesse. Es wurde über zahlreiche Blogs und soziale Netzwerke verbreitet. Es gibt jetzt eine offizielle Untersuchung des Falls und der Richter verliert möglicherweise sein Amt. Es handelt sich um eine Straftat, die aber verjährt ist. Mehr Details z.B. hier.

Dies ist ein ziemlich klarer geradliniger Fall. Es gibt ein Dokument, das die komplette Problematik deutlich illustriert, das wurde über die üblichen Kanäle verbreitet, nun ist es öffentlich und Konsequenzen bahnen sich an. Oft besteht Journalismus aber darin, dass viele Fakten zusammengetragen werden. Auch hierfür gibt es Beispiele. Hier habe ich z.B. auf eine Analyse von Cablegate Depeschen durch einen Blogger hingewiesen. Diese Analyse fördert meiner Ansicht nach Erschütterndes zutage.

Die Allgegenwart von Aufzeichnungsmitteln, Twitterern und Suchwerkzeugen wird uns in Zukunft auch deutlich komplexere – und kooperative! – Recherchen und Analysen durch Amateure bringen, zahlreiche Ansätze sind bereits erkennbar. Ich halte das für eine durchweg positive Entwicklung. Hier zeichne ich das Bild eines künftigen freien Journalismus etwas ausführlicher.

Freie Videoschau

Wäre unsere Kultur ohne Urheberrecht verloren? An konkreten Beispielen zeige ich, dass unsere Kultur schon heute keineswegs auf das Urheberrecht angewiesen ist.

Ohne umfangreichen rechtlichen Schutz ihrer Urheber wäre unsere Kultur mehr oder weniger am Ende. Dieser Ansicht ist die breite Mehrheit unserer Bevölkerung. Hier wird an ganz konkreten Beispielen gezeigt, was wir verlören und was wir gewännen wenn wir wie zur Zeit der großen Dichter und Denker (und Komponisten) aufs Urheberrecht verzichteten.

Zunächst ein mal: Unsere Kultur ist gar nicht sooo unglaublich toll. Es gibt auf diesem Planeten tausende anderer Kulturen, die kulturell Großes leisten. Diese anderen Kulturen nutzen das Urheberrecht weniger als wir zur aggressiven Vermarktung und werden folgerichtig nach und nach von uns ausgelöscht. Nur die Größten und Stärksten setzen sich durch, und manchen hilft ein Zufall.

Audio

Das einzige in dem unsere Kultur wohl unübertrefflich ist, ist unsere Arroganz. Noch heute gilt hier beispielsweise das Belcanto als Zenit gesanglicher Virtuosität. Diese Gesangstechnik war unter anderem von der Notwendigkeit geprägt, Opernsäle unverstärkt mit der Stimme zu beschallen und sich dabei gegen ein ganzes Orchester durchzusetzen. Bis heute ist das rhythmische Repertoire klassischer Sänger vergleichsweise primitiv. Sie nutzen von den Ausdrucksmöglichkeiten der Stimme lediglich jenen Bruchteil, der sich in glasklaren lauten Tönen darstellen lässt – eben jenen Teil, der im natürlichen Ausdruck von Menschen die geringste Rolle spielt.

Wer heute nach gesanglicher Virtuosität sucht, der muss weit über unseren Kulturkreis hinausgehen. Einer der größten Gesangsvirtuosen unserer Zeit war der 1997 verstorbene (Sufi) Qawwali-Sänger Nusrat Fateh Ali Khan. Wir haben ihn sogar ordentlich mit Preisen überhäuft. Aber kennen tut ihn natürlich keine Sau. Hier gibt’s ein Video (eigentlich Audio). Ich habe das nach der Zugänglichkeit für westliche Ohren ausgewählt, nicht nach der dokumentierten Virtuosität.

