{"id":681,"date":"2014-05-10T14:16:48","date_gmt":"2014-05-10T13:16:48","guid":{"rendered":"http:\/\/schrotie.de\/?p=681"},"modified":"2015-07-21T13:28:28","modified_gmt":"2015-07-21T12:28:28","slug":"vetternwirtschaft-2-0","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schrotie.de\/index.php\/2014\/05\/vetternwirtschaft-2-0\/","title":{"rendered":"Vetternwirtschaft 2.0"},"content":{"rendered":"<p id=\"docs-internal-guid-8691d806-e5be-40ef-d4b5-ef075d17679b\" dir=\"ltr\">Das soziale Netz ist alles. Egal, worum es geht, Marketing, h\u00f6heres Management, Politik, Milit\u00e4r, auch die meisten Privat-Leben &#8211; immer ist es unerl\u00e4sslich im Aufgabengebiet Leute zu kennen von denen man wei\u00df woran man ist, und die mit einem zusammenarbeiten. Beziehungen, Vetternwirtschaft, Seilschaften, Vitamin B: alles W\u00f6rter f\u00fcr die gleiche Sache. Es gibt keinen Faktor, der eine \u00e4hnlich gro\u00dfe Bedeutung f\u00fcr den Erfolg hat. Die gr\u00f6\u00dften Versager k\u00f6nnen mit Beziehungen Pr\u00e4sident der USA werden und die gr\u00f6\u00dften Genies k\u00f6nnen ohne Beziehung kaum gro\u00dfen Erfolg haben.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Man mag das beklagen, doch genau so kann man die Schwerkraft beklagen. W\u00e4re es nicht sch\u00f6n, wenn wir alle fliegen k\u00f6nnten? Wei\u00df nicht. W\u00e4re es nicht sch\u00f6n, wenn wir keine Menschen w\u00e4ren? Wei\u00df nicht. Wir sind Menschen und sollten das Beste daraus machen. Wir sind soziale Tiere. Das ist gut. Und wir sind auf Kooperation angewiesen. Auch gut. Vetternwirtschaft ist teils menschlicher Makel, teils aus der Not geborene Strategie um mit einem ganz speziellen Engpass umzugehen: dem allgemeinen Mangel an Vertrauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Der Mangel an Vertrauen<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Vertrauen ist heute wahrscheinlich <em>der<\/em> begrenzende Faktor der Wirtschaft. Riesige Kapital-Mengen marodieren auf der Suche nach lohnenden Investitionsm\u00f6glichkeit um den Globus. Riesige Arbeitslosenheere verstopfen viele gro\u00dfe Volkswirtschaften. Kapital und Arbeitskraft sind im \u00dcberfluss vorhanden. Doch wenn eine neue wirtschaftliche Unternehmung gegr\u00fcndet wird &#8211; vulgo: ein Startup &#8211; ist zun\u00e4chst das Kapital das existentielle Problem und dann, die richtigen Leute f\u00fcr den Job zu finden.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Und beide Probleme haben die gleiche Wurzel: den Mangel an Vertrauen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Vertrauen ist eine einzigartige Ressource. Es ist schwer zu verdienen, sehr leicht zu verspielen und nur sehr eingeschr\u00e4nkt \u00fcbertragbar. Letzteres geschieht durch eine Empfehlung. Diese kann einen Vertrauensvorschuss &#8211; Vertrauen auf Kredit! &#8211; vermitteln, welcher es erlaubt, sich das Vertrauen auf neuer Position viel schneller zu erarbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Die Grenzen der Vertrauens-\u00dcbertragung<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Dieser Vorgang der Empfehlung zeigt, dass Vertrauen durchaus \u00fcbertragbar ist, wenn auch mit Einschr\u00e4nkungen. Die Einschr\u00e4nkung besteht darin, dass die \u00dcbertragung des Vertrauens durch den Mangel an Vertrauen dem Empfehlenden gegen\u00fcber beschr\u00e4nkt ist. Der Vorgang der Empfehlung ist so alt wie die Menschheit &#8211; f\u00fcr X lege ich meine H\u00e4nde ins Feuer &#8211; und heute durch Arbeitszeugnisse und Empfehlungen formalisiert.