{"id":590,"date":"2013-06-08T12:14:55","date_gmt":"2013-06-08T11:14:55","guid":{"rendered":"http:\/\/schrotie.de\/?p=590"},"modified":"2015-07-21T13:22:10","modified_gmt":"2015-07-21T12:22:10","slug":"regierung-mal-anders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schrotie.de\/index.php\/2013\/06\/regierung-mal-anders\/","title":{"rendered":"Regierung mal anders"},"content":{"rendered":"<p id=\"docs-internal-guid-6a266a87-22b0-aada-e8b4-62dc6fc88842\" dir=\"ltr\">In meinem <a href=\"http:\/\/schrotie.de\/index.php\/2013\/05\/woran-ist-unsere-demokratie-gescheitert\/\">letzten Artikel<\/a> habe ich er\u00f6rtert, woran unsere Demokratie gescheitert ist. Was kann man nun daraus lernen? In diesem Artikel stelle ich die Grunds\u00e4tze eines Regierungssystems vor, das die Lehren aus dem Scheitern der Demokratie zieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Woran ist unsere Demokratie gescheitert?<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Doch zun\u00e4chst werden ich diese Lehren hier noch einmal kurz rekapitulieren, Details finden sich im <a href=\"http:\/\/schrotie.de\/index.php\/2013\/05\/woran-ist-unsere-demokratie-gescheitert\/\">besagten Artikel<\/a>. Der Prozess des Interessenausgleichs basiert in der Demokratie auf dem Kuhhandel zur F\u00f6rderung der Karrieren von Berufspolitikern. Dies tr\u00e4gt wesentlich zur Entfremdung der Konstituenten der Demokratie von ihrem politischen System bei. Aufgrund der begrenzten Legislaturperioden ist der Zeithorizont demokratischer Entscheidungen zu kurz um die gro\u00dfen Probleme unserer Zeit zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Diese beiden Faktoren &#8211; Entfremdung und Unf\u00e4higkeit zur L\u00f6sung zentraler Probleme &#8211; haben unsere Demokratie strukturell stark geschw\u00e4cht. W\u00e4hrend die vierte Gewalt &#8211; unser Mediensystem &#8211; mit seinem eigenen Ausverkauf besch\u00e4ftigt war, nutzten m\u00e4chtige Partial-Interessen diese und andere Schw\u00e4chen unseres kr\u00e4nkelnden System, um ihm den Garaus zu machen. Heute k\u00f6nnen wir nur noch die mehr oder weniger unterhaltsame Auff\u00fchrung einer marktkonformen Demokratiesimulation bewundern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Und was kann man daraus lernen?<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Eine Lehre, die man daraus ziehen kann ist, dass wir ein Mediensystem brauchen, das sich nicht so leicht korrumpieren l\u00e4sst. Damit habe ich mich z.B. <a href=\"http:\/\/schrotie.de\/index.php\/2012\/01\/wider-die-werbung\/\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/schrotie.de\/index.php\/2010\/12\/qualeaktats-journblogismus\/\">hier<\/a> besch\u00e4ftigt. Nun geht es um das eigentliche politische System. Dieses muss drei zentrale Forderungen erf\u00fcllen, ohne den Vorteil der repr\u00e4sentativen Demokratie, den Interessenausgleich, aufzugeben.<\/p>\n<ol>\n<li dir=\"ltr\">\n<p dir=\"ltr\">Es muss eine starke Identifikation zwischen Staat und B\u00fcrgern f\u00f6rdern.<\/p>\n<\/li>\n<li dir=\"ltr\">\n<p dir=\"ltr\">Es muss einen langen Zeithorizont f\u00fcr Entscheidungen erlauben.<\/p>\n<\/li>\n<li dir=\"ltr\">\n<p dir=\"ltr\">Es muss extrem Widerstandsf\u00e4hig gegen Unterwanderung durch Partial-Interessen sein.