{"id":365,"date":"2012-02-14T23:21:06","date_gmt":"2012-02-14T22:21:06","guid":{"rendered":"http:\/\/schrotie.de\/?p=365"},"modified":"2015-07-21T13:12:29","modified_gmt":"2015-07-21T12:12:29","slug":"dezentrales-micropayment","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schrotie.de\/index.php\/2012\/02\/dezentrales-micropayment\/","title":{"rendered":"Dezentrales Micropayment"},"content":{"rendered":"<p>Ich stelle in diesem Artikel ein dezentrales Zahlungssystem vor, das sich durch minimale Transaktionskosten auszeichnet. Ein solches System k\u00f6nnte aus diversen Gr\u00fcnden von gro\u00dfer Bedeutung sein. Und wer wei\u00df, vielleicht macht es Dich reich ;-). Die Idee ist in einer Off-Topic Diskussion zu <a href=\"https:\/\/plus.google.com\/102484891814321353019\/posts\/8Yj5aVzkdKS\">diesem Artikel<\/a>\u00a0entstanden wo mir <a href=\" https:\/\/plus.google.com\/110429306324034789948\/posts\">Thomas Honesz<\/a>\u00a0sehr bei der Entwicklung dieser Gedanken geholfen hat. Danke Thomas.<\/p>\n<p align=\"CENTER\"><strong>Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Geld regiert die Welt. Und wer die Zahlungsstr\u00f6me kontrollieren kann, hat fast unbegrenzte Macht \u00fcber alle Projekte, deren Ma\u00dfstab Hobby-Status \u00fcberschreitet. Den Beweis dazu ist die Regierung der USA im Zusammenhang mit <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/WikiLeaks\">WikiLeaks<\/a> angetreten. Nach <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ver%C3%B6ffentlichung_von_Depeschen_US-amerikanischer_Botschaften_durch_WikiLeaks\">Cablegate<\/a> war es f\u00fcr WikiLeaks fast unm\u00f6glich Spenden anzunehmen und das Projekt verschwand erst mal von der Bildfl\u00e4che. Wer sich im Netz f\u00fcr Informationsfreiheit organisieren will, k\u00f6nnte auf ein dezentrales Zahlungssystem angewiesen sein.<\/p>\n<p>Aber auch sonst ist dieses spezielle Problem von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr viele meiner Vorschl\u00e4ge. In meinem <a href=\"http:\/\/schrotie.de\/index.php\/2012\/01\/wider-die-werbung\/\">letzten Artikel<\/a> bin ich zum Beispiel gegen Werbung zu Feld gezogen. Doch Werbung finanziert praktisch die gesamte weiche Infrastruktur unseres Netzes \u2013 genau das habe ich als Argument gegen Werbung verwendet. Doch wenn es keine Werbung g\u00e4be, wie soll das dann finanziert werden? Da ich keine plausible L\u00f6sung hatte, bin ich dem Problem bisher immer ausgewichen.<\/p>\n<p>Das einzige, was mir dazu einf\u00e4llt, ist ein effizientes Micropayment System. Das Problem ist nur, dass es so etwas nicht gibt. Die etablierten Micropaymentsysteme operieren im unteren Euro-Bereich. Um Werbung zu ersetzen braucht man aber den unteren Cent und Subcent-Bereich. Doch daf\u00fcr sind bisher die realen Transaktionskosten viel zu hoch. Das hier er\u00f6rterte System k\u00f6nnte daf\u00fcr eine L\u00f6sung darstellen.<\/p>\n<p align=\"CENTER\"><strong>Kundensicht<\/strong><\/p>\n<p>Der technische Kern der hier vorgeschlagenen L\u00f6sung ist <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bitcoin\">Bitcoin<\/a>. Die Betonung liegt hier auf \u201etechnisch\u201c. Die Nutzer kommen gar nicht mit Bitcoin in Ber\u00fchrung. Bitcoin selbst eignet sich leider (noch?) nicht als allgemeines Zahlungsmittel, da sein Wert bisher starken Schwankungen unterworfen ist und es als Zahlungsmittel kein allgemeines Vertrauen genie\u00dft. Und Vertrauen ist das einzige, was eine W\u00e4hrung auszeichnet. Geld ist nichts als das Vertrauen in seinen Wert.<\/p>\n<p>Aus Nutzersicht w\u00e4ren Preise in seiner W\u00e4hrung ausgezeichnet. Zur Bezahlung m\u00fcsste er lediglich einen Knopf klicken. Er k\u00f6nnte seinen Browser auch so einstellen, dass Kleinstbetr\u00e4ge (z.B. 1\u00a2 und weniger) immer automatisch bezahlt werden, so dass sein Surf-Fluss gar nicht durch Zahlungsvorg\u00e4nge unterbrochen wird. Er w\u00fcrde lediglich mittels einer immer sichtbaren Anzeige \u00fcber seine Ausgaben informiert. Dies lie\u00dfe sich gegebenenfalls auch von Seite zu Seite anpassen. Anbieter k\u00f6nnten Nutzer auch erstmal lesen lassen und erst Geld fordern, wenn ein Angebot l\u00e4nger genutzt, z.B. ein Artikel weiter gelesen wird. Gr\u00f6\u00dfere Ausgaben w\u00fcrden in mehreren Schritten wie z.B. bei Paypal \u00fcblich abgewickelt.