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Doch diese Formalisierung stammt noch aus der \u00c4ra der Holzmedien. Sie ist enorm umst\u00e4ndlich, b\u00fcrokratisch, ineffizient (Arbeitszeugnisse verwenden z.B. einen speziellen Sprach-Code) und skaliert schlecht bis garnicht. Letzteres bedeutet, dass sie nur f\u00fcr Einzelfallpr\u00fcfung taugt und sich nicht beschleunigen l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Netzwerke<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Wir leben heute in einer Utopie. Der \u00fcberwiegende Teil der Menschheit ist heute zumindest eingeschr\u00e4nkt Teil des globalen Informationsnetzes und es wird nicht lange dauern, bis fast jeder Mensch uneingeschr\u00e4nkten Zugang zum Informationsnetz haben wird (siehe <a href=\"http:\/\/www.theatlantic.com\/business\/archive\/2014\/02\/the-dawn-of-the-age-of-artificial-intelligence\/283730\/\">hier<\/a>). Das war vor drei\u00dfig Jahren v\u00f6llig unvorstellbar. Und es hat die Welt f\u00fcr die Teilnehmer des Informationsnetzes grundlegend ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Nun stellen Sie sich bitte eine andere Utopie vor: Wir alle seien Teilnehmer eines globalen Vertrauensnetzes. Das Vertrauensnetz unterscheidet sich grundlegend vom Informationsnetz. Ich k\u00f6nnte mir Information theoretisch auch aus einer einzigen Quelle abrufen und es wird gerade versucht, die Netzstruktur des Informationsnetzes genau in diese Richtung um zubauen. Doch das Vertrauensnetz kann ausschlie\u00dflich als Netzstruktur funktionieren &#8211; und es setzt das Informationsnetz voraus.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Ich kann die Vertrauensw\u00fcrdigkeit einer Person nur beurteilen, wenn ich sehe, welches Vertrauen dieser Person von anderen entgegengebracht wird, welches Vertrauen diesen anderen entgegen gebracht wird und so weiter. Das Vertrauensnetz erfordert also eine netzf\u00f6rmige Informations\u00fcbertragung zwischen seinen Teilnehmern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Vertrauensnetz<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Es ist keine Utopie. Das Vertrauensnetz existiert. Doch wir leben in seiner Steinzeit. Wenn Sie alt genug sind, wissen Sie vielleicht noch, wie sich das WWW vor Google angef\u00fchlt hat. Information zu finden war furchtbar umst\u00e4ndlich. Ein Internetsuche hat meist viel Zeit in Anspruch genommen und man hat bergeweise Information gefunden, die man \u00fcberhaupt nicht gesucht hat.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Erinnern Sie sich vielleicht auch noch an die Zeit vor den gro\u00dfen Suchmaschinen wie Lycos, Altavista und Metager? Anfang der Neunziger gab es schon gro\u00dfe Informationsmengen im Netz, aber sie waren nur sehr schwer zug\u00e4nglich. Surfen mit Mosaic machte Spa\u00df und war total spannend, hatte aber noch kaum praktische Bedeutung. Es war jenseits der Universit\u00e4ten eine Spielerei.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Das Vertrauensnetz befindet sich heute irgendwo zwischen diesen ersten Anf\u00e4ngen mit Mosaic und dem Auftauchen von Googles Page-Rank Algorithmus. Doch das Problem des Vertrauensnetzes ist nicht nur das Fehlen einer Suchmaschiene sondern vor allem das Fehlen der tieferen Vernetzung.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Vertrauensnetz-Tools schie\u00dfen wie Pilze aus dem Boden. Immer mehr Dienste bieten Bewertungs-M\u00f6glichkeiten f\u00fcr alles M\u00f6gliche. Kunden-Reviews von Amazon-Produkten, Bewertungen von Verk\u00e4ufern auf Ebay, von Handwerkern auf Myhammer, Bewertungen von Gesch\u00e4ften auf Yelp, Bewertungen von Bars, Restaurants und Shops auf Foursquare, Bewertung von Arbeitgebern auf Kununu, Bewertung von Arbeitnehmern auf Dutzenden Freelancer-Plattformen und gesch\u00e4ftlichen sozialen Netzen wie LinkedIn, die Bewertung des pers\u00f6nlichen Wohnumfeldes auf airbnb &#8211; die Liste lie\u00dfe sich endlos fortsetzen. Es gibt heute nur noch wenige Lebensbereiche, f\u00fcr die keine Bewertungsplattformen existieren.