<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Einer f\u00fcr Alle<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Es gibt zahlreiche Faktoren, die uns heute eine Identifikation mit unseren Volksvertretern sehr schwer machen. Das f\u00e4ngt schon damit an, dass es immer sehr viele Beteiligte bei allen Entscheidungen gibt. Theoretisch werden die Entscheidungen vom Parlament mit einigen hundert Abgeordneten getroffen. In der Praxis sind es Dutzende von gesichtslosen Karrieristen, die unsichtbar hinter den Kulissen ebenso unsichtbare F\u00e4den ziehen. Unterdessen sondern im Vordergrund ein paar aalglatte Rhetorik-Profis genau geplante Worth\u00fclsen in feinstem Neusprech ab. Wenn man gezielt versuchte, Identifikation unm\u00f6glich zu machen, k\u00f6nnte man es kaum besser machen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Die tieferen Ursachen f\u00fcr die Unm\u00f6glichkeit der Identifikation sind<\/p>\n<ul>\n<li dir=\"ltr\">\n<p dir=\"ltr\">die Zahl der Beteiligten,<\/p>\n<\/li>\n<li dir=\"ltr\">\n<p dir=\"ltr\">die Intransparenz der eigentlichen Entscheidungsfindung,<\/p>\n<\/li>\n<li dir=\"ltr\">\n<p dir=\"ltr\">die Tatsache, dass die Entscheider keine normalen Menschen sind, sondern mediale Inszenierungen von Profis im Wieder-Gew\u00e4hlt-Werden.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Kompetenz &amp; Motivation<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Ich schlage ein System vor, in dem jede Entscheidung jeweils von wenigen Menschen getroffen wird; In dem die Entscheider keine Profis darin sind, sich vor den Menschen, die sie vertreten, m\u00f6glichst gut zu verkaufen; In dem v\u00f6llig transparent ist, wer die Entscheidung trifft. Das sind optimale Bedingungen f\u00fcr die Identifikation der B\u00fcrger mit ihrem politischen System.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Zun\u00e4chst muss man Menschen finden, die die Entscheidungen treffen sollen. Dazu muss das Grundproblem jedes politischen Systems gel\u00f6st werden, das irgendwie im Sinn seiner Bev\u00f6lkerung handeln soll. Das Problem besteht darin Menschen zu finden, die<\/p>\n<ol>\n<li dir=\"ltr\">\n<p dir=\"ltr\">kompetent sind, die anstehenden Entscheidungen zu treffen und die<\/p>\n<\/li>\n<li dir=\"ltr\">\n<p dir=\"ltr\">motiviert sind, im Interesse der Bev\u00f6lkerung zu entscheiden.<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p dir=\"ltr\">Ich bestreite, dass unser System der Wahl auch nur eine dieser beiden Anforderungen im Fokus hat. Unser System sucht Selbstdarsteller aus, die psychisch relativ stabil sind, sich wenige all zu gro\u00dfe Skandale leisten und die ihre unmittelbare Bed\u00fcrfnisbefriedigung auf die Zeit nach ihrer politischen Karriere verschieben k\u00f6nnen &#8211; unser System ist v\u00f6llig korrupt, aber die Auszahlung findet meist erst nach Niederlegung der \u00c4mter statt. Tony Blair, Gerhard Schr\u00f6der, ehemalige Mitglieder amerikanischer Regierungen &#8211; alles absolute Top-Verdiener.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Weder Kompetenz noch das Interesse der Bev\u00f6lkerung spielen da eine gro\u00dfe Rolle. Lediglich all zu krasse Ausw\u00fcchse werden gehemmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Kompetenz<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Ich habe mit <a href=\"http:\/\/schrotie.de\/index.php\/2010\/11\/ki-is-who-wi\/\">KiIsWhoWi<\/a> ein System vorgestellt, mit dem sich die Kompetenz von Menschen in bestimmten Fachgebieten ermitteln l\u00e4sst. Es handelt sich um eine Art Who is Who Wiki, wo jeder seine Meinung kund tun kann und wo aus Einzel-Meinungen in einer Abwandlung des wissenschaftlichen Peer-Review-Prozesses eine Urteil ermittelt wird. Dieser Artikel ist schon ein paar Jahre alt, und mittlerweile gibt es derartiges bereits vielfach. Wer einen Finanzberater sucht, kann das beispielsweise bei Google Maps tun. Dort finden sich auch zahlreiche (teils gef\u00e4lschte) Urteile. Etwas weiter treibt es beispielsweise <a href=\"http:\/\/netzwertig.com\/2013\/04\/30\/e-health-crowdmed-verspricht-online-krankheitsdiagnose-ohne-nebenwirkungen\/\">dieser