Video

Eigentliches Thema dieses Artikels ist jedoch nicht allgemeines Kultur-Bashing. Ich nehme mir eine Folge der Telepolis Video-Schau, und analysiere einige der verlinkten Videos auf ihren Hintergrund und kulturellen Gehalt. Meine Auswahl ist natürlich davon gelenkt, dass ich demonstrieren möchte, dass freie Kultur eben nicht unterlegen ist. Doch ist die Kritik an kommerziellen Medienerzeugnissen eins zu eins auf die große Mehrzahl kommerzieller Medienerzeugnisse verallgemeinerbar. Und durch die Beschränkung auf genau eine Folge der Telepolis Videoschau verdeutliche ich, dass kulturelle Signifikanz in freien Medienerzeugnissen keine Riesen-Ausnahme sein kann.

Wir starten mit einem kommerziellen Erzeugnis. Stephen Colbert ist ein sehr erfolgreicher US-Komiker. Dies ist ein Ausschnitt aus einer seiner Shows. Er wärmt einen Gag mit Siri, Apples neuem sprachgesteuerten Assistenten im iPhone, auf, der schon vorher erfolgreich von anderem im Netz lanciert wurde. So streicht Colbert ohne großen finanziellen Aufwand (Gag-Autoren) ein paar sichere Lacher ein. Das ganze wird natürlich in einer Professionalität präsentiert, die von Amateuren kaum zu leisten ist.

The Won Ton Soup“ von Boo Ya Pictures ist ein Mischprodukt. Die Firma lebt offenbar vom Dreh kleinerer Projekte – z.B. Musikvideos – das hier besprochene Video wurde aber wohl nicht aus unmittelbaren finanziellen Interessen gedreht. Über die Motive der Macher kann ich nur spekulieren, sie mögen von Leidenschaft getrieben sein, stellen es aber sicher zur Aufmerksamkeitsgenerierung für ihr Geschäft ins Netz. Musikvideos wiederum, von denen Boo Ya Pictures lebt, dienen ebenfalls nur der Aufmerksamkeitsgenerierung. Das Geld kommt für die Musiker hauptsächlich aus Konzerten (wäre also nicht vom Auslaufen des Urheberrechts bedroht) und für die Labels aus Plattenverkäufen. Letzteres hängt am Urheberrecht. The Won Ton Soup zeigt immerhin eine originelle Idee, die recht professionell umgesetzt wird.

Gänzlich frei ist hingegen „I’m the bomb“. Feraz Ozel, der Macher, ist ebenfalls US-Comedian. Doch dieser lebt von seinen Auftritten und nutzt das Video ebenfalls zur Aufmerksamkeitsgenerierung. Das Video ist originell, witzig, gut präsentiert und problematisiert den gallopierenden Antiislamismus – bisher eindeutig das stärkste Video in diesem Review.

Wiederum kommerziell ist „Lord Monckton“ von „The Hamsterwheel“ einer australischen Comedy-Truppe. Das Video unterstellt, dass der bekannte Klima-Skeptiker Lord Monckton in Wahrheit eine von Sascha Baron Cohen geschaffene Kunstfigur ist. Den Machern ist es sogar gelungen, Lord Monckton für ein Interview zu bekommen, in dem der Interviewer so tut, als hätte er es mit dem verkleideten Sascha Baron Cohen zu tun. Ich sage es ungern in diesem Artikel, aber dieses Video ist ein kleiner Geniestreich.

The Gamers von Dead Gentlemen productions scheint ein Hobby-Projekt zu sein, sicher bin ich aber nicht. Das Video ist einigermaßen originell und bietet Einblick in die weithin unbekannte Subkultur der Pen-and-Paper-Rollenspieler. Unterstellt, dass es sich um ein Hobby-Projekt handelt, hat das Video eine sehr ordentliche Qualität. Ich habe es mir übrigens nicht in voller Länge angetan.

Gänzlich kommerziell ist „Angry Birds Seasons Ham’O’Ween“. Es handelt sich um eine Mini-Zeichentrick-Geschichte die als Werbung für das Spiel „Angry Birds“ dient. Die Story ist sturzblöd und die Optik ist von Tim Burton geklaut. Das ganze natürlich auf höchstem technischen Niveau.

Ein völlig anderes Kaliber ist „I live in the Woods“  von Max Winston. Er hat das Video als Student gedreht und es mit einem Stipendium (hinterm Link auf Award winners/alphabetically/W/runterscrollen/Max Winston, ist leider nicht direkt verlinkbar) finanziert. Es kann somit als völlig unabhängig vom Urheberrecht gelten. Das Video besticht durch eigene Optik und Stilistik, rasante Entwicklung und verstörenden Inhalt. Ein Kurzfilm auf höchstem Niveau.