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Und dann gibt es noch die gro\u00dfen sozialen Netze, allen voran Facebook. Auch hier finden mit \u201cFreundschaften\u201d und \u201clikes\u201d dauernd Bewertungen statt, auch wenn die Bewertungsm\u00f6glichkeiten hier um des sozialen Friedens willen sehr eingeschr\u00e4nkt sind. Es existiert ein riesiges Netz von Bewertungen. Und diese Bewertungen dr\u00fccken oft Vertrauen aus: ich vertraue diesem Produkt (oder auch nicht), diesem Handwerker und so weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Kein Vertrauen ohne Netz<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Doch insbesondere von Amazon ist das Kernproblem bekannt: ausgesprochenes Vertrauen nutzt genau gar nichts, wenn man dem nicht trauen kann, der das Vertrauen ausgesprochen hat. Interessanter Weise funktioniert es anders herum schon einigerma\u00dfen: wer brauchbare Produkte bei Amazon sucht, muss Produkte mit vielen Bewertungen suchen und kann sich dann ein brauchbares Urteil aus Zahl und Inhalt der negativen Bewertungen bilden. Die positiven sind irrelevant, da sie oft gef\u00e4lscht sind.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Denn was fehlt ist die Vernetzung: w\u00fcsste ich, dass ich den Bewertern trauen kann, w\u00e4ren die Bewertungen viel hilfreicher. \u00a0Nat\u00fcrlich versucht Amazon dieses Problem mit dem <a href=\"http:\/\/www.neunetz.com\/2013\/11\/05\/top-rezensenten-auf-amazon-erhalten-viele-produkte-kostenlos\/\">Top-Rezensenten-Programm<\/a> zu adressieren, stellt sich dabei aber gleich wieder <a href=\"http:\/\/www.buchreport.de\/nachrichten\/nachrichten_detail\/datum\/2012\/05\/02\/keine-lust-auf-doppelte-daumenschrauben.htm?no_cache=1&amp;cHash=f42f3eb8f5586b6a3d7e74fab1135806\">selbst ein Bein<\/a>.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Dasselbe gilt auf allen Bewertungsportalen: Sie sind nicht v\u00f6llig nutzlos. Doch da meist nur eine einzelne Ebene des Vertrauens abgebildet und nicht tiefer vernetzt wird, ist der Nutzen extrem eingeschr\u00e4nkt. Das Vertrauensnetz steckt noch in seiner Steinzeit.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Aber wird es hier denn eine dem WWW und Informationsnetz vergleichbare Entwicklung \u00fcberhaupt geben? Handelt es sich nicht um ein Randph\u00e4nomen? Oh, ja, diese Entwicklung wird es geben. Oh nein, das ist kein Randph\u00e4nomen. Das soziale Netz ist alles. Das Vertrauensnetz ist eine Killerapplikation. Eine Killerappliation ist eine Anwendung, die zum Selbstl\u00e4ufer wird und ganzen Technologie-Familien zum gesellschaftlichen Durchbruch verhelfen, weil sie so ungemein n\u00fctzlich sind. Beispiele? Technologie &#8211; Killerapplikation:<\/p>\n<ul>\n<li dir=\"ltr\">\n<p dir=\"ltr\">Elektrizit\u00e4t &#8211; elektrisches Licht<\/p>\n<\/li>\n<li dir=\"ltr\">\n<p dir=\"ltr\">Computervernetzung &#8211; Email<\/p>\n<\/li>\n<li dir=\"ltr\">\n<p dir=\"ltr\">Internet &#8211; WWW<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p dir=\"ltr\">Ein funktionierendes Vertrauensnetz bedeutet, dass ich genau wei\u00df, welchen Bewertungen, welchen Kommentaren, welchen Artikeln ich trauen kann. Dadurch wird der Wert der Information enorm gesteigert; und unsere Gesellschaft mit einer Radikalit\u00e4t transformiert, die die Anf\u00e4nge der Vernetzung bis heute recht beschaulich aussehen l\u00e4sst.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Denn der Mangel an Vertrauen hat unsere Gesellschaft gepr\u00e4gt wie kein anderer Faktor. Menschen organisieren sich auf allen Ebenen zu Gruppen, die meist eine gewisse Zeit bestehen. Von der Familie zur Abteilung, vom Fu\u00dfballverein zu den Bilderbergern: egal, was man erreichen m\u00f6chte, man ben\u00f6tigt eine Gruppe von Menschen und diese funktioniert nur mit Vertrauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Disruption Reloaded<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Wenn nun Vertrauen \u00fcberall reichlich vorhanden ist, \u00e4ndert das vieles. Nat\u00fcrlich werden die traditionellen Gruppen fortbestehen, sie sind Teil unserer menschlichen Natur. Doch das Vertrauensnetz erlaubt es, unmittelbar Ad-Hoc-Gruppen zu bilden, die sofort effizient arbeiten k\u00f6nnen. Jedes Mitglied, wei\u00df, was es von den anderen erwarten kann und was nicht, auch wenn sich alle Mitglieder noch nie vorher begegnet sind. Wenn ich irgendeine Aufgabe zu erledigen habe, kann ich mit Hilfe des Vertrauensnetzes sofort die ideale Person zur L\u00f6sung der Aufgabe finden.