Service<\/a> zum Auffinden eines kompetenten Arztes f\u00fcr bestimmte Malessen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Das Problem, kompetente Menschen zu beliebigen Themen zu ermitteln, ist gel\u00f6st. Mindestens der wissenschaftliche Betrieb hat eine L\u00f6sung etabliert und diese l\u00e4sst sich verallgemeinern und mit technischen Mitteln auf die gesamte Bev\u00f6lkerung \u00fcbertragen. KiIsWhoWi legt dar, wie dieser Prozess bereits heute als Teil des normalen Zusammenlebens etabliert wird und welche enormen Vorteile es h\u00e4tte, diesen Prozess aus der Kommerzialisierung zu befreien &#8211; Vorteile weit jenseits der Regierungsbildung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Motivation<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Wie kann man also die so gefundenen kompetenten Menschen motivieren, langfristig und im Sinn der Bev\u00f6lkerung zu entscheiden? Die Antwort liegt wieder zu einem gro\u00dfen Teil in der Auswahl. Man kann nicht nur Kompetenz beurteilen, sondern auch den Charakter von Entscheidern. Um Entscheidungen f\u00fcr alle zu treffen, sollten nur charakterlich einwandfreie Personen ausgew\u00e4hlt werden.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Doch mindestens ebenso wichtig ist der Auswahl-Prozess selbst. Wir sind st\u00e4ndig den Urteilen unserer Mitmenschen und Nachbarn ausgesetzt. Doch meist erfahren wir davon wenig. KiIsWhoWi macht diese Urteile transparent.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Geld regiert die Welt<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Das mag man ablehnen, doch was ist die Alternative? Heute ist der wichtigste gesellschaftliche Faktor f\u00fcr die Beurteilung eines Menschen sein Reichtum. Zur Schau gestellter Reichtum ist der Weg, sich vor seinen Mitmenschen aus zu zeichnen. Viele Menschen versuchen daher Reichtum zu erlangen. Unser Differenzierungs- und Auswahl-System f\u00f6rdert so direkt unmoralisches, asoziales Verhalten, Bereicherung auf Kosten anderer. Anderen zum eigenen Vorteil zu schaden ist nach unserem am weitesten verbreiteten und anerkannten Standard etwas Gutes.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Wenn man den Menschen die M\u00f6glichkeit, sich vor ihren Mitmenschen auszuzeichnen, nicht g\u00e4nzlich nehmen m\u00f6chte, dann sollte man dieses Streben vieler Menschen nach ein wenig Ruhm wenigstens zum Guten wenden. Indem das fortgesetzte gegenseitige Urteil eine gro\u00dfe Bedeutung in unserem Zusammenleben bekommt, wird es f\u00fcr die Entscheider viel wichtiger, sich ihren Mitmenschen gegen\u00fcber korrekt zu verhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Arschlochalarm<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Eine politische Entscheidung ist eine einzigartige Chance f\u00fcr den Entscheider. Er kann sich bereichern, oder er kann seine Reputation verbessern. Wenn er das richtige tut, bekommt er in der Kneipe sicher ein Bier ausgegeben. Wenn er das Falsche tut, kann er sich vielleicht nicht einmal mehr ein Bier kaufen &#8211; weil ihm schlicht keins verkauft wird, egal, was er zahlt.