Google steuert auch etwas bei. Aus Street View wird Rail View, nett anzusehen, gut gemacht, Werbung für Google. Ich habe es hier reingenommen, weil es eine (kommerzielle) Doku ist.

So kann ich Googles Beitrag diesem Meisterwerk der Piratenpartei gegenüberstellen. Ich weiß nicht so recht, was sich die Macher dabei gedacht haben. Es soll wohl auch Werbung für die Piraten sein (aber da ist natürlich nichts kommerzielles und mit Urheberrecht hat das absolut nichts zu tun). Ursprünglich war es als Interview mit Fabio Reinhardt gedacht, der soeben für die Piraten ins Berliner Abgeordnetenhaus eingezogen ist. Doch dann kam unverhofft Regine Feldewert dazu und es entspann sich ein Dialog zwischen ihr und Reinhardt. Zur Bewertung dieses Videos sollte man sich klarmachen, dass Olli Dittrich für „Dittsche“ (zurecht) unter zahlreichen Preisen auch den Adolf Grimme Preis erhielt. Regine Feldewert hat etwas, was Dittsche fehlt: Sie ist echt. Das allein macht dieses Video schon absolut sehenswert. Hinzu kommt noch, dass es ausgerechnet von den Piraten lanciert wird, die vor allem für Bürgerbeteiligung und Basisdemokratie stehen. Wie es sich für ein Kulturgut von Rang gehört, eröffnet dieses Video zahlreiche Lesarten:

  • Werbung für die Piraten
  • Anti-Werbung gegen die Piraten
  • Diskreditierung der CDU
  • Bloßstellung und Verachtung der Wähler
  • Schonungslose Transparenz
  • Schlichte Dokumentation
  • Information über die Piraten

Ich nehme es als in jeder Hinsicht absurdes Gesamtkunstwerk.

http://www.youtube.com/watch?v=IPOAXYvs1cw

Wir sind die Bösen

Subventionierter Fisch – effiziente Methoden des Massenmordes und der Umweltzerstörung.

Nicht nur unsere Polizei. Ich auch. Ich habe gestern Fisch gegessen.

Die spanische Fischerei-Industrie wird zu einem Drittel aus Steuergeldern subventioniert. Kommen Sie, kaufen Sie, nehmen Sie zwei Fische und Sie bekommen einen geschenkt! Mit diesen Steuergeldern fahren die schwimmenden Fischfabriken z.B. nach Somalia und fischen dort. Fischen die Fischgründe leer. Denn der failed State Somalia kann sich ja nicht wehren.

In Ermangelung von Fischen wurden aus somalischen Fischern dann Piraten. Das denk ich mir nicht aus, für so kranke Geschichten brauchts uns, keine Märchen. Mittlerweile sind das natürlich üble organisierte Verbrecherbanden (und das piratische Fußvolk, die Ex-Fischer – wahrscheinlich immer noch arme Schweine). Und vor denen lässt sich unsere Fischindustrie dann durch unsere Marine schützen. Das ist wahrscheinlich noch gar nicht in die Subventionen eingerechnet.

Und die Exkunden der Exfischer verrecken inzwischen auf dem somalischen Festland wegen der Jahrhundertdürre. Ja, ja, Jahrhundert-dies Jahrhundert-das, das Jahrhundert ist auch nicht mehr, was es mal war. Liegt an unserem Klimawandel. Also meinem, hab gerade neulich meine Stromrechnung gesehen. War beeindruckt, dafür habe ich bestimmt das eine oder andere somalische Baby geröstet. Nur so nebenbei, die Dürre am Horn von Afrika wurde bereits vor über einem Jahr vorhergesehen. Das große Sterben der Menschen dort hätte mit relativ kleinem Aufwand verhindert werden können, wenn man rechtzeitig gehandelt hätte.

