{"id":760,"date":"2014-12-31T12:59:56","date_gmt":"2014-12-31T11:59:56","guid":{"rendered":"http:\/\/schrotie.de\/?p=760"},"modified":"2014-12-31T12:59:56","modified_gmt":"2014-12-31T11:59:56","slug":"chips-diat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schrotie.de\/index.php\/2014\/12\/chips-diat\/","title":{"rendered":"Chips-Di\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p id=\"docs-internal-guid-c8d53a0c-a022-4c69-45e0-31b09c3c7db0\" dir=\"ltr\">Angefangen hat es vor Jahren mit Chilipulver. Etwas davon auf ein Brot mit dem richtigen Ketchup &#8211; die Sch\u00e4rfe wirkt kurz wie ein Geschmacksverst\u00e4rker bevor sie den Geschmack weitgehend ausknipst. Vielleicht ist das sogar ein und dasselbe: das Capsaicin des Chilis stimuliert den ganzen Mund &#8211; auch die Geschmacksnerven &#8211; derma\u00dfen, dass aufgrund sensorischer Erm\u00fcdung kurz nach dem Flash der Geschmackssinn durchbrennt. Und es ist auch so sch\u00f6n, wenn der Schmerz nachl\u00e4sst.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Angefangen hat es also mit Chilipulver. Das war jetzt sehr laienhaft geschrieben, \u201cChilipulver\u201d. Es handelte sich um gemahlenen Cayenne-Pfeffer. Das ist so die Einstiegsdroge in die Chilitis.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Jetzt wirds mal kurz wissenschaftlich. Sch\u00e4rfe misst man in \u201cScoville\u201d. Ohne jetzt auf die vielleicht etwas langweilige Geschichte der Scoville-Skala einzugehen sei gesagt, dass hier letztlich der Gehalt an dem im Chili enthaltenen Molek\u00fcl \u201cCapsaicin\u201d gemessen wird.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Cayenne-Pfeffer hat rund 10 mal so viele Scoville wie Tabasco-So\u00dfe: 30.000 bis 50.000 Scoville. Mittlerweile bin ich bei Habanero-Pfeffer angelangt. Der hat so 100.000 bis 350.000 Scoville. Den Pfeffer habe ich im Internet bestellt. In normalen L\u00e4den gibts das nicht.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Das geht gut zu Pringles, weil die so gleichf\u00f6rmig sind: eine Priese davon auf jeden einzelnen Chip &#8211; man breitet sie dazu am besten auf einem Teller aus &#8211; und man isst keine ganze Packung mehr am St\u00fcck, bekommt aber ein vielfaches des Geschmackserlebnisses.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Geeignet ist eine Pringles-Sorte, die man mag, bei mir Sweet Paprika. In Kombination mit weiteren Zutaten eignet sich auch Pringles Original sehr gut. Die sind leicht gesalzen (weniger als die meisten anderen salzigen Chips) und ziemlich neutral. Wenn es bei Chilipulver bleibt, kann man beliebige Chips nehmen: etwas Chilipulver in die T\u00fcte und gut sch\u00fctteln, fertig. Aber wenn man weiter verfeinert, ist es angenehm, einen gleichf\u00f6rmigen Chip wie Pringles zu haben.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Ich habe z.B. festgestellt, dass geschroteter Habanero Chili aromatischer ist als gemahlener. Chilis sind leckere, tropisch Fr\u00fcchte mit einer fruchtigen S\u00fc\u00dfe hinter der Sch\u00e4rfe und dieses Aroma kommt dann noch besser zur Geltung. Geschrotete Chili kennt man u.a. vom T\u00fcrken. Da wird man oft gefragt, ob der D\u00f6ner scharf gemacht werden soll. Antwortet man \u201cja\u201d, wird etwas Rotes, Grobk\u00f6rniges auf den D\u00f6ner gestreut. Das ist Chili, allerdings kein Habanero sondern wahrscheinlich Cayenne. Die groben, getrockneten Chili-Flocken haften nicht so an Chips wie Pulver. Darum muss man auf jeden Chip einzeln ein wenig streuen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Ich habe auch mit verschiedenen So\u00dfen experimentiert, mit und ohne zus\u00e4tzliches Chili. Klar, Ketchup auf jeden Chip ist naheliegend. Verschiedene Grillso\u00dfen bieten sich an. Mein pers\u00f6nlicher Favorit ist die klassische \u201cSweet Chilisauce for Chicken\u201d. Die enth\u00e4lt aber Knoblauch, muss man vorsichtig dosieren. Dann kann auch ein kleines St\u00fcck Putenbrust zwischen den Chip und die So\u00dfe.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Wir hatten auch mal Mango-Chutney vom Grillen \u00fcbrig. Das war nicht \u00fcbel, aber auch nicht richtig gut. Ich wusste, dass es Mango-Chutney gibt, dass ich sehr gerne esse. Also habe ich mal im Netz recherchiert, welches Mango-Chutney denn gemeinhin f\u00fcr lecker gehalten wird: Geeta\u2019s. Ich habs dann mal bestellt. Super.