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Man bedenke, dass Smartphones erst der Anfang sind. Mit Google Glass steht gerade die n\u00e4chste Stufe des <a href=\"https:\/\/schrotie.de\/index.php\/2013\/04\/von-glasern-dietrichen-und-der-grosen-freiheit\/\">Life-Logging-Device<\/a> vor der T\u00fcr. Wir kommen aus einer Welt, in der Information schwer zug\u00e4nglich war. Mit der beginnenden Vernetzung wurde sie leichter zug\u00e4nglich. Mit Google Now beobachten wir gerade einen der ersten Dienste, der Information Kontext-Abh\u00e4ngig automatisch einblendet. Die Information kommt zu uns. Wir werden bald in einer Welt leben, wo Informationen zu der Person, die die Kneipe betritt, automatisch eingeblendet werden, wenn das f\u00fcr uns relevant ist. Mit <a href=\"http:\/\/m.techcrunch.com\/2013\/05\/23\/lambda-labs-is-launching-a-facial-recognition-api-for-google-glass\/\">dieser Technik<\/a> auf Google Glass w\u00e4re das bereits heute m\u00f6glich. Und das ist sicher erst der Anfang. Wenn diese Informationseinblendung <a href=\"http:\/\/schrotie.de\/index.php\/2011\/12\/arschlochfreie-zone\/\">der Arschlochalarm<\/a> ist, ist das gar nicht gut f\u00fcr den, der seine Entscheidungsbefugnis missbraucht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Resistenz gegen Lobbykratie<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Wir haben also eine M\u00f6glichkeit, einen starken positiven Motivations-Faktor f\u00fcr unsere Entscheider zu schaffen. Doch auch das d\u00fcrfte nicht reichen, eine Regierung vor der Unterwanderung durch Partial-Interessen zu sch\u00fctzen. Um einen optimalen Schutz zu erreichen, muss man den Entscheidungsprozess zu einem beweglichen Ziel machen. Heute sind unsere Entscheider Jahre, teils Jahrzehnte lang den <a href=\"http:\/\/gutjahr.biz\/2013\/06\/lobbyplag-ranking\/\">Einfl\u00fcsterungen der Lobby<\/a> ausgesetzt. Dieses ewige Dauerfeuer sowie die korrumpierende Wirkung der Macht selbst sind mehr, als die meisten Menschen auf Dauer verkraften.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Ein politischer Entscheider sollte daher nur sehr kurz agieren, sollte idealer Weise nur genau eine politische Entscheidung treffen. So wird der Einfluss seiner Entscheidung auf seine Reputation maximiert und der Einfluss der Lobby minimiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Langfristigkeit<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">So kommt auch der Faktor der Langfristigkeit in den Entscheidungsprozess. Die Pflicht, eine Entscheidung f\u00fcr alle Mitmenschen zu treffen, ist so eine einzigartige Chance f\u00fcr das ganze eigene Leben. Pl\u00f6tzlich steht man im Rampenlicht. Die Entscheidung, die man trifft, wird gro\u00dfen Einfluss auf die eigene Reputation f\u00fcr den Rest des eigenen Lebens haben. Denn einmalig wird man von vielen Menschen beurteilt, von denen man sonst nie wieder etwas h\u00f6ren wird. Es ist also eine Entscheidung auf Lebenszeit und in wenigen F\u00e4llen sogar dar\u00fcber hinaus. Ein l\u00e4ngerer Zeithorizont wird sich f\u00fcr Entscheidungen kaum erreichen lassen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Zus\u00e4tzlich zu diesen intrinsischen Schutzmechanismen gegen Lobbykratie, sollten bestimmte Formen politischer Einflussnahme grunds\u00e4tzlich Untersagt werden. Dies fiele zum Beispiel unter das <a href=\"http:\/\/schrotie.de\/index.php\/2012\/01\/wider-die-werbung\/\">hier<\/a> vorgeschlagene generelle Werbeverbot. Statt dessen sollten die Entscheider sich die n\u00f6tigen Information jederzeit holen k\u00f6nnen. Dies w\u00fcrde schon durch die umfassende Transparenz erm\u00f6glicht, die ich f\u00fcr alle \u00f6ffentlichen (<a href=\"http:\/\/schrotie.de\/index.php\/2013\/03\/ich-sollte-wissen-was-twitter-weis\/\">auch wirtschaftlichen<\/a>) Lebensbereiche fordere.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Technokratie?<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Der Umstand, dass hier nach Kompetenz ausgew\u00e4hlt wird, k\u00f6nnte einen auf die Idee bringen, dass es sich bei meinem Vorschlag um eine Form der Technokratie handelt. Dem ist keineswegs so. Das wesentliche Merkmal einer Technokratie sind Technokraten &#8211; eine Klasse von professionellen Entscheidern, die allein nach sachlichen Kriterien entscheidet. Kompetenz macht keinen Technokraten, sondern seine Entscheidungskriterien.