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Es ist m\u00f6glich, dass sich feste Arbeitsverh\u00e4ltnisse langfristig weitgehend aufl\u00f6sen. Voraussetzung ist das Vertrauensnetz und die Freelancer-Platformen arbeiten genau daran. Doch es sind nicht nur feste Arbeitsverh\u00e4ltnisse betroffen. Die potentielle \u00c4nderung der Organisationsform betrifft alle Bereiche der Gesellschaft.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Man mag das beklagen, doch genau so kann man die Schwerkraft beklagen. Es hat (auch?) Vorteile. Es wird zum Beispiel kein Problem sein, einen guten Handwerker zu finden. Und viele meiner utopischen Ideen setzen das Vertrauensnetz voraus.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Jedenfalls wird es sich kaum aufhalten lassen. Denn der wirtschaftliche Vorteil ist enorm. Es l\u00e4sst sich beobachten, wie die Wirtschaft zunehmend Projekt-orientiert wird. In Teilen der IT-Wirtschaft gibt es einen Trend, nur mit einer Kernbelegschaft zu arbeiten und die Hauptarbeit von Projekt-bezogenen Ab-Hoc-Teams aus Freelancern erledigen zu lassen. Somit haben solche Unternehmen immer die perfekte Mannschaft f\u00fcr die Projekte und m\u00fcssen keinen Leerlauf bezahlen, wenn die Auftragslage mal mau ist.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Mit zunehmender Automation wird die Projekt-Bezogenheit zunehmen. Denn die eigentliche Produktion, Dienstleistung und so weiter nimmt immer weniger Arbeitskraft in Anspruch. Was mindestens noch eine Weile bleiben wird ist die Markt-Exploration und der Aufbau neuer Produkte, Dienstleistungen, Produktionsabl\u00e4ufe usw. Alls dies ist Projekt-Arbeit. Und es wird in all diesen Bereichen und mehr immer wichtiger f\u00fcr einen recht begrenzten Zeitraum ein Team auch hoch spezialisierten Experten zusammen zu stellen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Es ist fraglich, ob die starren Strukturen der traditionellen Wirtschaft den immer schnelleren Innovationszyklen gewachsen sein werden. Der Freelancer-Markt <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/resale\/artikel\/Nachfrage-nach-IT-Engineering-Freelancern-weiter-gestiegen-1912564.html?view=zoom;zoom=1\">w\u00e4chst stetig<\/a> und das trotz gering ausgebildetem Vertrauensnetz und obwohl bisher nur spezielle Pers\u00f6nlichkeiten zu Freelancern werden, da die sozialen Sicherungs-Systeme nicht mit diesem radikalen Wandel mithalten.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">An anderer Stelle zeigen sich die Auswirkungen des fr\u00fchen Vertrauensnetzes noch deutlicher: Airbnb und anderen Plattformen ist es gelungen, den Vertrauensmangel in einem speziellen Marktsegment soweit zu s\u00e4ttigen, dass die Branche der vor\u00fcbergehenden Unterbringung gerade revolutioniert wird. Nebenwirkungen sind niedrigere Kosten und ein erheblich besserer Service f\u00fcr die Kunden. <a href=\"http:\/\/www.techdirt.com\/articles\/20140427\/06501727039\/you-dont-have-to-be-desperate-to-believe-that-trust-is-good-thing.shtml\">Dieser Artikel<\/a> bietet eine interessante Diskussion zu dem Thema und geht explizit und ausf\u00fchrlich darauf ein, was das mit Vertrauen zu tun hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>Echte Markwirtschaft braucht Vertrauen<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Abstrakter l\u00e4sst sich feststellen, dass mit zunehmender Ausbildung des Vertrauensnetzes die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Transaktionskostentheorie\">Transaktionskosten<\/a> auf breiter Front einbrechen. Das Vorhandensein und die H\u00f6he der Transaktionskosten bei der Benutzung des Marktes sind \u00fcberhaupt daf\u00fcr verantwortlich, dass es Firmen und andere wirtschaftliche Institutionen gibt. Wenn die Transaktionskosten sinken, sollte das dazu f\u00fchren, das der Markt kleinteiliger wird. Das hei\u00dft es gibt viel mehr kleine Anbieter und viel weniger gro\u00dfe.