Aber wenn wir überhaupt handeln, dann handeln wir erst wenn wir den Negerkindern endlich im Fernsehen beim Verhungern zuschauen können. Unser Mediensystem ist völlig kaputt (mein Vorschlag: Qualeaktäts Journblogismus). Ist natürlich ganz was anderes, wenn einer dieser verdreckten Neger übers Mittelmeer zu uns will. Ja, dann handeln wir. Dann ist Schluss mit Dürre, dann ist schnell mal mehr Wasser als er händeln kann.

Jean Ziegler ist der Meinung, Kinder verhungern zu lassen, während man überreichlich Nahrung an Schweine verfüttert oder in Autos verbrennt, sei Mord. Ich nenne es Pauperozid. Und der globale Pauperozid mit allein 6 Millionen verhungerten Kindern jährlich macht uns, mein Regime, zum schlimmsten Terrorregime, das je auf diesem Planeten gewütet hat.

Ja, schlimm das mit unserer Polizei.

Wachstum mussnich kannaber

Wie lässt sich die Abhängigkeit unserer Gesellschaft von kräftigem Wirtschaftswachstum brechen? Wie können wir die eigentlichen Ursachen der Finanz- und Schuldenkrisen beheben?

Unsere marode Finanzlage ist nur ein Symptom eines systemischen Fehlers. Wir brauchen mehr Wirtschaftswachstum, als spontan entsteht. Wenn die Politik dies wirklich will, werden wir die aktuelle Krise (Eurokrise Herbst 2011) einigermaßen ungeschoren überstehen. Dazu brauchen wir vor allem paneuropäische Solidarität, denn nur gemeinsam können wir den Marktkräften noch einmal die Stirn bieten. Da es sich aber um einen systemischen Fehler handelt, wird auch dann die nächste Krise nicht lange auf sich warten lassen. Und ob wir die dann auch noch überstehen können ist mindestens fraglich. Wir brauchen eine Lösung für das Problem des zu geringen Wirtschaftswachstums. Ich werde im Folgenden eine Idee einer solchen Lösung erläutern.

Wachstumszwang

Die gegenwärtige Krise ist letztendlich eine Wachstumskrise. Der aktuelle Auslöser, der das Überschuldungsfass zum Überlaufen gebracht hat, war die Subprime Finanzkrise 2008. Diese zwang die Staaten, sehr große Summen auf Kredit in das Finanzsystem zu pumpen. Dies führte zur Überschuldung von Staaten, die – wie Irland – vorher eine Mustergültige Finanzpolitik hatten. Doch andere Länder – die großen Volkswirtschaften Europas und auch die USA und Japan – haben schon seit 40 Jahren kein hinreichendes Wirtschaftswachstum mehr gehabt, ohne dieses auf Staatsrechnung herbei zu subventionieren und somit immer größere Schuldenberge anzuhäufen.

Ich vermute, dass ein Grund für das schwindende Wachstum das Easterlin-Paradox ist: Steigendes Einkommen lässt die Zufriedenheit der Bürger wachsen, doch ab etwa 20.000$ pro Kopf Bruttoinlandsprodukt lässt dieser Effekt stark nach. Offenbar treten ab diesem Punkt andere Dinge in den Vordergrund. Die Menschen wünschen sich mehr Freizeit, bessere Arbeitsbedingungen, Sicherheit usw.. Das Wachstum lässt nach.

Wirtschaftswachstum ist für uns vor allem aus zwei Gründen wichtig: 1. Arbeitsplätze und 2. Investitionen.

  1. Der technische Fortschritt und die fortwährende Optimierung von Unternehmensprozessen erhöhen dauernd die Produktivität. Daher braucht es immer weniger Arbeitskraft um das gleiche herzustellen. Das bedeutet, dass ohne Wirtschaftswachstum die Arbeitslosigkeit steigt.
  2. In einer Marktwirtschaft wird nur in etwas investiert, wenn damit die Erwartung verknüpft ist, dass die Investition gewinnbringend ist. Wenn die Wirtschaft aber nicht wächst sinkt die Gewinnerwartung von Unternehmen. Gesamtwirtschaftlich können Investitionen in einer Gesellschaft mit geringem oder ohne Wirtschaftswachstum nur noch auf die Rendite spekulieren. Im schlimmsten Fall kommt es zu Deflation und Kontraktion der Wirtschaft.