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">In der Technokratie sind das reine Sachkriterien. In meinem Vorschlag hingegen ist der Ma\u00dfstab das Urteil der Mitmenschen. Es ist genau das, was es in einer Demokratie sein sollte aber nicht ist. Im Ideal der Demokratie steht im Mittelpunkt der demokratische Diskurs, die Debatte, der Meinungsaustausch. Tats\u00e4chlich ist dies bei uns zu einem reinen Schauspiel verkommen. Wenn legislative Entscheidung zur Basis der Reputation werden, bekommt der Diskurs wieder eine viel gr\u00f6\u00dfere Bedeutung.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Ebenso wichtig ist es, die fatale N\u00e4he von M\u00e4chtigen zu ihren Hofberichterstattern aufzubrechen. Dies geschieht in den von mir vorgeschlagenen System automatisch dadurch, dass die &#8222;M\u00e4chtigen&#8220; st\u00e4ndig wechseln. So kommt es gar nicht er zu der pers\u00f6nlichen N\u00e4he zwischen Politik und denen, die dar\u00fcber Berichten. So kann der Diskurs sich wieder frei entfalten.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Zudem kann von Technokraten schon gar keine Rede sein. Denn es gibt ja weder Techno- noch sonst welche -kraten. Wer nur eine oder wenige Entscheidungen in seinem Leben trifft, kann kein professioneller Politiker werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Frau des Volkes<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">So jemand bleibt ein Mann oder eine Frau des Volkes. Es sind die ber\u00fchmten 15 Minuten Ruhm &#8211; oder eher fifteen minutes of blame. Auf diese Weise sowie dadurch, dass es jeweils nur wenige Entscheider gibt, wird auch die Identifikation der Bev\u00f6lkerung mit den Entscheidern und ihrem politischen System gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>One Man One Vote<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Was wurde aus dem Prinzip &#8222;Ein Mensch, eine Stimme&#8220;? Es war ein wichtiger und richtiger Schritt in unserer kulturellen Entwicklung. Ohne dieses Prinzip w\u00e4re unsere Welt heute wahrscheinlich ein noch deutlich schlimmerer Ort. Doch wenn sie uns auch paar Schritte in die richtige Richtung gebracht hat, so konnte die Demokratie ihre gro\u00dfen Versprechen letztlich doch nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Das romantische Ideal von &#8222;Ein Mensch, eine Stimme&#8220; ist gerade, dass jede Stimme z\u00e4hlt, das niemand \u00fcberh\u00f6rt wird. Doch die Realit\u00e4t der Demokratie verkehrt dieses Ideal in sein genaues Gegenteil: Eine einzeln Stimme wird grunds\u00e4tzlich \u00fcberh\u00f6rt, wenn sie nicht in den Chor der Masse einstimmt. Selbst gro\u00dfe Minderheiten, wie Homosexuelle, werden Jahrzehnte lang tyrannisiert, wenn nicht zuf\u00e4llig &#8222;political correctness&#8220; zur Mode wird.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Die Anwohner des Wendlandes (Gorleben, oder wo immer das Endlager letztlich landet) werden nach ihrem subjektiven Empfinden gar von der Mehrheit ihrer Heimat beraubt. Da braucht niemand mit &#8222;rationalen Argumenten&#8220; zu kommen. Atomm\u00fcll in meinem Hinterhof ist ein drastischer Eingriff in meine Pers\u00f6nlichkeitsrechte. Demokratie ist die Diktatur der Mehrheit.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Das hier vorgeschlagene Prinzip gibt einzelnen dagegen tats\u00e4chlich eine Stimme. Wenn meine politische Entscheidung einem einzelnen massiv schadet, kann dieser das bei KiIsWhoWi \u00fcber mich schreiben. Andere k\u00f6nnen das dann lesen, und beurteilen, ob meine Entscheidung dennoch gerechtfertigt war.