{"id":743,"date":"2014-12-24T15:44:06","date_gmt":"2014-12-24T14:44:06","guid":{"rendered":"http:\/\/schrotie.de\/?p=743"},"modified":"2014-12-24T15:44:06","modified_gmt":"2014-12-24T14:44:06","slug":"techno-house","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schrotie.de\/index.php\/2014\/12\/techno-house\/","title":{"rendered":"Techno House"},"content":{"rendered":"<p id=\"docs-internal-guid-11579e5e-7ca1-6aec-dd00-c436b176bfb3\" dir=\"ltr\">Dies ist eine sehr kurze Epoche in den Ausgrabungen, die zuk\u00fcnftige Arch\u00e4ologen hoffentlich mal in unserem heutigen Leben machen werden.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Die Natur ist hier sehr gez\u00e4hmt. Eine \u00f6ffentliche Gr\u00fcnfl\u00e4che geht in Garten \u00fcber. Immerhin, es ist ein Biogarten. Und selbst auf diesem kleinen Fleckchen Erde umgeben von der relativen \u00d6dnis der fl\u00e4chendeckenden Monokultur weniger strapazierf\u00e4higer Gras-Sorten, selbst auf diesem Fleckchen Erde greift sich Mutter Natur all den wenigen Raum, der ihr Geboten wird.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Doch im Moment schl\u00e4ft sie, die Natur. Es ist Ende Dezember. Ein kalter, leicht regen-durchsetzter kr\u00e4ftiger Wind pfeift durch die kahlen B\u00fcsche am Rand des Gartens. Durch das Pfeifen des Windes h\u00f6rt man leise ein regelm\u00e4\u00dfiges Piepen. Es ist das Summen des Hauses, das seine Bewohner umsorgt.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">In diesem Fall ist es der Trockner. Man h\u00f6rt ihn drau\u00dfen durch das offene Keller-Fenster. Im Wasch-Keller steht oft das Fenster offen, damit der Dunst abziehen kann.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Und nun piept der Trockner. Er ist fertig mit dem Trocknen. Heute wurden nach dem Baden die Handt\u00fccher gewaschen. Zusammen mit etwas Bunt-W\u00e4sche, die gerade noch anlag, war eine Maschine voll geworden. Und die ist nun gewaschen und getrocknet. Ja, es ist sp\u00e4t. Oder auch fr\u00fche Nacht.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Die beiden, die Waschmaschine und der Trockner, sind nicht die einzigen Maschinen, die sich hier um das Wohl der Bewohner k\u00fcmmern. Ein absolut gleichm\u00e4\u00dfiges Summen kommt aus dem Heizungskeller. Das h\u00f6rt man aber nur unten im Keller. Und drau\u00dfen im kalten Wind. Es ist die L\u00fcftungsanlage, die dauernd die Luft im Haus durch frische ersetzt. Durch einen in den L\u00fcftungsweg eingebauten W\u00e4rmetauscher bleibt dabei 90% der W\u00e4rme im Haus. Es durchstr\u00f6mt dauernd frische angenehm temperierte Luft sanft das Haus.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">F\u00fcr den Ausgleich der verbleibenden 10% W\u00e4rme sowie den W\u00e4rmeverlust durch W\u00e4nde und Fenster arbeitet der Kollege neben dem Motor der L\u00fcftungsanlage sporadisch mit einem etwas sonoreren Summen. Das kommt von der W\u00e4rmepumpe. Die pumpt W\u00e4rme aus dem Inneren der Erde ins Haus. Dabei sind wieder eine ganze Reihe an W\u00e4rmetauschern am Werk: aus dem Erdreich in die Sole der W\u00e4rmepumpe. An sonnigen Dezembertagen kann selbst vom Dach noch W\u00e4rme geerntet werden. Doch nun, in der Nacht, und w\u00e4hrend solcher Schlecht-Wetter-Perioden gleich gar, kommt die W\u00e4rme aus der Erde.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Aus der Sole geht die W\u00e4rme in den gro\u00dfen Wasser-Tank, der als W\u00e4rmepuffer dient. Aus diesem stets gut gef\u00fcllten W\u00e4rme-Reservoir wird die W\u00e4rme im Haus verteilt, wohin sie gerade gebraucht wird: als Warm-Wasser aus einem der zahlreichen Wasser-H\u00e4hne des Hauses. Oder in die Wand-Heizung.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Die Wandheizung umgibt die Au\u00dfen-W\u00e4nde des Hauses und wenige Innenw\u00e4nde mit einem feinen Netz aus W\u00e4rme. Es ist gerade soviel, dass die Au\u00dfenw\u00e4nde 120% isoliert zu sein scheinen &#8211; die W\u00e4nde haben nicht einen leichten W\u00e4rmeverlust, sie haben einen leichten W\u00e4rme-Eintrag, als w\u00e4ren sie von einer prallen Juli-Sonne beschienen, in dieser Dezember-Nacht.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Im selben Raum, in dem die L\u00fcftung und die Heizung arbeiten, arbeitet auch die Haus-Automation, aber die h\u00f6rt man nicht. Nur manchmal klackt es ganz leise, wenn ein Licht schaltet &#8211; weil ein Bewohner es an- oder aus-haben m\u00f6chte, oder weil der Raum seit einiger Zeit verlassen ist, und das Licht deshalb jetzt mal abgeschaltet wird. Die Verteilung der W\u00e4rme wird ganz lautlos geregelt und nur wenn mal ein Fenster gegen allzu viel Sonne verschattet wird, h\u00f6rt man oben das Summen eines Motors. Doch davon kann zu dieser Zeit keine Rede sein.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Verl\u00e4sst man den Keller, trifft man noch ein paar Helferlein der Bewohner. Der Staubsauger steht wie \u00fcblich im Weg. Er ist der d\u00fcmmste all der Helferlein. Selbst der Herd kann wie der Ofen und die Micro-Welle nach einiger Zeit abschalten, wenn gew\u00fcnscht. Die Sp\u00fclmaschine durchl\u00e4uft vielstufige Programme um das Geschirr der Bewohner zu s\u00e4ubern und zu trocknen. Der K\u00fchlschrank regelt dauernd die Temperaturen in seinem Inneren. Und im Wohnzimmer versucht ein Smart-TV die Bewohner auf Wunsch zu unterhalten.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Doch auch das hei\u00dft nat\u00fcrlich nur so &#8211; smart. Tats\u00e4chlich ist es ziemlich doof. Es hat bestenfalls die Intelligenz einer Wanze, die f\u00fcr die Konzerne die Bewohner aushorcht, w\u00e4hrend diese unterhalten werden.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Es ist eine einzigartige und kurze Epoche. Und wir sind somit historische Freaks, Teil der wenigen Generationen, die \u00fcber einen ansehnlichen Maschinen-Park gebieten &#8211; hinzu kommen noch Transportmittel, Kommunikatoren, ein paar Gadgets &#8211; einen Maschinen-Park, der aber komplett dumm ist.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Entweder sind wir die letzten Generationen, die f\u00fcr einige Zeit \u00fcberhaupt \u00fcber einen Maschinen-Park gebietet, oder wir sind die letzten, deren Maschinen-Park dumm ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist eine sehr kurze Epoche in den Ausgrabungen, die zuk\u00fcnftige Arch\u00e4ologen hoffentlich mal in unserem heutigen Leben machen werden. Die Natur ist hier sehr gez\u00e4hmt. Eine \u00f6ffentliche Gr\u00fcnfl\u00e4che geht in Garten \u00fcber. Immerhin, es ist ein Biogarten. 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