Dynamischer Tarif

Ich habe bereits in einigen Artikeln ein spezielles Tarifgesetz erörtert. Ich halte es für möglich, dass ein solches Verfahren beide Probleme lösen könnte. Einerseits würde es für eine Verteilung der verbleibenden Arbeit sorgen, andererseits ließe sich durch adäquate Anpassung des Tarifs ein Ausgleich zwischen Angestellten und Investoren erreichen, der beide Parteien an der Wertschöpfung partizipieren ließe.

Nach dieser Regel wäre der Stundenlohn abhängig von der Wochenarbeitszeit. Je mehr jemand arbeitet, desto mehr verdient er pro Stunde. Natürlich müsste die Arbeitszeit langfristig und über alle Stellen (wenn jemand mehrere Jobs gleichzeitig hat) gemittelt werden. Auch müsste es einen Ausgleich für die Länge der Ausbildung geben. Etwas genauer ist das hier erläutert.

Verteilung der Arbeit

Dies würde dazu führen, dass die Unternehmen dafür sorgen, dass die zu erledigende Arbeit optimal verteilt würde. Denn die Unternehmen hätten ja ein Interesse, möglichst viele Menschen möglichst wenig zu beschäftigen. Heute ist umgekehrt. Unternehmen versuchen, das optimale Personal zu finden und dies möglichst viel arbeiten zu lassen.

Dieser flexible Tarif ist aber etwas völlig anderes als die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich. Denn der tatsächliche Lohn und die Arbeitszeit wird ja individuell ausgehandelt. Besonders produktive Mitarbeiter würden demnach etwas mehr arbeiten und auch mehr verdienen. Es ist auch anzunehmen, dass Führungspersonal mehr arbeitete und mehr verdiente, denn Führungskräfte arbeiten auch heute im Schnitt mehr als Mitarbeiter ohne Personalverantwortung. Das müsste natürlich nicht so sein, und vielleicht würden Unternehmen das entsprechende Einsparungspotential auch ausschöpfen – was zweifellos im Sinne einer weniger hierarchischen Gesellschaft wäre.

Insgesamt ist allerdings anzunehmen, dass Arbeitnehmer im Schnitt etwas weniger verdienen. Denn es würden ja im Gegensatz zu heute alle Arbeitswilligen in die Arbeitswelt einbezogen. Der heute nur an einen Teil der Arbeitnehmerschaft ausgezahlte Gesamtbetrag würde auf mehr Menschen verteilt werden.

Dadurch, dass Unternehmen zur Kostensenkung jederzeit interessiert wären, neue zusätzliche Mitarbeiter einzustellen, würden sich andererseits zahlreiche positive Effekte für Arbeitnehmer ergeben. Dies ist ein Schwerpunkt dieses Artikels.

Das tatsächliche Lohngefüge hinge von der genauen Gestaltung der Abhängigkeit von Lohn und Arbeitszeit ab. Wenn bei steigernder Arbeitszeit der Stundenlohn zu stark stiege, würden alle Mitarbeiter eines Unternehmens gleich lange arbeiten und gleich viel verdienen, eine Individualisierung gäbe es nicht. Ist der Anstieg zu schwach, tritt der Arbeitsverteilungseffekt nicht ein. Hier muss der richtige Mittelweg gefunden werden. Dies ist die Steigung der Lohnkurve.

Verteilung der Wertschöpfung

Nun kann man auch die Durchschnittshöhe der Lohnkurve ändern. Wenn bei gleicher Arbeitszeit ein höherer Stundenlohn gezahlt wird sinkt die Rendite der Investoren und das Einkommen der Arbeitnehmer steigt. Wenn bei gleicher Arbeitszeit weniger verdient wird verhält es umgekehrt, die Investoren profitieren mehr.

Über diesen Hebel – die Durchschnittshöhe der Lohnkurve – könnte die Investitionsrate ziemlich direkt beeinflusst werden. Die Steigung der Lohnkurve könnte von einer Instanz vergleichbar den Zentralbanken oder von der Regierung festgelegt werden.