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Das erste hatte ich bei Amazon bestellt. Als es alle war, habe ich mal nach einem Laden gesucht, der das vertreibt, um Versandkosten zu sparen. Denn bei Amazon Marketplace muss man den Versand f\u00fcr jeden einzelnen Artikel zahlen, auch wenn man mehrere Artikel vom gleichen Anbieter kauft. Und die Versandkosten dort waren auch noch relativ hoch. Der Laden, den ich gefunden habe, hatte auch andere Sorten Geeta\u2019s im Angebot. Also habe ich die auch mal bestellt. Mango-Chili Chutney ist nicht \u00fcbel, aber von der Sch\u00e4rfe relativ mild.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Geeta\u2019s Lime and Chili Chutney ist der Hammer. Chutney ist so ungef\u00e4hr die indische Variante von Marmelade. Man kocht Fr\u00fcchte mit Zucker ein um sie haltbar zu machen. Bei der indischen Variante kommen dann noch Gew\u00fcrze dazu. Und Geeta\u2019s Chutneys sind genial gew\u00fcrzt, wenn man denn indische K\u00fcche mag. Geeta\u2019s Lime and Chili Chutney ist eingekochte Limette und Chilischote mit ordentlich Zucker und Gew\u00fcrzen. In Geeta\u2019s Chutney werden die Fr\u00fcchte klein geschnitten, nicht p\u00fcriert. Man merkt also deutlich die Fruchtst\u00fccke.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Limetten-Chili-Chutney ist eine Geschmacksbombe. Starke Zitronen-S\u00e4ure entsch\u00e4rft durch den Zucker aber verst\u00e4rkt durch die Chili-Sch\u00e4rfe zusammen mit intensivem Limetten-Aroma und exotischen Gew\u00fcrzen (die auch mit eingekocht also nicht getrocknet und\/oder gemahlen sind). Boom.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Das ist der Stand, jetzt. Das geht sicher noch weiter. Eine Frucht w\u00fcrde glaube ich gut passen: Unten der Chip, darauf ein kleines Eckchen Putenbrust, dann vielleicht eine d\u00fcnne Scheibe von einem Apfel (?) und oben drauf das Chutney mit evtl. etwas Chili. Zum Beispiel.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Ich kann diese Di\u00e4t jedem empfehlen. Ich esse jetzt deutlich weniger Chips als fr\u00fcher. Und die fortdauernde Suche nach dem perfekten Chips-Rezept hat etwas seltsam Zen-haftes. Ok, vergesst mal die diversen Perversionen in dem \u201cRezept\u201d. Was ist denn Eure Droge? Schokolade vielleicht? Da ist haufenweise Platz f\u00fcr Zen. Gummib\u00e4rchen sieht schon schlechter aus. Und falls es Tabak ist, tut Eurer Umwelt einen Gefallen und kommt nicht auf die Idee, dass Zigarren das Zen des Rauchens sind.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Mit Schokolade habe ich immerhin kleine Eindr\u00fccke. Ich nasche vermutlich mehr als man mir ansieht. Und was man mir ganz sicher nicht ansieht ist irgendeine Andeutung von D\u00fcrrheit oder Magerkeit. In der Weihnachtszeit hatten wir ab Nikolaus eine immer gut best\u00fcckte Etagere mit Weihnachts-S\u00fc\u00dfkram. Und das sind alles leckere Sachen. Marzipan-Kartoffeln, Mandeln im Schoko-Mantel, mit Marzipan, Karamel oder Knister-Brause gef\u00fcllte Schoko-Kugeln, fast alles einzeln verpackt. \u00a0Ja, ein M\u00fcll, der Wahnsinn. Aber darum gehts gerade mal nicht.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Ich habe festgestellt, dass ich nicht mehr nasche als sonst. Und nicht, weils nicht geht, im Gegenteil. Die Psychologie meines Naschens scheint wenig mit der Menge zu tun zu haben. Es geht mehr so um die Handgriffe und die sensorischen Stimulationen. Eine Schoko-Kugel ist einfach viel weniger als ein Riegel von der dicken Milka-Extra.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Das ist nat\u00fcrlich noch weit weg von Zen. Aber es hat die Richtung eingeschlagen und ist ein kleines St\u00fcck des Weges gegangen:<\/p>\n<p dir=\"ltr\"><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zen_und_die_Kunst_ein_Motorrad_zu_warten#Qualit.C3.A4tsbegriff\">Zen und die Kunst des Naschens<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angefangen hat es vor Jahren mit Chilipulver. Etwas davon auf ein Brot mit dem richtigen Ketchup &#8211; die Sch\u00e4rfe wirkt kurz wie ein Geschmacksverst\u00e4rker bevor sie den Geschmack weitgehend ausknipst. 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