<\/p>\n<p>Eine derartig komfortable Zahlungsabwicklung w\u00fcrde eine kleine Browser-Erweiterung erfordern. Ohne diese Erweiterung m\u00fcsste man pro Zahlung eine Web-Adresse eingeben und dann noch die Zahlung best\u00e4tigen oder ein <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bookmarklet\">Bookmarklet<\/a> verwenden &#8211; was evtl. auch Einklick-Bezahlungen erm\u00f6glichen w\u00fcrde, aber keine vollautomatischen.<\/p>\n<p>Um \u00fcberhaupt mit diesem System zahlen zu k\u00f6nnen ist f\u00fcr den Zahler allerdings eine vorherige Anmeldung bei einem Zahlungsdienst seiner Wahl n\u00f6tig. Diese freie Wahl ist die erste Besonderheit des hier vorgeschlagenen Systems. Dazu unten mehr. Man muss sich mit seinem Zahlungsdienst auf eine Zahlungsmodalit\u00e4t einigen. Man kann z.B. vorab 50\u20ac einzahlen (z.B. \u00fcber Paypal, Kreditkarte oder \u00dcberweisung) und dann dieses Budget \u201eabsurfen\u201c, man kann eine Einzugserm\u00e4chtigung erteilen oder monatliche Rechnungen erhalten. Alle Zahlungen an den Zahlungsdienst finden immer in der eigenen W\u00e4hrung statt. Der Wechsel des Zahlungsdienstes stellt kein prinzipielles Problem dar. Potentielle Zahlungsempf\u00e4nger k\u00f6nnen ebenfalls einen Zahlungsdienst f\u00fcr den Zahlungsempfang beauftragen (in der Regel wird dies ein anderer Dienst sein als der des Zahlers), oder er kann die Zahlung selbst in Empfang nehmen.<\/p>\n<p align=\"CENTER\"><strong>Hinter den Kulissen<\/strong><\/p>\n<p>Die Zahlungsdienste \u2013 Bitcoin-Broker \u2013 wickeln die eigentlichen Zahlungen an die Empf\u00e4nger oder ihre Dienste \u00fcber Bitcoin ab. Die Zahlungen bestehen in der \u00dcbertragung von ein paar Bytes und Kosten praktisch nichts. Die Arbeit der Broker besteht darin, daf\u00fcr zu sorgen, immer genug Bitcoins f\u00fcr die Zahlungsabwicklung zu haben. Bitcoin-Broker k\u00f6nnen das Wechselkursrisiko zu Bitcoin ausschlie\u00dfen indem sie den Bitcoin-Bestand im Verh\u00e4ltnis zum Umsatz niedrig halten oder sich mit den \u00fcblichen Finanzinstrumenten gegen das Risiko versichern. Sie k\u00f6nnen von einer geringen Provision leben. Umtauschkosten zwischen den W\u00e4hrungen von Zahler und Zahlungsempf\u00e4nger entfallen komplett.<\/p>\n<p>Der wesentliche Punkt ist, dass die eigentlichen Transaktionen praktisch kostenfrei sind. Der Trick besteht darin, das offene billige Netz f\u00fcr Zahlungen zu verwenden, ohne ein Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen den Transaktionspartnern herstellen zu m\u00fcssen. Signifikante Kosten fallen nur bei den Transaktionen zwischen dem Zahlungsdienst und seinen Kunden statt. Diese Transaktionen b\u00fcndeln aber sehr viele Transaktionen im Web. Zus\u00e4tzlich fallen nat\u00fcrlich laufende Kosten beim Zahlungsdienst an. Dieser muss Server betreiben, Bitcoins kaufen und verkaufen, seine Software warten und seine Kunden betreuen. Mit steigendem Umsatz sinken die Kosten pro Transaktion gegen Null sofern die Kundenbetreuung geringen Aufwand mit sich bringt.<\/p>\n<p>Idealer Weise g\u00e4be es eine freie Software f\u00fcr den Betrieb einer Bitcoin-Brokerage. Des weiteren wird ein Standard-Protokoll f\u00fcr die Zahlungsabwicklung zwischen Empf\u00e4nger und Broker ben\u00f6tigt und eine Standard-Prozedur zur Freischaltung der bezahlten Inhalte. Da die Server-Architekturen sehr vielf\u00e4ltig sind, k\u00f6nnte letzteres sogar den gr\u00f6\u00dften Aufwand erfordern. Und dann werden Browser-Erweiterungen f\u00fcr die \u00fcblichen Browser ben\u00f6tigt um komfortable Bedienung zu erm\u00f6glichen. Wenn all diese Bestandteile des Systems vorhanden w\u00e4ren, k\u00f6nnte vermutlich schon eine Einzelperson einen darauf basierenden Zahlungsdienst betreiben.<\/p>\n<p>F\u00fcr Kunden w\u00e4re dieses System billiger als das Werbefinanzierte, denn bei letzterem muss der Kunde \u00fcber Produktpreise ganze Marketing-Abteilungen und -Unternehmen finanzieren, die erhebliche Kosten verursachen.\u00a0Das Ergebnis w\u00e4re ein Zahlungssystem, das dezentral und also schwer angreifbar ist und welches beliebig kleine Zahlungen zu sehr geringen Kosten erm\u00f6glicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich stelle in diesem Artikel ein dezentrales Zahlungssystem vor, das sich durch minimale Transaktionskosten auszeichnet. Ein solches System k\u00f6nnte aus diversen Gr\u00fcnden von gro\u00dfer Bedeutung sein. 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