Ihre Höhe könnte von der Regierung oder in freier Verhandlung von Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern festgelegt werden. Es ist durchaus auch denkbar, wie heute nach Branchen unterschiedliche Tarife festzulegen. Allerdings müssten anders als heute alle Arbeitsverhältnisse einem derartigen Tarif unterliegen. Auch sollte die Höhe der Lohnkurve einen automatischen Inflationsausgleich enthalten, das heißt sie sollte immer relativ zum Wert eines Warenkorbes ausgedrückt werden. Letzteres würde allerdings erfordern, dass sie auch mal sinken kann, was bei heutigen Tarifen nicht der Fall zu sein scheint.

Krisenresistenz

Wenn nun das Wirtschaftswachstum schwächelt müssten die Höhe der Lohnkurve sinken, entweder durch politische Festlegung oder in wie entsprechenden Verhandlungen bestimmt. Es würde zu keinem Anstieg der Arbeitslosigkeit kommen, allerdings würden die Arbeitnehmer weniger einnehmen und vermutlich müssten auch die Investoren etwas zurückstecken. So ließen sich auch ohne oder mit geringem Wirtschaftswachstum Dividenden hinreichende Renditen erzielen ohne dass dabei die Arbeitslosigkeit zunähme.

KiIsWhoWi Update

KiIsWhoWi Bewertungskategorien werden komplett von den Nutzern festgelegt werden. Die wichtigsten Argumente werden kurz erläutert.

Ich habe mich entschlossen, die Bewertungskategorien von KiIsWhoWi allein von den Usern festlegen zu lassen. Zu verdanken ist dieser komplette Sinneswandel meinerseits Ankes Sturheit, die zurecht auf ihrem Standpunkt beharrte. Hier lege ich kurz die Argumente dar, die mich lange von diesem Schritt abgehalten habe, und jene, die mich letztendlich überzeugt haben.

Contra

Ich habe KiIsWhoWi zwar immer als eigenständiges Projekt gesehen, doch ich habe es auch immer als notwendige Voraussetzung für Extreme Governing gesehen. Und in diesem Zusammenhang hielt ich die vorgegebene Kategorisierung eigentlich für notwendig, denn hierfür ist es wichtig, die Kategorien in Zusammenhang zu bringen. Diesen Zusammenhang nachträglich herzustellen bedeutet einen großen Aufwand, der von mir kaum zu bewältigen ist.

Außerdem stellt die nachträgliche Herstellung dieses Zusammenhangs eine Verzerrung der Ergebnisse dar. Wenn ich dies nachträglich umsetzte würde dies einen Akt der Willkür darstellen, der so von manchen Nutzern sicher nicht akzeptiert würde.

Pro

Die Idee zu KiIsWhoWi ist stark von Wikis inspiriert. Wikis werden bekanntlich von Nutzern gestaltet. Die vorherige Festlegung der Kategorien würde eine zu starke Einschränkung der Gestaltungsmöglichkeiten darstellen. Viele Nutzer würden sich durch das enge Korsett der vorgegebenen Möglichkeit unangenehm eingeschränkt fühlen.

Die Kategorien dienen zunächst dazu, Nutzern einen schnellen übersichtlichen Überblick über die bewertete Person zu geben. Vorgegebene Kategorien würden diesen Nutzen viel zu stark einschränken. Es gibt Dinge, die sich sehr sinnvoll bewerten ließen, sich aber unmöglich in vorgegebene Kategorien gießen lassen. Beispiele hierfür sind tiefgehende Kenntnisse spezieller Systeme, zum Beispiel des Programmcodes von KiIsWhoWi, Kommunikationsfähigkeiten bezüglich spezieller Personen, zum Beispiel „X ist der einzige, der Y folgen kann und auf den Y hört“ (dies ist übrigens auch für Extreme Governing relevant, siehe Ideen zur Außenpolitik), oder besondere Ortskenntnisse, zum Beispiel Kenntnisse einer bestimmten Höhle oder einer bestimmten Stadt. Diese Reihe ließe sich wahrscheinlich länger fortsetzen. All diese nützlichen Informationen auszuschließen ist nicht sinnvoll.

Wenn auch die Nutzer einen Nutzen darin sehen, Kategorien in einen Zusammenhang zu bringen, dann kann man es auch den Nutzern überlassen, diesen Zusammenhang herzustellen. Dies macht das Problem zu einem leicht zu bewältigenden und schließt Willkür meinerseits aus.