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Das Ideal von &#8222;Ein Mensch, eine Stimme&#8220; ist richtig. Doch um das Ideal zu erreichen, muss man sich gerade von diesem Prinzip verabschieden.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Die Demokratie ist Prinzip-bedingt unf\u00e4hig unsere zentralen Probleme zu l\u00f6sen und sie bietet nur unzureichenden Schutz gegen Inkompetenz und Usurpation. In der letzten gro\u00dfen Weltwirtschaftskrise hat sie sich konsequent abgeschafft und in dieser ist sie gerade wieder dabei. Demokratie hatte ihre Berechtigung, doch sie ist nicht das Ende der Geschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Ein neuer Weg<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Dies sind die Prinzipien eines politischen Systems von den Menschen f\u00fcr die Menschen: Eines Systems, das kompetente Entscheider w\u00e4hlt und sie motiviert, langfristig und im Sinn des Volkes zu entscheiden; Das resilient ist und resistent gegen Lobbykratie und Usurpation; Das es den B\u00fcrgern erm\u00f6glicht, sich mit ihrem legislative System zu identifizieren; Das die gro\u00dfen zentralen Probleme unserer Gesellschaft mit ihrem sehr langen Zeithorizont angehen kann.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Ich habe einen legislativen Prozess, der diese Prinzipien beherzigt, <a href=\"http:\/\/schrotie.de\/extremeGoverning\/de\/sections\/node26.html#SECTION04032900000000000000 \">hier<\/a> exemplarisch dargelegt. Dies ist nur ein Beispiel, wichtig sind die Prinzipien: Gegenseitiges Ansehen muss wichtiger sein als Geld, Kompetenz und Integrit\u00e4t sind Voraussetzungen f\u00fcr legislative Entscheidungen, Entscheider treffen nur eine oder wenige Entscheidungen, die gro\u00dfe Bedeutung f\u00fcr ihr ganzes Leben haben, der Prozess ist transparent und frei von gezielter Einflussnahme.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier stelle ich eine Alternative zur Demokratie vor. Ein System, das die Ideale der Demokratie um zu setzen versucht &#8211; ohne Wahl, ohne Lobbyismus, ohne Regierung im klassischen Sinn, doch mit effizienten klar umrissenen Entscheidungs-Prozessen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[132,120],"tags":[43,66,14,98,38,16,15,9,40,41],"class_list":["post-590","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-extremegoverning","category-utopilotik","tag-demokratie","tag-gemeinschaft","tag-information","tag-kiiswhowi","tag-legislative","tag-macht","tag-medien","tag-politik","tag-staat","tag-utopie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schrotie.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/590","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schrotie.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schrotie.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schrotie.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schrotie.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=590"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/schrotie.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/590\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":858,"href":"https:\/\/schrotie.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/590\/revisions\/858"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schrotie.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=590"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schrotie.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=590"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schrotie.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=590"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}