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Genau das l\u00e4sst sich im Unterbringungsmarkt beobachten, womit wir wieder bei obigem Beispiel Airbnb sind. Auch Ebay, Amazon Marketplace und viele andere Angebote, die die Transaktionskosten senken, haben genau den gleichen Effekt.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">F\u00fcr mich ist das ein Grund zum jubeln. Ich glaube, dass <em>der Markt<\/em> funktionieren w\u00fcrde und die beste Organisationsform der Wirtschaft w\u00e4re, wenn man ihm denn eine Chance g\u00e4be. Doch statt vom Markt ist unsere Wirtschaft von Monopolen und Kartellen gepr\u00e4gt. Mit zunehmender reife neigt jeder Markt zu starker Konzentration auf Anbieter-Seite. Das hei\u00dft, der Markt schafft sich stets selbst ab. Ein wichtiger Grund f\u00fcr diese Konzentration sind die hohen Transaktionskosten, die durch das Vertrauensnetz massiv gesenkt werden. Ein anderer ist \u00fcbrigens die Werbung, wie ich <a href=\"http:\/\/schrotie.de\/index.php\/2012\/01\/wider-die-werbung\/\">hier<\/a> er\u00f6rtere.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Wir sehen also Zeiten entgegen, die meinen Idealen deutlich n\u00e4her kommen. <a href=\"http:\/\/www.techdirt.com\/articles\/20140329\/07150626725\/is-zero-marginal-cost-society-end-capitalism-way-to-fix-capitalism.shtml\">Dieser Artikel<\/a> stellt das ganz \u00e4hnlich dar. Auch hier werden Grenzkosten, Transaktionskosten und der Vertrauensfaktor betrachtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" dir=\"ltr\"><strong>R\u00fcckkopplung auf die Menschen<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Das Vertrauensnetz wirkt nat\u00fcrlich auch auf die Menschen zur\u00fcck. Wenn ich Mist baue, kann sich das auf das mir entgegen gebrachte Vertrauen auswirken. Und \u201cMist\u201d kann sowohl fachliche als auch menschliche Dimensionen haben. In einer Welt schnell wechselnder Kooperationen kann es sich z.B. ein Chef nicht leisten, seine Mitarbeiter schlecht zu behandeln &#8211; mit ihm w\u00fcrde schlicht niemand arbeiten wollen. Gleiches gilt m\u00f6glicherweise, f\u00fcr moralisch fragw\u00fcrdige Unternehmungen: wenn ich z.B. an einem ausbeuterischen Projekt mitarbeite verbaue ich mir damit m\u00f6glicher Weise meine berufliche Zukunft.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Doch das ist nicht auf den Beruf beschr\u00e4nkt. Wir werden eine Demokratisierung der Wirtschaft erleben. Jemand, der beispielsweise pers\u00f6nlich f\u00fcr die Lieferung von Waffen in Krisengebiete verantwortlich ist, bekommt m\u00f6glicherweise kein Bier mehr in einer Kneipe. Grund daf\u00fcr ist der <a href=\"http:\/\/schrotie.de\/index.php\/2011\/12\/arschlochfreie-zone\/\">Arschlochdetektor<\/a>. Man mag den beklagen, aber verhindern wird man ihn kaum. Auch <a href=\"http:\/\/netzwertig.com\/2014\/02\/07\/gesichtsidentifizierung-per-app-die-schwierige-suche-nach-soliden-gegenargumenten\/\">hier<\/a> wird das z.B. anhand der kaum aufzuhaltenden automatischen Gesichtserkennung erl\u00e4utert.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Das Vertrauensnetz wird die Welt radikal ver\u00e4ndern. Etwas, das so wichtig f\u00fcr unsere Zukunft ist, sollten wir nicht allein zunehmen monopolisierten privatwirtschaftlichen Interessen \u00fcberlassen. Doch genau das geschieht gerade. Wir brauchen Gesetze, die allgemeinen Zugang zu diesen essentiellen Informationen sichern und Initiativen, die diese Informationen auf \u00f6ffentlichen Plattformen, \u00e4hnlich Wikipedia, zug\u00e4nglich machen &#8211; siehe z.B. <a href=\"http:\/\/schrotie.de\/index.php\/2010\/11\/ki-is-who-wi\/\">KiIsWhoWi<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Vertrauensnetz wird die Welt radikal ver\u00e4ndern. 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