Danke Anke.

KiIsWhoWi braucht Deine Hilfe

KiIsWhoWi soll unter anderem die Möglichkeit bieten, beliebige Personen zu bewerten. Ich suche Feedback zu der Frage, nach welchen Kriterien diese Bewertung erfolgen soll, welche Schulfächer quasi benotet werde können.

KiIsWhoWi the
Who is Who Wiki matters because the
Key is who we are.
KiIsWhoWi soll unter anderem die Möglichkeit bieten, beliebige Personen zu bewerten. Ich suche Feedback zu der Frage, nach welchen Kriterien diese Bewertung erfolgen soll, welche Schulfächer quasi benotet werden können.

KiIsWhoWi soll eine nicht-kommerzielle Plattform werden, auf der man Informationen zu beliebigen Personen teilen kann. Mir ist bewusst, dass dies ein sehr kontroverses Projekt wird. Mit dem Für und Wider habe ich mich hier auseinandergesetzt. KiIsWhoWi soll die Möglichkeit bieten, eindeutig identifizierte Personen zu bewerten und beliebig editierbare Kommentare zu ihnen abzugeben. Es wird vorerst keine Diskussions-Threads geben. Man wird zu jeder Person (auch sich selbst) genau einen Kommentar abgeben und diesen immer wieder ändern (oder löschen) können. Missbrauch soll durch ein eingebautes Web-of-Trust eingedämmt werden. Die Entwicklung ist schon relativ weit fortgeschritten, das Projekt könnte in absehbarer Zukunft online gehen.

Die offene Frage ist nun, wie die Bewertung von statten gehen soll. Eine Grundannahme ist, dass Bewertungskriterien in einem Baum organisiert sind. Wer in einem Kriterium gut bewertet ist, hat für dieses Kriterium eine deutlich gewichtigere Stimme bei der Bewertung anderer. Wer in einem ähnlichen Kriterium (ein Zweig am gleichen Ast des Baumes) gut bewertet ist, hat eine etwas gewichtigere Stimme als andere. Als Diskussions-Grundlage stelle ich den Foren-Baum von wer-weiss-was zur Disposition. Ich halte als Ergänzung dazu mindestens moralische und vermutlich auch generelle analytische Kategorien für wichtig.

Es muss aber nicht unbedingt ein Kompetenz-Baum sein. Ein Vorschlag wäre Kriterien frei wählen zu lassen (Nutzer können das „Fach“ selbst frei benennen) und evtl. später zu versuchen, dies zu normieren. Das erzeugt natürlich technische Schwierigkeiten, die sich aber evtl. lösen ließen. Ich bin für alle konstruktiven Vorschläge dankbar.

Wurzelbehandlung der Finanzkrise

Die aktuelle Finanzkrise ist Symptom mehrerer Fehler unseres Gesellschaftssystems. Durch Änderung dieses Systems könnte man auch diese Fehler beheben. Extreme Governing liefert dazu Denkanstöße.

Die Ideen, die zusammen Extreme Governing ausmachen wurden lange vor der Subprime-Krise/Lehmann-Pleite von 2008 entwickelt. Dennoch glaube ich, dass dieses System die fortgesetzten Finanzkrisen verhindern könnte, die wir heute erleben. Um das zu verstehen, muss man die Kette von Gründen verfolgen, die uns in die heutige Misere geführt haben.

Staatsschulden

Die heutige Krise – August 2011 – ist angeblich eine Krise der Überschuldung zahlreicher europäischer Länder und der USA. Glauben wir das erst mal. Extreme Governing ist so ausgelegt, dass der Staat überhaupt keine Finanzen benötigt. Das hat diverse Gründe, der wichtigste ist die Tatsache, dass eine Neugründung innerhalb einer postulierten Mosaikgesellschaft (Panarchie) ziemlich aussichtslos wäre, wenn neue Mitglieder gleich Steuern zusätzlich zu dem aufgebrummt bekämen, was sie noch an ihren siechen Altstaat (z.B. die Bundesrepublik Deutschland) zu zahlen haben.

Extreme Governing will zunächst eine neue transnationale Organisationsform innerhalb der alten nationalen Gebilde sein und sich nach und nach von diesen emanzipieren. Da es weitere Gründe gibt – z.B. halte ich die Erhebung von Steuern grundsätzlich für psychologisch und volkswirtschaftlich kontraproduktiv – macht Extreme Governing aus der Not eine Tugend und operiert komplett ohne Staatsfinanzen. Somit sollte es schon Prinzip-bedingt für einen solchen Staat keine Schuldenfalle geben.

Banken-Bailout

Das ist natürlich eine ziemlich naive Herangehensweise. Die Staatsfinanzen wurden ja nicht aus Prinzip ruiniert sondern durch konkrete Ausgaben, die teilweise als alternativlos verbrämt wurden. Da ist zuvorderst die Banken-“Rettung“ (bzw. Banken-Subvention durch Sozialisierung der Spielschulden) in Folge der Lehmann-Pleite zu nennen. Und auch die gegenwärtige „Rettung“ überschuldeter Euro-Länder ist ja zu wesentlichen Teilen wieder eine „Rettung“ derselben Banken, die diesmal nicht faule Immobilienkredite in ihren Bilanzen haben sonder faule Staatskredite.

Die Banken-“Rettung“ war damals durchgeführt worden, weil die Banken sich mit unsicheren (sogenannten sub-prime) Hypotheken verspekuliert hatten. Dazu konnte es kommen, weil diese Immobilien-Kredite mehrfach geschachtelt in komplexen intransparenten Finanzkonstrukten versteckt waren. In einigen bekannt gewordenen Fällen haben Investoren solche komplexen Derivate konstruiert, diese an ihre Kunden (darunter eben auch Banken, die dadurch von der Pleite bedroht waren) verhökert und dann selbst gegen eben diese Papiere gewettet.

Letzteres – doch auch schon intransparente Finanzkonstrukte an sich – wären unter Extreme Governing gar nicht möglich. Denn hier sind alle Unternehmen völlig transparent. Jeder (!) kann Einsicht in alle Unterlagen und elektronischen Daten jeden Unternehmens nehmen (siehe z.B. hier). Ähnlich, wie Fehler in quelloffenen Computer-Programmen meist von findigen Computerspezialisten aufgestöbert werden, würden die Fehler in solchen teils betrügerischen Finanzkonstrukten von findigen Finanzspezialisten aufgestöbert und veröffentlicht werden. Damit wäre durch Extreme Governing schon die letzte Finanzkrise im Keim erstickt worden, eine Banken-“Rettung“ wäre nicht nötig und die heute am stärksten von der Überschuldung betroffenen Staaten hätten diese Probleme heute (noch) nicht.

Arbeitsmarktförderung

Doch die Subprime-Krise war wohl nur der Tropfen, der das Fass ein wenig früher zum Überlaufen brachte als ohnehin erwartbar war. Denn bereits seit Ende der 70er Jahre steigen in den westlichen Industrienationen die Schulden massiv und ohne Unterbrechung. Immer, wirklich immer, wurde damit argumentiert, dass man die Staatsausgaben gerade jetzt nicht senken könne, weil dies je nach Wirtschaftslage den Boom abwürgen oder die Baisse verschärfen und so Arbeitsplätze kosten würde.

Und zu viele Arbeitslose ruinieren sowohl die Staatsfinanzen als auch die Wahlergebnisse. Gerade letzteres ist in repräsentativen Demokratien das Killerargument schlechthin. Abgesehen davon, dass es unter Extreme Governing keine Wahlergebnisse in diesem kontraproduktiven Sinn gibt – es gibt so etwas wie Wahlen, das läuft aber völlig anders – gibt es dort auch keine Arbeitsplatz-Problematik, wie hier ausführlich erörtert wird.

Der mit Abstand wichtigste Grund für das fortgesetzte Schuldenmachen fällt also weg, wie auch die weniger wichtige aber heute stärker disktutierte Banken-“Rettung“.  Extreme Governing bietet Lösungsansätze auch für die Probleme die uns in den letzten zehn Jahren immer schneller von Krise zu Krise führten.